Die Serie der Zwischenfälle in französischen Atomanlagen reisst nicht ab. Wegen eines Lecks in einem Reaktor in Tricastin sind 100 Mitarbeiter in Kontakt mit radioaktivem Material gekommen. Es ist der zweite Zwischenfall in dieser und der vierte Zwischenfall in einer französischen Atomanlage innerhalb weniger Wochen.


© Greenpeace/Ruedi Staub Greenpeace-Aktivisten projizieren das Radioaktivitätssymbol auf den Kühlturm des AKWs Gösgen.

Doch der französische Energieversorger Electricité de France (EDF) wiegelt mal wieder ab. Die Strahlenbelastung der Betroffenen habe um den Faktor 40 unterhalb des zulässigen Grenzwertes gelegen. Demnach seien die Mitarbeiter nur leicht kontaminiert. Die radioaktiven Partikel seien aus einer Leitung eines abgeschalteten Reaktors entwichen.

Erst Anfang Juli waren in Tricastin 74 Kilogramm Uran ausgetreten und in zwei Flüsse gelangt. Behörden und Bevölkerung wurden von der Betreiberfirma Socatri zu spät über den Unfall informiert. Zusätzlich warf die französische Atomaufsicht ASN (Autorité de sûreté nucléaire) dem Betreiber vor, nicht genug unternommen zu haben, um eine weitere Verseuchung der Umwelt zu verhindern.

„Warnungen an die Bevölkerung wurden zu spät herausgegeben, Kontaminationen von Mitarbeitern heruntergespielt“, kritisiert Heinz Smital, Atomexperte bei Greenpeace. „Mit einer offene Debatte über Atomenergie tut sich Frankreich aber sichtlich schwer, zu gross ist die Abhängigkeit von dieser gefährlichen Technologie geworden. Je rascher Deutschland die Abhänigkeit von Atomenergie beendet, desto besser wäre es.“

Trotz alledem will Frankreich seine Position als europäischer Atomstaat Nummer 1 weiter ausbauen. Derzeit wird in Flamanville am Ärmelkanal der erste Europäische Druckwasserreaktor (EPR) des Landes gebaut, der 2012 ans Netz gehen soll. Und Anfang Juli kündigte Präsident Nicolas Sarkozy den Bau eines zweiten EPR an.

Schon heute produzieren in Frankreich 58 Reaktoren fast 80% des Stroms. Der vom französischen Atomunternehmen Areva und dem Münchner Siemens-Konzern entwickelte Druckwasserreaktor soll auch ins Ausland verkauft werden, etwa nach China, Südafrika, Grossbritannien und in die USA.

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