(veröffentlicht von: Annette Reiber, Effizienzkampagne Greenpeace)

(veröffentlicht von: Annette Reiber, Effizienzkampagne Greenpeace)

Dienstag 15. Dezember, Kopenhagen Day 9

“Yes, we keep on pushing“

Noch mitten in der Nacht ziehen wir los – 10 Mitarbeiter des „Coffee bar teams“. Um 6:30 gibt’s ein Briefing im Greenpeace-Bus, welcher 100 Meter neben dem Konferenzzentrum „Bella Center“ steht. Dann geht’s los! Wir laden die Rickscha – unsere Kafibar – voll mit 150 Liter fairtrade-bio-Kaffee und bewegen uns auf die Menschenschlangen zu.

Bereits um 6:30 war die Schlange vor dem Haupteingang des Bella Centers riesig. Die Frustrierten, vom letzten Tag Durchgefroren, welche trotz Akkreditierung teilweise ohne Erfolg 7 Stunden in der Schlange standen, schöpfen Hoffnung, zumindest heute ins Konferenz-Center zu kommen. Aber auch am Extra-Eingang der Delegierten bildet sich jetzt eine Menschenschlange – zu unseren Gunsten, denn somit bekommen wir DIE Chance, mit Delegations-Mitgliedern aller Länder gut in Kontakt zu kommen.Greenpeace im Gespräch mit einem Delegierten aus Afrika

Delegierte von Inselstaaten und von afrikanischen Ländern – Nigeria, Sambia, Kenia und von vielen anderen, mit denen wir Kontakt haben – sind frustriert und verärgert über die bisherigen Verhandlungen. Die vom Klimawandel besonders betroffen sind lassen sich aber nicht unterkriegen. Sie sind froh, dass Greenpeace sie unterstützt und sie geben nicht auf: „yes, we keep on pushing“ antwortet mir eine Delegierte aus Nigeria. Sie haben klare Forderungen an die Industriestaaten.

Die USA wurden – mit lächerlichen 4% Reduktionszielen – als “fossil of the day“ vom vorigen Tag gekrönt. Ein US Delegierter findet, dies wäre mehr als man erwarten konnte – das Parlament würde höhere Ziele ablehnen und der Klimawandel sei nicht Topthema 1 in den USA. Er bezweifelt, dass Veränderungen schnell möglich seien, er spricht von politischer Realität, an der man sich auszurichten hätte! Die USA konzentriere sich eher auf langfristige Ziele.

Ich versuche, noch Personen abzufangen, die im highspeed-Gang Richtung VIP Eingang laufen – hier ist ein 3. Eingang für Umweltminister und Medienschaffende. Kaum eine Chance, denn sie haben es extrem eilig – die Lösung: Anlauf nehmen…. beschleunigen… und mitrennen! Wohl etwas überraschend für die einen oder anderen, aber es bleiben 3-4 Sätze für die 50 Meter Strecke vor dem Eingang.

Noch 4 Tage – die Spannung steigt.

Dienstag 16. Dezember, Kopenhagen Day 10

Emotionale Momente Demonstrationszug Richtung Konferenz-Zentrum

Nach einem frustrierenden politischen update heute morgen um 6:30 im Greenpeace Bus über den Stand der Verhandlungen am vorigen Abend machen wir uns mit unserer mobilen Kaffee-Bar entschlossen auf den Weg. Vor dem Bella Center bietet sich uns jedoch eine veränderte Situation im Vergleich zu den vorigen Tagen: Die Delegierten sind sichtlich gestresst, deutlich angespannter ist die Situation. Wir haben kaum Gelegenheit, an die Leute ranzukommen. Ich erfahre, dass heute Nacht um 2 Uhr noch hunderte im Konferenzzentrum arbeiteten. Doch das ist nicht der Grund der gestressten Situation. Die Verhandlungen laufen schleppend und es gibt Blockaden und gar Rückwärtsschritte bei den Verhandlungen – verantwortlich dafür sind vor allem USA, Kanada, Australien und Kolumbien.

Die Konferenzteilnehmer der Entwicklungsländer sind frustriert und wirken voller Angst vor dem Ende der Konferenz. „I brought up a progressive proposal“ sagt ein Delegierter aus Nigeria „but it was rejected. It’s absolutly bad and frustrating. Now i need a new idea. Just give me time.“

Eine Delegierte aus Kenia kann sich die Tränen nicht zurückhalten als ich sie anspreche und ihr Mut und unsere Unterstützung zuspreche.

Der angekündigte Demonstrationsmarsch wird begleitet von militanten Demonstranten. Aufgrund der zunehmend angespannten Situation vor dem Bella Center brechen wir unseren Einsatz ab.

Gerade erhalte ich eine SMS aus dem Konferenzgebäude: „Hier ist so einiges los, aber Pessimissmus macht sich breit“. Wir wissen dass morgen ein wichtiger Tag vor uns liegt. Mit vielen Emotionen, aber entschlossen planen wir unseren Einsatz für morgen.

Noch 3 Tage – die Spannung steigt.

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