Kaspar Schuler, Kampagnenleiter Klima & Energie, aus Bern:Der Ausstieg aus der Atomkraft ist ein industriepolitisches Jahrhunderprojekt. Das spürt man auch hier in Bern.Der Ausstieg aus der Atomkraft beinhaltet einen industriepolitischen Paradigmawechsel. Das ist ein Langstreckenlauf der Iron-Man-Klasse, und kein Spaziergang.Die Atomindustrie ist global eine der mächtigsten Industrien, nicht rein wirtschaftlich, da schwimmen ihr langsam aber stetig die Felle davon. Vielmehr aufgrund der engen Verknüpfung mit dem militärisch-industriellen Wirtschaftskomplex ist die Atomindustrie in vielen Ländern eine Institution, jenseits allen marktwirtschaftlichen Wettbewerbs.Es ist beispielsweise kein Zufall, sind ausgerechnet im autokratisch regierten China die meisten neuen AKW geplant, 25 an der Zahl. Das macht sogar den hart gesottensten Atomindustriellen in Europa Kopfweh, allen öffentlichen Beschwörungen zum Trotz, die bereits den neuen Reaktor in Finnland (Olkiluoto 3) oder jenen in Frankreich (Flammanville) zur „Renaissance“ empor stilisieren.Die Verknüpfung mit der militärischen Atomkraftnutzung zeigen auch die zwei sündhaft teuren und unrentablen westeuropäischen Wiederaufarbeitungsanlagen (WAA) in La Hague (F) und Sellafield (UK). England und Frankreich sind militärische Atommächte und leisten sich die zivile Atomkraft als attZubrot. Die WAA liefern vorab das Plutonium für die Waffenproduktion, die Atombomben. Die Wiederaufarbeitung muss deshalb nicht nach privatwirtschaftlichen Grundsätzen betrieben sein. Und die Energieproduktion in AKW muss sich deshalb auch nicht 1:1 auf dem liberalisierten Strommarkt behaupten. Sie gehört zum staatlich-militärischen Selbstverständnis von England und Frankreich. Punkt. Kein Wunder, betreiben die Franzosen über 50 AKW. Kein Wunder, gibt es dort auch kaum Hochspannungsleitungen über die Pyrenäen nach Spanien. Denn aus Spanien kommt je länger je mehr Solarenergie auf den europäischen Markt. Dieser wiederum würde den Absatz des Atomstroms aus Frankreich konkurrenzieren.Hier in der Schweiz wurde die Verknüpfung der Atomindustrie mit dem Militär in den sechziger Jahren beerdigt. Nach dem Beinahe-GAU des Versuchsreaktors Lucens im Kanton VD – der glücklicherweise in einer Felskaverne geschah – legten auch die hartgesottensten Schweizer Militärköpfe den Traum des „AKW made in Switzerland“ unter das Kopfkissen.Doch die Atommacht Schweiz gibt es weiterhin, und sie treibt ihre ganz eigenen Blüten.So sind im Berner JA-Komitee, das den Bau des neuen AKW Mühleberg befürwortet, nicht nur die bürgerlichen Parteien SVP, FDP, EDU, CVP und BDP, sondern auch der Arbeitgeber-Verband, der Hauseigentümer-Verband und die Wirte (Gastro Bern).Beinahe absurd ist das, weil z.B. die Hauseigentümer nichts als Nachteile aus den AKW  erhalten: Die Immobilienpreise rund um die Schweizer AKW sinken ins Bodenlose, wie eine Studie der Uni Bern kürzlich ergab. Und von den grossen Subventionen für die energetische Gebäudesanierung profitieren vor allem ….. die Hauseigentümer. Je mehr Atomstrom im Netz ist umso kleiner werden jedoch die Bemühungen um Gebäude-Effizienz.

Kaspar Schuler, Kampagnenleiter Klima & Energie, aus Bern:

Der Ausstieg aus der Atomkraft ist ein industriepolitisches Jahrhunderprojekt. Das spürt man auch hier in Bern.

