Verdunstet, biologisch zersetzt, abgefackelt und eingesammelt: Rund drei Viertel des im Golf von Mexiko ausgelaufenen Öls seien bereits verschwunden, meldete die US-Behörde für Ozeane und Atmosphäre (NOAA) anfang August.

Verdunstet, biologisch zersetzt, abgefackelt und eingesammelt: Rund drei Viertel des im Golf von Mexiko ausgelaufenen Öls seien bereits verschwunden, meldete die US-Behörde für Ozeane und Atmosphäre (NOAA) anfang August.

Weltweit haben Medien die offiziellen NOAA-Zahlen aufgegriffen und fälschlich interpretiert, der Großteil des Öls sei verschwunden und der Rest kaum mehr gefährlich. Rückenwind kam von US-Präsident Obama, der mit einem medienwirksamen Badegang im Golf von Mexiko den Bedenken entgegenwirkte. 

Von wegen: „das bisschen Restöl“

Schön wärs, lautete schon damals die Einschätzung unseres deutschen Greenpeace-Ölexperten, Jörg Feddern. Um den Abbau des Öls zu beschleunigen, hat BP Chemikalien eingesetzt, die das Öl in kleinste Teilchen zersetzen. „Das Öl verteilt sich weitläufig in der Wassersäule oder sinkt ab und gefährdet die Meeresorganismen“, beschrieb Feddern die Folgen. Jetzt hat eine Gruppe von fünf unabhängigen Wissenschaftern des Bundesstaates Georgia die damalige Erfolgsnachricht und die ihr zugrunde liegenden Zahlen einer kritischen Prüfung unterzogen. Dabei haben sich Fedderns Befürchtungen bestätigt. Nicht Ein Viertel, sondern drei Viertel des ausgelaufenen Öls belasten demnach weiter das empfindliche Ökosysystem. Das gesamte Bild:

  • Etwa 70 bis 79 Prozent des Öls verbleiben unter der Wasseroberfläche
  • Etwa acht bis zwölf Prozent des Öls ist verdunstet
  • Etwa vier bis acht Prozent des Öls wurde durch Meeresorganismen abgebaut
  • Etwa zehn Prozent des Öls wurde abgefangen, abgeschöpft oder verbrannt

“Es ist eine falsche Annahme, dass das in Wasser gelöste Öl verschwunden und deshalb harmlos ist”, betont Professor Hopkins, Initiator der aktuellen Studie. Das dispergierte und gelöste Öl – umgerechnet auf die ausgelaufene Menge etwa 90 Prozent – könne immer noch hochgradig giftig sein. Es brauche wahrscheinlich Jahre, bis es abgebaut sei. Hopkins warnt weiter: „ Wir sind noch weit davon entfernt, die Auswirkungen vollständig zu verstehen.“

Von Anfang an hat BP eine unabhängige Berichterstattung über die selbst verursachte Ölpest behindert und den Informationsfluss gezielt gesteuert. Auch die US-Wissenschaftler weisen explizit darauf hin, dass die offiziellen Schätzungen auf BP-Informationen beruhen, die weder Wissenschaftlern noch der Öffentlichkeit zugänglich sind. 

Greenpeace will es  wissen

Um sich selbst ein Bild von den Auswirkungen der Ölkatastrophe zu machen, ist Greenpeace mit einem Schiff im Golf vor Ort. Mit an Bord sind Medienvertreter und Wissenschaftler, die eigenständige Untersuchungen vornehmen. Das Team auf der Arctic Sunrise dokumentiert derzeit die Biodiversität in den scheinbar noch nicht betroffenen Gebieten. Die dreimonatige Expeditionstour führt sie anschließend in die kontaminierten Gewässer.

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