Klima-Campaigner Alex Hauri berichtet täglich über die COP16 UN-Klimaverhandlungen in Cancun, Mexiko.

© Greenpeace / Fojtu

Doch, doch an einem neuen Klimaabkommen wird gearbeitet … lese ich in den Nachrichten des Wochenendes. Zum Beispiel: Neu soll das Ziel nicht mehr heissen «deutlich unter 2 Grad Erwärmung zu bleiben», sondern nur noch «unter 2 Grad Erwärmung». Das ist zwar ein Anpassungsschritt an reale Fakten, aber alles andere als ein Fortschritt für wirkungsvollen Klimaschutz. Um die ganze erste Woche Cancun zusammenzufassen, kommt mir nur ein Begriff in den Sinn: Lähmung.

Auch die «Strasse» regt sich kaum. Ist die Klimabewegung seit Kopenhagen paralysiert? Andere Jahre fanden Klima-Demos statt am Samstag zwischen den zwei Verhandlungswochen. Dieses Jahr so gut wie nichts.

Ich hätte das Bloggen heute also sein, oder es bei einem Wunsch an St. Nikolaus, die ganzen Klima-Penner in den Sack zu stecken und mit der Rute tüchtig durchzuwalken, bewenden lassen können. Es gibt aber noch ein paar Fakten:

– Der vergangene Samstag war der Oceans‘ Day an den Verhandlungen. Neben dem bedrohlichen Meeresspiegelanstieg wird ein immer wichtigeres Thema die Versauerung der Meere durch die Aufnahme des CO2. Denn: Je mehr CO2 in der Atmosphäre, desto mehr nimmt der Ozean auf. Das ist dann wie Kohlensäure in der Mineralwasserflasche und dämpft vorerst die Klimaerwärmung. In den übersäuerten Meeren bekommt aber die Kleinstfauna Probleme: All die kleinen Wesen mit ihren Kalkschalen haben Mühe ihre kleinen Panzer aufzubauen, sie aber sind wiederum Nahrung grösserer Meereslebewesen und damit wird das ganze Nahrungsnetz durcheinandergewirbelt.

http://www.greenpeace.org/switzerland/de/News_Stories/Newsblog/klimawandel-ozeanversauerung-schadet-plankton/blog/12936

– Brasilien hat die Abholzungsraten im Amazonas enorm gesenkt, wie parallel zu Cancun publik wurde. Zunächst geniesse ich solche Meldungen mit Vorsicht. Aber vorderhand scheint es wirklich, dass sich Brasilien in der Klima- und Waldschule gerade zum «Musterschüler» mausert.

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/beim_klimaschutz_spielt_brasilien_den_musterknaben_1.8567445.html

Apropos Waldschutz: Anfänglich war in dieser Hinsicht eine gewisse Zuversicht vorhanden, nun hockt der Prozess auch hier fest. Weshalb? Wegen dem Geld natürlich, dem «Waldstutz», sozusagen. Dass sich Waldschutz ohne Finanzierung nicht bewerkstelligen lässt, bestreitet niemand. Dafür müsste aber im grossen Klimafondskuchen ein Stück dafür reserviert sein, und genau da kommt die COP16 wieder nicht weiter.

Ach ja, im einen der zwei zentralen Papiere, genannt «Gemeinsame Vision», sind nur 170 der 1300 Wörter nicht umstritten. Samichlaus, die Rute!

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