Die Katastrophe in Japan hat die Welt erschüttert. Regierungen rund um den Globus müssen ihre Atomprogramme in Frage stellen. Manche tun das, andere machen weiter wie gehabt.

Die Katastrophe in Japan hat die Welt erschüttert. Regierungen rund um den Globus müssen ihre Atomprogramme in Frage stellen. Manche tun das, andere machen weiter wie gehabt.

 

Deutschland
Deutschland hat unter dem Eindruck der Katastrophe in Fukushima die sieben ältesten Atommeiler und den Pannenreaktor Krümmel für drei Monate vom Netz genommen. Sie sollen jetzt einer verschärften Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete die Atomenergie als Übergangstechnologie, die nur noch genutzt werden soll, bis die Stromversorgung mit Erneuerbaren Energien sichergestellt werden kann. Diese Rhetorik und das Moratorium sind jedoch vor allem vor dem Hintergrund wichtiger Landtagswahlen zu sehen.  

Frankreich
Die französische Regierung hält unbeirrt an ihrem Atomkurs fest. Mit einem Atomstromanteil von 75% und 58 Atomkraftwerken ist Frankreich neben den USA die grösste Atomnation der Welt. Mit dem staatlichen Areva-Konzern spielt die Atomkraft auch als Exporttechnologie eine bedeutende Rolle. Nicolas Sarkozy will die französischen AKW lediglich sicherheitstechnisch überprüfen lassen.  

USA
In den USA wird wieder neu über Atomkraftwerke debattiert. Erst seit kurzem hat die Regierung von Barack Obama die Rückkehr zur Kernenergie mit Kreditgarantien für den Bau neuer Anlagen wieder vorangetrieben. Inzwischen fordern einige Politiker ein Moratorium für neue Kernkraftwerke. In den USA sind insgesamt 104 Kernreaktoren in Betrieb. Auch im erdbebengefährdeten Kalifornien stehen zwei AKW, die rund 30 Jahre alt sind.

China
Kurz nachdem der Volkskongress den Bau von 40 neuen Atomreaktoren beschlossen hatte, hat China alle Genehmigungsverfahren für neue AKW vorläufig gestoppt. Die 13 laufenden Reaktoren werden nicht abgeschaltet, sollen jedoch auf ihre Sicherheit überprüft werden. Auch für die 25 aktuellen Reaktorbaustellen sollen die Sicherheitsbestimmungen überarbeitet werden. China hat weltweit die ehrgeizigsten Ausbaupläne in Sachen Atomenergie.

Italien
Nach der Katastrophe von Fukushima hat die italienische Regierung ihre Pläne zum Bau von vier Atomkraftwerken für ein Jahr auf Eis gelegt. Ein für Juni geplantes Referendum wird ebenfalls verschoben. Nach dem GAU in Tschernobyl waren die Italiener 1987 mit einem Volksentscheid aus der Atomenergie ausgestiegen. Silvio Berlusconi hat 2009 jedoch den Wiedereinstieg in die atomare Stromerzeugung beschlossen. Die Technologie sollen die Franzosen liefern.

Türkei
Obwohl die Türkei immer wieder von Erdbeben erschüttert wird, hält die Regierung an ihrem Plan fest, Atomkraftwerke zu bauen. Die Technologie soll sicherer sein als die japanische und vom russischen  Staatskonzern Atomstrojexport geliefert werden. Sein Land werde „die neueste Technologie“ einsetzen, während die Anlagen in Japan aus den frühen siebziger Jahren stammten, sagte der türkische Energieminister Taner Yildiz.

Polen
Die polnische Regierung hält an ihren Plänen fest, bis im Jahr 2020 das erste AKW des Landes zu bauen. Ein weiteres soll folgen. Polen liege nicht in einer erdbebengefährdeten Zone, erklärte Ministerpräsident Donald Tusk.

Israel
Der israelische Regierungschef Banjamin Netanyahu hat angekündigt, Pläne für den Bau eines AKWs über Bord zu werfen. Allerdings gab es in Israel bislang keine offiziellen Pläne für den Bau neuer AKW. In Israel gibt es lediglich einen streng geheimgehaltenen Reaktor in der Negev-Wüste, der allerdings keinen Strom erzeugt.

Japan

Der japanische Energiekonzern Chubu Electric Power hält offenbar an seinen Plänen zum Bau neuer AKW fest. Allerdings will das Unternehmen vor einem Kraftwerk an der Küste südlich von Tokio einen zwölf Meter hohen Tsunami-Schutzwall errichten. Der Bau eines sechsten Reaktors in der Anlage Hamaoka werde zudem um ein Jahr verschoben um die Sicherheitspläne zu überprüfen. Der neue Reaktor solle aber wie geplant im März 2024 in Betrieb genommen werden. Am seinem Vorhaben, bis zum Jahr 2030 ein zweites Atomkraftwerk zu bauen, hält Chubu Electric Power ebenfalls fest.

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