Montag, 19. August 2013

© Fred Dott / Greenpeace

Am 6. Juli 2013 bekam Greenpeace Ungarn einen Anruf. Ein Imker berichtete von einem Massensterben seiner Bienen in einem Sonnenblumenfeld südlich des Balaton Sees. Obwohl er bereits in den vergangenen Jahren einige Verluste an Bienen beobachtet hatte, war es noch nie so schlimm gewesen. Als ich einen Tag später dort ankam, sah ich tausende toter oder sterbender Bienen auf dem Feld verteilt liegen (Video dazu in englischer Sprache). Viele der noch lebenden Bienen schienen ungewöhnlich aggressiv. Sowohl uns gegenüber als auch anderen Bienen gegenüber, die zum Stock zurückkehrten. Dem Imker nach wurden auf diesem Feld mehrere Wochen keine Pestizide gesprüht. Dennoch war die Situation hier weit schlechter als auf anderen Felder in der Gegend.

Ich sammelte sowohl Proben toter Bienen für die Analyse als auch einige Blüten der Sonnenblumen. Wir benachrichtigten die zuständigen Behörden über den Vorfall. In der Vergangenheit waren die Behörden langsam und zurückhaltend. Diesmal reagierten sie heftig – drei Beamte waren am nächsten Morgen vor Ort bei den Bienenstöcken. Sie sammelten ihre eigenen Proben und deuteten an, dass der Vorfall auch aus ihrer Sicht wie eine Vergiftung aussähe, wenn auch die Quelle unbekannt sei.

Wir schickten unsere Proben an das amtlich anerkannte Labor der ungarischen Behörde National Food Chain Safety Office. Ungefähr eine Woche später hatten wir die Ergebnisse. Diese bestätigten, dass die Sonnenblumen nachweisbare Konzentrationen (durchschnittlich 0,0015 mg/kg) an Thiametoxam enthielten. Von diesem Pestizid des Basler Agrochemiekonzerns Syngenta ist bekannt, dass es giftig für Bienen ist. Aus Saatgut, welches mit solchen Pestiziden gebeizt wurde, entstehen Pflanzen, die in allen Pflanzenteilen niedrige aber wirksame Pestizidmengen enthalten. Auch geringe Konzentrationen von Thiametoxam können den Bienen Schaden zufügen.

Trotz dieses Fundes bleibt die genaue Ursache für das massenhafte Bienensterben in diesem Fall unbekannt. Es war uns nicht möglich, in den toten Bienen Rückstände von Thiametoxam oder anderen Pestiziden nachzuweisen. Das schliesst aber nicht aus, dass Pestizide daran beteiligt waren, das Verhalten der Bienen zu verändern und ihre Gesundheit zu schädigen. Überdies erfordert eine unbekannte Ursache dringend weitere amtliche Untersuchungen. Wir müssen die Gründe für einen derartig katastrophalen Vorfall im Detail verstehen und Vorkehrungen treffen, um dem Rückgang der Bienen und anderen Insekten in ganz Europa entgegenzuwirken.

Der Vorfall in Ungarn mag ein Einzelfall sein, der sehr leicht hätte übersehen werden können. Aber er ist symptomatisch für ein um sich greifendes Problem, welchem die Landwirtschaft und unsere Ökosysteme begegnen. Wenn wir unsere Bienen verlieren, verlieren wir mehr als nur ein Glas Honig.

Syngenta und sein Bienenkiller-Pestizid sind Teil des Problems Bienensterben. Langfristig gibt es nur eine Lösung: eine konsequente Umstellung von der aktuell chemiebasierten industriellen auf eine an ökologischen Prinzipien orientierten, chemiefreien Landwirtschaft, welche Böden, Luft, Gewässer und Biodiversität schützt.


Marktstand mit Obst- und Gemüsesorten, die durch Bestäubung durch Bienen zur Verfügung stehen.

© Greenpeace


So sähe ein Marktstand aus, wenn es keine Bienen mehr gäbe

© Greenpeace

 

Jeder und jede kann etwas für die Bienen tun. Wie, das erfahren Sie unter www.bienenschutz.ch.

 

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