Klimafahne_Kopenhagen_07
Kaspar Schuler, Co-Geschäftsleiter Greenpeace Schweiz, aus Kopenhagen

Vartov, ein NGO-Zentrum im Zentrum von Kopenhagen. Der Ort, wo sich die politischen Köpfe und die kommunikativen Seelen von Greenpeace und vielen anderen Organisationen der weltweiten Zivilgesellschaft treffen. Die Drähte laufen heiss, die Vermutungen brodeln, nur etwas scheint klar: „Willkommen zum vielleicht letzten Tag der Verhandlungen…..!?“ „…in diesem Jahr…“.

Derweil ist Obama in der Konferenz angekommen, draussen vor den Toren Kopenhagens, in Kälte und Schnee. Ob er noch etwas verändern, bewegen kann?

Gemäss der offiziellen Agenda der Klimakonferenz wird zwischen 10 und 12h, also jetzt, vom Dänischen Premierminister, dem Generalsekretär und ausgesuchten Staatsoberhäuptern zur globalen Lage gesprochen. Das heisst wohl, dass die Konferenz tatsächlich heute endet.

Da fliegt uns der Entwurf eines Abschlussdokumentes zu. Sein Inhalt, auf mageren zweieinhalb Seiten, spricht nur noch von einem gemeinsamen Ziel die globale Erwärmung nicht über plus 2°C steigen zu lassen: „… ought not to exceed 2 degrees and on the basis of equity and in the context of sustainable development, the Parties commit to a vigourous response through immediate and enhanced national action on mitigation based on strengthened international cooperation …“. Also sehr viel heisse Luft, als gäbe es davon nicht schon mehr als genug aufgrund der realen Klimaerwärmung! Doch bereits das 2°C-Ziel scheint nach gleich anschliessend eintreffenden Meldungen noch verwässert zu werden.

Im Punkt 2 des Abschlussdokumentes wird auch bei den CO2-Reduktionen nicht zur Sache gekommen: „Deep cuts in global emissions are required.“ Der ganze Abschnitt ist nur 5 Zeilen lang.

In Punkt 4 wird näher auf die Annex-I-Länder eingegangen (Praktisch alle Industrie-Länder und gleichzeitig Länder, die in der Klimarahemnkonvention eine Reduktionsverpflichtung eingingen): „Annex-1-Parties (…) commit to implement, individually or jointly, the quantified economy-wide emission targets for 2020 as listed yielding in aggregate reductions of greenhouse gas emissions of X per cent in 2020 compared to 1990 and Y per cent in 2020 compared to 2005 ensuring that accounting of such targets and finance is rigourous, robust and transparent.“

Auch die Non-Annex-1-Parties (fast alle Entwicklung- und Schwellenländer) werden nur ungefähr in die Zange genommen: „..resolve to implement mitigation actions, based on their specific national circumstances an in the context of sustainable development. Mitigation action taken (..) shall be reflected through their national communications in accordance with art.12.1(b) of the Convention.“

Wichtig ist – und für die amerikanische Verhandlungsdelegation wohl sehr enttäuschend – dass diesen Ländern (allen voran China) keine Auflagen gemacht werden, über die nationale Kontroll- und Reporting-Pflichten hinaus auch internationale Überprüfungen zuzulassen. Sie müssen den UN-Gremien nur Einsicht geben: „Clarification may, upon request, be provided by the Party concerned at its discretion to respond to any questions regarding information contained in the national communications. (..) These supported nationally appropriate mitigation actions shall be subject to international measurement, reporting and verification in accordance with guidelines elaborated by the COP. The Parties take notice of the information on enhanced mitigation actions by Non-Annex-1-Parties as listed.“  Ein amerikanischer Greenpeacer befürchtet, dass ein solches Ergebnis – wenn es nicht noch verbessert wird – Obama zuhause als grosse Niederlage angerechnet wird: „Die Republikaner werden ihn zerpflücken.“

Der Punkt 3 betrifft die Adaption, die Anpassung an die Klimaveränderung. „The Parties agree that developed country Parties shall provide adequate, predictable and sustainable financial resources, technology and capacity-building to support the implementation of adaption action in developing country Parties.“

Punkt 6 betrifft die Entwaldung: „… contribute to mitigation actions in the forest sector by undertaking the following activities: reducing emissions from deforestation, reducing emisssions from forest degradation, conservation of forest carbon stocks, sustainable management of forest, and enhancement of forest carbon stocks.“ That’s it.

Etwas länger wird der voraussichtliche Abschnitt über die Finanzierung: „…predictable and adequate funding shall be provided to developing country Parties, in accordance with the relevant provisions of the Convention, to enable and support enhanced action on mitigation, including REDD-plus, adaptation, technology development and transfer and capacity building, …“ Konkret werden folgende Zahlen genannt: „… the Parties support a goal of mobilizing jointly 100 billion dollars a year by 2020 to address the climate change needs of developing countries. This funding will come from a wide variety of sources, public and private, bilateral and multilateral, including alternative sources of finances.“ Konkret heisst das wohl, dass alle Arten bestehender Entwicklungshilfegelder, Exportrisikogarantien usw. hineingerechnet werden können.

Zur Überprüfung der Finanzierungszusagen soll ein „high level Panel“ errichtet werden, welches an die COP-Konferenz zu rapportieren hat.

Anscheinend sollen diese Gelder – vielleicht auch zusätzliche – als „the Copenhagen Climate Fund“ etabliert werden, „as an operating entity of financial mechanism of the Convention to support projects, programmes and policies and other activities in developing countries related to mitigation including REDD-plus, adaptation, capacity-building, technologoy development and transfer as set forth in decision -/CP.15.“

Wichtig ist das weitere Vorgehen. In dem Greenpeace vorliegenden Entwurf der Schlusserklärung wird in Artikel 12 festgelegt, „… the Parties call for a review of this decision and ist implementation in 2016, including in light of the Convention’s ultimate objective.“

Alles in allem ist das sehr viel Absichtserklärung, weiterhin nichts Bindendes in Sachen CO2-Reduktion für die Industriestaaten, die bereits das Kyoto-Protokoll unterzeichnet haben.

Immerhin, wird einleitend festgestellt: „Affirming our firm resolve to adopt one or more legal instruments under the Convention pursuant to decisions taken at COP 13 and this decision as as soon as possible and no later than COP16/CMP6.“

Auf gut Deutsch: Sie wollen sich spätestens im Dezember 2010 in Mexiko wieder sehen….

Wenn ich hier ende – um 11:15 Uhr des 18. Dezembers – sitzen im Konferenzzentrum gerade Obama, Ban Ki Moon und einige andere StaatschefInnen in einem kleinen Meetingroom und versuchen sich einig zu werden.

Draussen ist es weiterhin eiskalt und ein unüblich harter Wintertag hat Kopenhagen fest im Griff.

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