Klimafahne_Kopenhagen_07
Kaspar Schuler, Co-Geschäftsleiter Greenpeace Schweiz, aus Kopenhagen

„Dieser Zug ist auch ein Zug der Hoffnung!“ hat Bundesrat Moritz Leuenberger in eisiger Kälte auf dem Perron auf dem Bahnhof Burgdorf gesagt. Ein Zug der Hoffnung, der als konkretes Symbol dazu diene, dass sich im Klimaschutz gerade auf dem Gebiet des Verkehrs nicht nur vieles verändern muss sondern auch bereits im Gange ist. Und sei es nur, dass die Bahn ihn und andere Minister anderer Länder mit dem Zug nach Kopenhagen bringt.

Worauf er zusammen mit einer Sekundarschulklasse vor der neuen Klimalok der SBB posierte. Und los ging’s, während auf dem Perron nebenan ein Eisbär und ein Orang Utan mit grooossen Nastüchern dem Bundesrat hinterher winkten..

Jetzt, im Zug drin, fällt mir auf, dass die schwarzen Sweatshirts der Schülerinnen und Schüler vorne das Logo der SBB tragen, und den Schriftzug „Das Klima und ich“. Auf dem Rücken stehen unterschiedlichste Botschaften, z.B. „Atommüll statt Fische im Netz“. Nicht schlecht frech für die SBB.

Moritz Leuenberger, unser aller Umweltminister, nimmt sich ausgiebig Zeit für Gespräche und Interviews. Auf kritische Fragen der Journalisten gibt er gelassen Antwort und erklärt engagiert seine „Realpolitik, die nun mal aus dem schwierigen Bohren dicker Bretter besteht“. Wenn er von den Medienschaffenden – die zuvor mit Greenpeace sprachen – für das unheimlich schwache Angebot der Schweiz zur CO2-Reduktion kritisiert wird, antwortet er: „Ja, es stimmt, nötig wären 40% CO2-Reduktion. Doch in der Politik geht es um den Ausgleich der Interessen. Wenn Bedenken von Seiten der Wirtschaft eingebracht werden, dann hat das seine Auswirkung.“ Allerdings hat er es nicht gern, wenn von „der Wirtschaft“ gesprochen wird, denn es gäbe auch hier sehr unterschiedliche Haltungen. Leuenberger erwähnt die Chemische und die Zementindustrie, die sehr viel zur CO2-Reduktion beitrügen, „im Gegensatz zur Economiesuisse, die primär die Interessen derjenigen vertritt, die es immer noch nicht begriffen haben.“

Als ich mich zu ihm setze und ihm das kleine feine Fotoalbum der Greenpeace-Regionalgruppen mit Bildmessages aus der Schweizer Bevölkerung überreiche, geschmückt mit weihnächtlichen Eisbärenguetzli der Greenpeace-AktivistInnen, erkundigt er sich aufgeräumt nach dem Verbleib des Orang Utan und des Eisbären, die er im Bahnhof Bern vor dem Einstieg bemerkt hatte. Ich antworte: „Die wurden leider von der Berner Kantonspolizei am Zutritt auf den Perron gehindert.“  Was den Herrn Bundesrat nun wirklich betrübte, denn „heute mache ich alles“.

Bringt er morgen Abend in Kopenhagen, in seiner Rede an die 190 Länder, auch die klare Botschaft, dass für die Industrienationen tatsächlich 40% CO2-Reduktion nötig sind, weit mehr als die Schweiz offeriert? Leuenberger, vielleicht etwas nervös mit seinem roten Brillenetui spielend: „Ich habe nur 3 Minuten Redezeit. Doch ja, es geht in diese Richtung.“

Was den von ihm global lancierten Vorschlag betrifft, eine weltweite CO2-Abgabe auf der Basis des Pro-Kopf-Ausstosses zu erheben, so sieht er in Kopenhagen die Chance, dass das bereits vorhandene Mandat, einen konkreten Vorschlag auszuarbeiten, in einen weiteren Präzisionsschritt mündet. Zusammen mit Mexiko ist er an der Ausarbeitung eines Verfeinerungsvorschlages, der Entwicklungsländern eine Reduktion der Besteuerung bringt, „ganz im Sinne einer Steuerprogression, die diejenigen, die mehr CO2 emittieren, stärker belastet als diejenigen, die wenig verschulden.“

So rollt der Klimaexpress durch die Nacht, die Schüler albern inzwischen, der Herr Bundesrat trinkt ein Glas Rotwein mit dem Verwaltungsratspräsidenten der SBB, die grüne Nationalräting lauscht der Nachhaltigkeitsbeauftragten von Coop, und Bertrand Piccard flachst in der Zugsbar mit einem Nationalrat aus der Romandie. Alle reden über den Klimaschutz. Auf der lindengrünen Schleife, die die Greenpeace-AktivistInnen an jedes Guetzlipack gebunden haben, steht: Politicians talk, Leaders act. In 9 Stunden kommen wir in Kopenhagen an. Schauen wir mal, wie viel Wahres an diesem Slogan ist. Leuenberger zumindest hat geschmunzelt, als ich ihn auf diese Message hinwies. Er weiss genau, was all die umweltbewegten Schweizerinnen und Schweizer von ihm erwarten.

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