Die brennende Plattform Vermilion Block 380

Na also, atmen wir auf. Vieles deutet im Moment darauf hin, dass der gestrige Unfall auf der Ölplattform Vermilion Block 380 im Golf von Mexiko, 102 Meilen vor der Küste von Louisiana, unvergleichlich weniger katastrophal ist als das Unglück der Deepwater Horizon vor fünf Monaten: Keine Explosion, „nur“ ein Feuer, keine Toten, kein massiver Austritt von Öl (zumindest bis jetzt), die Sicherheitsmechanismen scheinen funktioniert zu haben. Atmen wir auf. Oder besser: atmen wir kurz durch.

Atmen wir durch in diesem atemlosen Wettlauf um die letzten Energie-Reserven. Atmen wir kurz durch. Denn diese offensichtliche Kette von – selbstmörderisch vom Menschen verursachten – Umweltkatastrophen ist zur Normalität auf unserem Planeten geworden. Wir alle leben in einer neuen Logik der permanenten Anspannung. Allein im dreckigen und immer riskanteren Geschäft mit der Öl- und Gasförderung auf hoher See ereigneten sich auf Plattformen in den letzten zehn Jahren 858 Feuersbrünste und Explosionen, bei denen 69 Menschen ums Leben kamen (Quelle: Mineral Management Service). Es klingt wie eine Bilanz von Bombenattentaten in Bagdad. Und wenn wir bedenken, dass vor zehn Jahren die Risiken noch weit geringer waren… Und dass Vermilion Block 380 zu keiner Risiko-Kategorie von Plattformen gehört…

Greenpeace gönnt sich keine Atempause. Unser Schiff „Arctic Sunrise“ befindet sich im Golf, rund zwei Tagesreisen von der Unglücksstelle entfernt und beurteilt die Situation konstant, im Rahmen der Flugrestriktionen auch aus der Luft. Gleichzeitig ist das Greenpeace-Schiff „Esperanza“ noch immer in der Baffin Bay vor Grönland, wo Aktivisten 40 Stunden lang eine Tiefsee-Bohrinsel besetzt hatten, um eine weitere Hochrisikobohrung zu verhindern. Die eisige Kälte und stürmische Winde zwangen sie einstweilen zum Aufgeben.

Nicht aufgeben wird Greenpeace seine Forderung nach der einzigen sicheren Lösung für unsere Energie-Probleme: der konsequente Einsatz und die damit verbundenene intensive Weiterentwicklung von erneuerbaren Energien. Nur so lassen sich die Erde und letztlich wir selbst von einer fatalen Kurzatmigkeit kurieren.

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