Der Europäische Druckwasser-Reaktor «EPR European Pressurized Reactor» ist ein neues Reaktor-Modell, welches das französische Unternehmen AREVA zusammen mit dem deutschen Unternehmen Siemens entwickelt hat. Schwerwiegende Zweifel tauchten auf über die Sicherheit und die Kosten des EPR. Untersuchungen der EPR-Baupläne und die Aufarbeitung der Erfahrungen auf den zwei Baustellen in Finnland/Olkiluoto und Frankreich/Flamanville haben Schwachstellen in der Konzeption sowie Probleme bei der Bauausführung und eine Kostenexplosion aufgezeigt.
Trotzdem wird der EPR schwärmerisch als sicherstes, kostengünstigstes und verlässlichstes Kernkraftwerk überhaupt angepriesen. Als weltgrösster Reaktor vermarktet, soll er im Vergleich zu allen andern Modellen besser ausgereift sein. Seine Befürworter präsentieren den EPR als das einzige Beispiel eines fortgeschrittenen «Reaktors der dritten Generation», als Flaggschiff der «nuklearen Renaissance». Im Werbematerial wird beispielsweise versprochen:
«Der EPR ist ein direkter Nachkomme der wohl erprobten N4- und KONVOI-Reaktoren, was eine vollständige Beherrschung der Technologie garantiert. Mit dem Grundkonzept, den Bewilligungsverfahren, der Bauausführung und dem Betrieb verbundene Risiken sind auf ein Minimum reduziert. Das gibt dem EPR-Käufer eine einzigartige Sicherheit.»
Die einzige Sicherheit, die sich aus den laufenden EPR-Projekten ergibt, ist, dass dieser Reaktor-Typ in folgenden vier Schlüsselbereich nicht halten kann, was seine Hersteller versprechen:
Sicherheit
Der EPR unterscheidet sich in weiten Teilen überhaupt nicht von den Vorläufern der «zweiten Generation». Sein Konzept basiert auf technischen Entwicklungen der 1970er Jahre. Zwar wurden einige Verbesserungen eingebaut. Doch das Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit des Reaktors zu erhöhen, hatte auch Verschlechterungen zur Folge.
Fehler bei der Bauausführung in Finnland
Schlampereien und Inkompetenz
Viele der Fehler entstanden, weil der Zeitplan unrealistisch war und auf die Sub-Unternehmen Kostenspardruck ausgeübt wurde.
Atommüll
AREVA sagt, der EPR werde weniger Atommüll produzieren als bisherige Reaktoren. Zwar trifft es zu, dass Gewicht und Volumen der EPR-Atomabfälle etwas schrumpfen werden. Im Gegenzug werden sie jedoch deutlich stärker strahlen.
Kostenüberschreitungen
Vor der Rahmenbewilligung im 2002 versprach die finnische Regierung, der EPR werde höchstens 2,5 Milliarden Euro kosten. Drei Jahre später, im 2005, sah der Fixpreis-Vertrag bereits 3,2 Milliarden Euro vor. Heute beträgt die Kostenüberschreitung bereits 1,5 Milliarden Euro. Bis zum Abschluss der Bauarbeiten dürfte sie noch höher ausfallen.
Atomkraft – Hindernis bei der Bekämpfung des Klimawandels
Auch im besten Fall kann Atomenergie nur einen vernachlässigbar kleinen Beitrag zur CO2-Reduktion erbringen – und dies erst mit vielen Jahren Zeitverzögerung. Selbst wenn die heutige AKW-Kapazität bis 2030 verdoppelt würde, wäre der Reduktionsbeitrag höchstens fünf Prozent.
Dann müsste aber alle zwei Wochen ein neues AKW fertig gestellt werden. Dazu ist die Atomindustrie überhaupt nicht in der Lage.