Immer wieder werden illegale gentechnisch verunreinigte Produkte auf dem Markt gefunden, vor allem Reis- und Maisprodukte. Für die vergangenen zehn Jahre wurden insgesamt 216 Kontaminationen in 57 Ländern belegt, obwohl der Anbau von Gentech-Pflanzen global bislang keine grosse Rolle spielt.
Das Nachsehen haben die Geschädigten, ob es um ihr Einkommen oder ihre Gesundheit geht. Nirgendwo ist international geregelt, wer für Schäden aufkommen muss. Keine Versicherung ist bereit, die Risiken der Gentechnik abzudecken.
Die weltweite Biosicherheit ist im Cartagena Protokoll vom 11. September 2003 festgehalten. Das Protokoll geht auf einen Beschluss der CBD-Vertragsstaaten im Jahr 1995 zurück. Es regelt den grenzüberschreitenden Handel und Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen. Fragen zu Haftung und Wiedergutmachung beantwortet es bislang nicht. Das soll jetzt nachgeholt werden.
Die Verhandlungen sind schwierig. Der Anbau von Gentech-Pflanzen konzentriert sich heute im Wesentlichen auf vier Länder: USA (Spitzenreiter mit 53 Prozent), Argentinien, Brasilien und Kanada. Naturgemäss sind weder Staaten wie die USA noch die Gentechnikkonzerne an strengen Haftungsregeln interessiert.
Es ist seltsam: Diejenigen, die am lautesten behaupten, dass die Gentechnik sicher sei, sträuben sich am meisten gegen verbindliche Haftungsregeln. Warum wohl? Dabei ist doch völlig klar: Wer den Schaden verursacht, muss für ihn geradestehen. Die Konzerne müssen haften.
Gentech-Pflanzen gehören neben der Urwaldzerstörung zu den grossen Gefahren auch für die Artenvielfalt. 75 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Kultursorten sind im 20. Jahrhundert verschwunden. Industrielle Landwirtschaft, Monokultur, Chemie und Gentechnik – das ist das Paket, das die Vielfalt in der Nahrungsmittelerzeugung bedroht.
Die industrielle Landwirtschaft setzt auf Massenproduktion und Monokultur. Monokultur ist anfällig für Schädlinge. Gegen Schädlinge wird die Chemiekeule hervorgeholt. Gentech-Pflanzen sind resistent gemacht gegen die Chemiekeule oder so verändert, dass sie ihr eigenes Gift produzieren.
Die grossen Agrokonzerne wie Monsanto und Syngenta verdienen an beidem: an der Chemiekeule und der Gentech-Saat. Der neue Agrosprit-Boom heizt den Drang zur Monokultur auf Kosten der Artenvielfalt weiter an.
Eine andere Landwirtschaft ist möglich und nötig
14.05.2008: Kommentar zu den Plänen für eine Verlängerung des Gentech Moratoriums
Greenpeace begrüsst die bundesrätlichen Pläne für eine Verlängerung des Moratoriums für eine gentechnikfreie Landwirtschaft. Die weltweiten Erfahrungen mit dem Anbau von Gentech-Pflanzen zeigen, dass eine Koexistenz in der kleinräumigen Schweiz nicht möglich ist. Der Anbau von Gentech-Pflanzen gefährdet die Umwelt und fördert eine intensive, umweltschädliche Landwirtschaft.