Alex Hauri, Klima-Kamapiner von Greenpeace Schweiz

„Der Text ist wie eine Speisekarte“, sagt Tara Rao vom WWF zum jetzt vorliegenden Verhandlungstext. „Die Minister müssen daraus nun etwas auswählen und ein Menü zusammenstellen. Dabei haben sie die Wahl: Sie können ein reichhaltiges Menü wählen oder sich für ein kärgliches entscheiden.“ Ich möchte dem beifügen: Die Zeche bezahlen die Ärmsten, sowie unsere Kinder und Enkel. Und zwar für das kärgliche Gericht weit mehr als für die reichhaltige Wahl.

Bisher hat sich fast keiner der angereisten Minister als lebensfroher Feinschmecker gezeigt. Immerhin hat Spanien gestern zugesagt, die EU bei ihren Bemühungen zu unterstützen, für 30% CO2-Reduktion bis 2020 einzustehen – und verdient sich so zwar noch keine Paella, aber eine Tapas-Platte. Für Deutschland gibt es bestenfalls Fertigpizza, hat es doch Umweltminister Röttgen verpasst für Deutschland vorzupreschen und so andere mitzureissen. Doris Leuthard benimmt sich fast wie eine perfekte Gastgeberin (was sie in Mexiko natürlich nicht ist), drängt die anderen zu einem üppigen Essen – und scheint selbst auf Diät zu sein und bei ihrem mickrigen 20%-Salätchen zu bleiben. Dabei hatte ihr Delegationsleiter Perrez vor zwei Tagen noch das kreative Potential der Schweiz für solch schwierige Verhandlungen gerühmt, da kam aber gar nichts.
Greenpeace protestiert in Cancun für ein verbindliches Abkommen gegen den Klimawandel
Und Grossbritannien, wo vorgestern noch sagenhafte 60 Prozent Reduktion gehandelt wurden? War das nur warmes Bier seitens der Fish’n’Chips-Nation? Jedenfalls drang anlässlich der gestrigen Ministerpalaver nichts mehr davon zu mir. Über soviel Appetitlosigkeit kann Chefkoch (und Uno-Generalsekretär) Ban Ki-moon nur wütend die Kelle schütteln – doch mehr Hitze auf der Kochplatte brachte auch sein Aufruf nicht. Die meisten scheinen bereits beim Verdauungsschläfchen zu weilen. Obwohl sie wieder und wieder beteuern, all ihren BürgerInnen und der Menschheit nur das Beste auftischen zu wollen.

En Guete allerseits.

PS (ich mag PS, weil man da trotz allem ein Quentchen Trost verbreiten kann): Endlich ist doch ein ABKOMMEN zustande gekommen! Hurrah! Nach zähem Ringen (seit 2001) hat man sich darauf einigen können, wo der Klimafond seinen Sitz haben wird… Leider nicht DER Multimilliarden-Klimafonds, den Greenpeace fordert. Es geht um die Sparbüchse, in der gewisse Abgaben auf Klimazertifikate zwischengelagert werden. And The Winner is … Bonn. – Oh Wunder, dort befinden sich bereits die meisten Klimagremien der UNO. Der Berg hat eine Cucaracha, eine Küchenschabe, geboren.

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