Reporter ohne Grenzen und Greenpeace kritisieren Festnahme von Umweltjournalisten und Aktivisten

19.11.2009  Die indische Journalistin Kumkum Dasgupta und der italienische Korrespondent Raimondo Bultrini sowie zwei Aktivisten aus Italien und Deutschland werden trotz gültiger Aufenthaltsbewilligung von den indonesischen Immigrationsbehörden ausgeschafft. Die Medienleute waren zu Besuch im Greenpeace Climate Defenders Camp im Bezirk Pelalawan der Provinz Riau an der Westküste der Insel. Von dort aus führen die Umweltschützer Aktivitäten gegen die unkontrollierte Waldzerstörung durch. Reporter ohne Grenzen (ROG) und Greenpeace verurteilen die Festnahme sowie die grundlose Ausschaffung der ausländischen Aktivisten und Journalisten.

Seit Anfangs November helfen Greenpeace-Aktivisten den Einheimischen, die Entwässerung durch den Bau von Dämmen zu drosseln, um deren Urwald vor der Zerstörung zu retten. Durch ihre Aktivitäten hat die Umweltschutzorganisation die Sympathien der Dorfbewohner auf sich gezogen und die Behörden sichtlich aufgekratzt. Obwohl am Sonntag etwa 300 Menschen aus Teluk Meranti die Räumung des Greenpeace-Camps spontan verhinderten, wurden kurz darauf 11 internationale Aktivisten aus dem Land geschafft. Am Montagnachmittag (Ortszeit) wurden weitere zwei Aktivisten sowie zwei Journalisten in Polizeigewahrsam genommen.

Fast alle ausländischen Greenpeace-Aktivisten sowie die zwei festgenommenen Reporter sind inzwischen ausgewiesen worden. Und das, obwohl sie im Besitz von Visa und Presseakkreditierungen sind, die von der indonesischen Regierung ausgestellt wurden. «Anstatt krampfhaft zu versuchen, Greenpeace und die Medien zum Schweigen zu bringen, sollte die indonesische Regierung lieber den Regenwald und damit unser Klima schützen», meint dazu Natalie Favre, Pressesprechein von Greenpeace Schweiz.

«Diese willkürlichen Festnahmen der in Indonesien akkreditierten Journalisten sind inakzeptabel», so ROG. «Die Behörden sollten sicherstellen, dass das Recht auf freie Berichterstattung über das dringende Problem der Abholzung des Urwaldes respektiert wird. Die Polizei darf sich nicht dem Druck von Grosskonzernen beugen», fordert ROG. Zuletzt sei im vergangenen Juli der französische Journalist Cyril Payen in dem südostasiatischen Land bei Recherchen zur illegalen Entwaldung festgenommen worden.

Dasgupta arbeitet für die in Delhi ansässige Zeitung «Hindustan Times», Bultrini berichtet für die italienische Zeitung «L'Espresso» aus Indonesien. Beamte der Polizei von Pelalawan nahmen die beiden Berichterstatter letzten Montag gewaltsam fest, um sie «über deren Aktivitäten zu befragen». Dasgupta und Bultrini begleiteten Greenpeace-Aktivisten bei den Dreharbeiten zu einem Dokumentarfilm über illegale Rodungen des Urwaldes und die Verantwortung des Unternehmens «Riau Andalan Pulp & Paper».

Die Polizei hielt die Reporter und die Aktivisten ohne Angabe von Gründen mehrere Stunden fest. Sie wurden dann zum Hauptsitz des Immigrationsamtes von Pekanbaru, der Hauptstadt der Provinz Riau, gebracht. Sie werden nun gezwungen, das Land zu verlassen. Dasgupta ist bereits abgereist und Bultrini wird auch bald nach Italien zurückfliegen müssen, weil sie beide angeblich die Einreisebestimmungen des Aussenministeriums für ausländische Journalisten missachtet haben.

Ende Oktober hat Greenpeace ein Climate Defender Camp auf Kampar im Dorf Teluk Meranti aufgeschlagen, um gemeinsam mit der Bevölkerung gegen die zerstörerischen Machenschaften von Palmöl- und Zellstoffkonzernen wie Sinar Mas und April zu kämpfen. Das Camp beherbergt rund fünfzig Aktivisten und bietet Medienleuten und auch prominenten Unterstützern eine Anlaufstelle. So haben unter anderem Melanie Laurent, Schauspielerin in Quentin Tarantinos «Inglorious Basterds» und verschiedene westliche Diplomaten das Camp bereits besucht.

Indonesien rangiert auf der aktuellen ROG-Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 101 von 175. Die Gefahren für Journalisten, die über illegale Abholzung recherchieren, hat ROG bereits in einem im September veröffentlichten Bericht über Pressefreiheit und Umweltberichterstattung dargelegt.

Kontakt

Georg Hildebrand, Koordination Deutsche Schweiz von Reporter ohne Grenzen, hildebrand(at)rsf-ch.ch, 079 438 52 52

Natalie Favre, Mediensprecherin von Greenpeace Schweiz, natalie.favre@ch.greenpeace.org, 044 447 41 56

Asti Roesle, Wald-Campaignerin von Greenpeace Schweiz, momentan vor Ort in Indonesien, +62 81 388 75 1054

Mehr dazu:

ROG-Bericht vom 17.9.09 (Englisch)
Mehr zum Camp bei Greenpeace Schweiz
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