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Go beyond oil

Vor der Plattform „Stena Don“ von Cairns Energy.

Wenn Ölkonzerne sich zusammenschließen, lässt das Umweltschützer Ungutes ahnen. Nicht anders ergeht es uns bei dem gestern veröffentlichten Deal des amerikanischen Ölgiganten Exxon Mobil mit dem russischen Ölkonzern Rosneft. Geschachert wird um die unerschlossenen Öl- und Gasvorkommen in der Arktis. Klarer Verlierer: das arktische Ökosystem.


Go beyond oil

Vor der Plattform „Stena Don“ von Cairns Energy.

Wenn Ölkonzerne sich zusammenschließen, lässt das Umweltschützer Ungutes ahnen. Nicht anders ergeht es uns bei dem gestern veröffentlichten Deal des amerikanischen Ölgiganten Exxon Mobil mit dem russischen Ölkonzern Rosneft. Geschachert wird um die unerschlossenen Öl- und Gasvorkommen in der Arktis. Klarer Verlierer: das arktische Ökosystem.

Seit sich die küstennahen Öl- und Gasvorräte ihrem Ende zuneigen, verschärft sich der Wettkampf um Bohrlizenzen in arktischen Bohrfeldern. Rund 22 Prozent der unerschlossenen Ölvorräte weltweit sollen in der Arktis liegen. Ein ungehobener Schatz für die Ölbranche: Russland, Norwegen, Kanada, USA und Dänemark sind begehrte Verhandlungspartner geworden.

Der Hunger nach Öl kennt offensichtlich keine Grenzen. Mit diesem Joint venture ist die Tür zur Ausbeutung einer der letzten noch intakten Regionen der Erde aufgestoßen, kommentiert Jörg Feddern, Ölexperte bei Greenpeace. Er warnt vor neuen Unfällen: Eine Ölkatastrophe, wie wir sie vor einem Jahr im Golf von Mexiko erlebt haben, hätte in der Arktis noch weit schlimmere Folgen.

Erfahrung mit Ölkatastrophen hat Exxon Mobil bereits, daraus gelernt offensichtlich nicht: Am 24. März 1984 lief der Öltanker Exxon Valdez auf ein Riff vor Alaska. 40.000 Tonnen Erdöl liefen aus und verseuchten die unberührte Natur. Hunderttausende Fische und Vögel verendeten im Öl, tausende Säugetiere starben. Die Ölkatastrophe des Supertankers Exxon Valdez vor über zwanzig Jahren war ein Warnschuss für Exxon Mobil. Noch heute sind die Folgen dieser Katastrophe zu spüren, so Feddern. An der Küste und auf dem Meeresboden finde man immer noch giftiges Öl, berichtet der Ölexperte. Der Grund: Bei niedrigen arktischen Temperaturen baut sich Erdöl nur extrem langsam ab, teilweise wird es durch groben Sand und Kiesel überdeckt und konserviert. Ölaufräumarbeiten sind lediglich in der kurzen arktischen Sommerzeit möglich, danach machen die dicken Eismassen jeglichen Versuch zunichte. Feddern fordert: Die Arktis muss unter Schutz gestellt und den Ölkonzernen deutlich die Grenzen aufgezeigt werden!

Grenzenlose Risikobereitschaft

Mit Tiefseebohrungen gefährden Konzerne wie Cairn Energy längst die arktische Meeresumwelt. Der große Wurf ist bisher noch keinem gelungen. Jetzt hofft Exxon Mobil, mit Rosneft das große Los gezogen zu haben und übernimmt dafür die Kosten der teuren Tiefseebohrungen; der russische Partner dürfte sich im Gegenzug über den Zugang zu modernster Technik freuen. Dass die jedoch hält, was sie verspricht, zweifeln Umweltschützer an und verweisen auf den Ölriesen BP. Der bekam im Jahr 2010 auch mit Geld, Booten und Personal die handgemachte Ölpest im Golf wochenlang nicht in den Griff. Auch Shell konnte jüngst seinen vergleichsweise kleinen Ölunfall auf der Nordsee-Plattform Gannet Alpha keineswegs zeitnah beheben. Greenpeace fordert von den Ölkonzernen, ihre Krisenpläne öffentlich zugänglich zu machen. Die Exxon-Kooperation mit dem Kreml dürfte kaum zur Transparenz im Tiefseegeschäft beitragen.

Rosneft ist für Exxon Mobil kein unbekannter Geschäftspartner: Gemeinsam beutet man bereits seit den 1990ern die Ölfelder um die russische Pazifik-Insel Sachalin aus. Die Folge: Die Ölförderung vergiftet die Flussfische, eine Nahrungsgrundlage der Urbevölkerung, und bedroht die heimischen Grauwale in ihrem Nahrungsgebiet.

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