Der Ausstieg aus der Atomkraft beinhaltet einen industriepolitischen Paradigmawechsel. Das ist ein Langstreckenlauf der Iron-Man-Klasse, und kein Spaziergang.

Die Atomindustrie ist global eine der mächtigsten Industrien, nicht rein wirtschaftlich, da schwimmen ihr langsam aber stetig die Felle davon. Vielmehr aufgrund der engen Verknüpfung mit dem militärisch-industriellen Wirtschaftskomplex ist die Atomindustrie in vielen Ländern eine Institution, jenseits allen marktwirtschaftlichen Wettbewerbs.
Es ist beispielsweise kein Zufall, sind ausgerechnet im autokratisch regierten China die meisten neuen AKW geplant, 25 an der Zahl. Das macht sogar den hart gesottensten Atomindustriellen in Europa Kopfweh, allen öffentlichen Beschwörungen zum Trotz, die bereits den neuen Reaktor in Finnland (Olkiluoto 3) oder jenen in Frankreich (Flammanville) zur „Renaissance“ empor stilisieren.

Die Verknüpfung mit der militärischen Atomkraftnutzung zeigen auch die zwei sündhaft teuren und unrentablen westeuropäischen Wiederaufarbeitungsanlagen (WAA) in La Hague (F) und Sellafield (UK). England und Frankreich sind militärische Atommächte und leisten sich die zivile Atomkraft als attZubrot. Die WAA liefern vorab das Plutonium für die Waffenproduktion, die Atombomben.

Die Wiederaufarbeitung muss deshalb nicht nach privatwirtschaftlichen Grundsätzen betrieben sein. Und die Energieproduktion in AKW muss sich deshalb auch nicht 1:1 auf dem liberalisierten Strommarkt behaupten. Sie gehört zum staatlich-militärischen Selbstverständnis von England und Frankreich. Punkt. Kein Wunder, betreiben die Franzosen über 50 AKW. Kein Wunder, gibt es dort auch kaum Hochspannungsleitungen über die Pyrenäen nach Spanien. Denn aus Spanien kommt je länger je mehr Solarenergie auf den europäischen Markt. Dieser wiederum würde den Absatz des Atomstroms aus Frankreich konkurrenzieren.

Hier in der Schweiz wurde die Verknüpfung der Atomindustrie mit dem Militär in den sechziger Jahren beerdigt. Nach dem Beinahe-GAU des Versuchsreaktors Lucens im Kanton VD – der glücklicherweise in einer Felskaverne geschah – legten auch die hartgesottensten Schweizer Militärköpfe den Traum des „AKW made in Switzerland“ unter das Kopfkissen.

Doch die Atommacht Schweiz gibt es weiterhin, und sie treibt ihre ganz eigenen Blüten.
So sind im Berner JA-Komitee, das den Bau des neuen AKW Mühleberg befürwortet, nicht nur die bürgerlichen Parteien SVP, FDP, EDU, CVP und BDP, sondern auch der Arbeitgeber-Verband, der Hauseigentümer-Verband und die Wirte (Gastro Bern).
Beinahe absurd ist das, weil z.B. die Hauseigentümer nichts als Nachteile aus den AKW  erhalten: Die Immobilienpreise rund um die Schweizer AKW sinken ins Bodenlose, wie eine Studie der Uni Bern kürzlich ergab. Und von den grossen Subventionen für die energetische Gebäudesanierung profitieren vor allem ….. die Hauseigentümer. Je mehr Atomstrom im Netz ist umso kleiner werden jedoch die Bemühungen um Gebäude-Effizienz.

Soll einer die Berner Bürgerlichen verstehen. Haben sie das Rechnen verlernt? Korrigiert sie die Bevölkerung? Die nächste Hochrechnung sollte demnächst hier eintreffen…

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