Heute Mittwoch hat die russische Waldschutzbehörde es erstmals zugegeben: die wütenden Wald- und Torfbrände haben schon vor mehreren Tagen radioaktiv verseuchte Gebiete erreicht. Das Eingeständnis kommt spät: Greenpeace hat bereits vor Tagen auf Satellitenfotos 20 von den Behörden nicht gemeldete Brände in verstrahlten Regionen entdeckt. 

Heute Mittwoch hat die russische Waldschutzbehörde es erstmals zugegeben: die wütenden Wald- und Torfbrände haben schon vor mehreren Tagen radioaktiv verseuchte Gebiete erreicht. Das Eingeständnis kommt spät: Greenpeace hat bereits vor Tagen auf Satellitenfotos 20 von den Behörden nicht gemeldete Brände in verstrahlten Regionen entdeckt. 

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Allein in der Gegend um die Stadt Brjansk seien vor wenigen Tagen 28 Brände auf einer Fläche von 269 Hektaren gezählt worden, gesteht die Behörde nun ein. Die Region nahe der Grenze zu Weissrussland und der Ukraine war durch die Atomkatastrophe im nahen ukrainischen Tschernobyl 1986 schwer verstrahlt worden. Auch in der Gegend von Tscheljabinsk im südlichen Ural habe es bereits gebrannt. Dort befinden sich mehrere Atomanlagen, darunter Majak – das Wiederaufbereitungslager, in dem sich 1957 die schlimmste Atomkatastrophe vor Tschernobyl ereignete.

Ein weiteres Gefahrenfeld stellen die AKW dar, welche die russische Stromversorgung garantieren. So mussten einzelne Kraftwerke bereits herunter gefahren werden, da die Kühlung nicht mehr garantiert werden konnte.

Wie sich die Lage in den kommenden Tagen entwickeln wird, ist sehr ungewiss, eine seriöse Risikoabschätzung nicht möglich. Insbesondere ist nicht abschätzbar, welches Gefahrenausmass von den verseuchten Partikeln ausgeht, die durch die Brände in die Luft gewirbelt werden. „Keine Panik“, spielt die russische Waldschutzbehörde die prekäre Situation herunter, die Menschen und Umwelt bedroht: „Wir haben es im Moment zum Glück nicht mit einem zweiten Tschernobyl zu tun. Doch jede Radioaktivität kann die Gesundheit gefährden.“, sagt unser Atomexperte Urs Wittwer.

Nach wie vor wirft Greenpeace den russischen Behörden vor, die durch die Waldbrände drohenden radioaktiven Gefahren zu verharmlosen und die Bevölkerung darüber im Ungewissen zu lassen.

Asti Roesle, Waldexpertin bei Greenpeace Schweiz, ist zurzeit zu Besuch bei ihren russischen Arbeitskollegen in Moskau. Sie schildert ihre Eindrücke aus der Smog-geplagten Metropole und dem dortigen Greenpeace-Büro so:

„Schon einige Stunden vor der Ankunft mischte sich in die unerträgliche Hitze im Zug ein beissender,  unangenehm in Augen, Nase und Lunge kratztender Rauch. Hier in Moskau wird man sich des Ausmasses der sich abspielenden Katastrophe für Mensch und Umwelt voll bewusst: das Atmen schmerzt mich- kein Wunder:  Durch die Rekordhitze und die Torfbrände  hat sich die Konzentration der giftigen Kohlenmonoxide in der Luft zeitweise versechsfacht! Meine  Kollegen im Moskauer Büro stehen seit Tagen im Dauerstress: Morgen fährt zum Beispiel ein Feuerlösch-Team in einen der Nationalpärke um Moskau, wo es brennt und keine Löschtrupps vorhanden sind.

Frustrierend ist, dass  Greenpeace bereits seit der Lockerung des russischen Forstgesetzes im 2007 warnt, dass durch die seitdem fehlende staatliche Forstdienstüberwachung Wald- und Torfbrände ausser Kontrolle geraten können – was jetzt mit verheerenden Folgen der Fall ist. „

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