Eine vor 50 Jahren erstmals veröffentlichte Legende besagt: «Es gab da eine Alte vom Stamme der Cree, die wurde ‹Feuerauge› genannt. Sie prophezeite eines Tages, dass die Gier des weissen Mannes die Welt zerstören würde. Eine Zeit würde kommen, wenn die Fische in den Strömen sterben, die Vögel vom Himmel fallen, die Gewässer schwarz sein, die Bäume nicht mehr sein würden. Das würde die Zeit sein, in denen die Hüter der Legenden und Mythen, der uralten Riten und Weisheiten uns wieder gesunden lassen müssten. Sie würden die ‹Kämpfer des Regenbogens› genannt werden und die Schlüssel zum Überleben sein.»

Von Markus Allemann, Verena Mühlberger, Co-Geschäfstleitung


Markus Allemann und Verena Mühlberger

© Christian Grund

Wie nahe diese Geschichte der heute erlebten Realität doch kommt! Das von der Klimawissenschaft postulierte Zwei-Grad-Ziel ist schon kaum mehr zu erreichen, und auch ein Drei-Grad-Ziel soll nur noch mit äusserster Entschlossenheit überhaupt in Reichweite sein. Bereits stellt sich deshalb die internationale Politik fatalistisch darauf ein und möchte von der Wissenschaft wissen, welchen Unterschied ein Temperaturanstieg von drei im Vergleich zu fünf Grad macht … Nicht nur die Finanzwelt baut auf Schulden, auch die Klimapolitik tut es! Selbst scheinbar gestandene und omnipotente Regierungschefs und -chefinnen schaffen es nicht, Wissen und Handeln zusammenzubringen.

Und das, obwohl wir Anzeichen genug haben, dass sofortiges Handeln dringend nötig ist: 2011 brach nicht nur ein japanisches Atomkraftwerk auseinander, inzwischen drohen ganze Systeme zu zerbröckeln. Alle staunen wir ob der Kadenz der sich überwerfenden Ereignisse, alle sind wir Agierende und Beobachtende, manchmal eingelullt vom Gefühl der Ohnmacht, ein anderes Mal beflügelt von der machtvollen Energie eines Befreiungsschlags.
Ein erster solcher ist mit dem eidgenössischen Beschluss zum Ausstieg aus der Atomenergie gelungen. Doch wir werden nicht lange warten müssen, bis die Systembewahrer nach grossen Gaskraftwerken als Ersatz rufen werden. Wieder sollen auf die Konten unserer Nachkommen Schulden geschrieben werden. Es wird die machtvolle Energie von uns allen brauchen, um diesen nächsten Fehltritt zu verhindern! Unterstützen wir Bewegungen, Bürgerinitiativen und PolitikerInnen, die sich einer nachhaltigen Lebensweise und einer gerechteren Welt verpflichtet fühlen! Werden wir selber zu Stromproduzenten und schränken wir unseren eigenen Verbrauch ein! Nehmen wir unser Schicksal selbstverantwortlich in die eigene Hand, machen wir Politik, auf der Strasse und zu Hause! Wischen wir den Staub von allen öffentlichen und privaten Regalen und Schubladen, die uns daran hindern, Wissen und Handeln zusammenzubringen.

Warten wir nicht auf die Regenbogenkrieger. David ist bereits da. Ausgerechnet in diesem Jahr der Krisen durfte die neu gebaute Rainbow Warrior III in See stechen. Ein Hochseeschiff dieser Grösse, allein mittels Windkraft mit 15 Knoten (28 km/h) unterwegs, wer hätte das für möglich gehalten! David ganz gross, mit Rückenwind gegen Goliath. Ja, die Welt braucht Greenpeace heute mehr denn je.
Doch Greenpeace wäre nicht Greenpeace, wenn wir nicht auf jeden einzelnen, jede einzelne David zählen könnten. Die Regenbogenkrieger und Sie, David und wir alle werden unser Schicksal in die Hand nehmen müssen. Wenn wir jetzt nicht anpacken, wird uns auch die schönste Legende nicht weiterhelfen können.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein friedliches, fruchtbares und glückliches 2012!

Verena Mühlberger, Markus Allemann
Co-Geschäftsleitung Greenpeace Schweiz

PS: Machen Sie auch 2012 mit beim «Menschenstrom»; www.menschenstrom.ch

Video: 2011 in Bildern