Grosse Öl- und Kohlekonzerne versuchen durch Investitionen in Waldschutzprojekte ihre durch fossile Brennstoffe verursachten CO2-Emissionen zu kompensieren. Ein neuer Greenpeace-Bericht zeigt, dass diese Programme nicht nachweislich zu einer Verringerung der Treibhausgasemissionen führen.


Titelseite des Reports «Carbon Scam: Noel Kempff Climate Action Project and the Push for Sub-national Forest Offsets»

Der Bericht «Carbon Scam» untersucht eines der bekanntesten Kompensationsprogramme, nämlich das «Noel Kempff Climate Action»-Projekt (NKCAP) in Bolivien, das 1997 von American Electric Power, BP-Amoco und Pacificorp ins Leben gerufen wurde. Er zeigt die erheblichen ökologischen und ökonomischen Risiken auf, die «sub-nationale» REDD (Reduced Emissions from Degradation and Deforestation; Deutsch: Verringerung der Emissionen aus Entwaldung und Wald-Degradation) Kompensierungsprojekte mit sich ziehen. Auch haben die Projektbetreiber in den letzten zwölf Jahren ihre Einschätzung der Emissionseinsparungen um fast 90% senken müssen, von rund 55 Mio. auf 5,8 Mio Tonnen CO2 (oder weniger).

Mit dem neuen Report enthüllt Greenpeace folgende Mängel des oft als Musterbeispiel zitierten Projektes:

  • Die CO2-Emissionsreduktionen, die durch das Projekt bewirkt werden sollen, sind nicht wissenschaftlich quantifizierbar
  • Die angewandten Methoden zur Minimierung und Quantifizierung des «Leakage-Effektes» (die in einer Region erreichte Reduktion von CO2-Emissionen führt anderswo zu vermehrter Abholzung) sind fehlerhaft.
  • Es bestehen grosse Zweifel über die «Additionalität», also Zusätzlichkeit des Projektes: Es kann nicht nachgewiesen werden, dass ein bestimmtes Waldgebiet ohne CO2-Kompensationsprojekt gerodet worden wäre. Die Dauer ist auch problematisch, denn im Laufe der Zeit kann eine Änderungen oder eine Reduktion der Emissionsminderung auftreten.
  • Es ist nicht nachzuweisen, dass das Projekt einen nachhaltigen Nutzen oder alternative Einkommensmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung mit sich bringt

Es besteht ein weit verbreiteter Konsens darüber, dass an den Klimaverhandlungen in Kopenhagen das Problem der Tropenwaldabholzung gelöst werden muss – mit dem  so genannten REDD-Mechanismus. Es darf jedoch nicht passieren, dass grössere CO2-Emittenten wie besagte Kohle- und Ölkonzerne REDD-Projekte als Low-Cost-Ersatz für ihre eigenen Emissionsreduktionsverpflichtungen missbrauchen.

REDD darf auch nicht in den CO2-Emissionshandel integriert werden, damit sich grosse Konzerne und  Industrieländer durch Kauf von REDD-Zertifikaten von ihren Verpflichtungen zur CO2-Emissionsreduktion freikaufen können. Da bis 2020 bei REDD-Aktivitäten weder die Permanenz noch die globale Zusätzlichkeit gesichert sind, ist deren Einbezug als flexibler Mechanismus vorerst abzulehnen. REDD-Aktivitäten sind durch Fondsgelder von mindestens  42 Mrd. USD pro Jahr zu finanzieren, damit Entwicklungsländer die schnell voranschreitende Tropenwaldzerstörung in den Griff bekommen.

Greenpeace fordert die Einrichtung eines  globalen Fonds für Klima- und Waldschutz von mindestens 160 Mrd. USD pro Jahr, um die Abholzung der Wälder zu stoppen, den Entwicklungsländern die Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu ermöglichen und neue klimafreundliche Energietechnologien zu fördern. Die Schweiz muss jährlich eine Gesamtsumme von 1,7 Milliarden CHF zum Fonds beisteuern können.

Forest Carbon Scam: Hintergründe und Bericht bei Greenpeace International