Ein europaweites Stromüberangebot, sinkende Preise sowie anstehende Investitionen in sicherheits-technische Nachrüstungen stellen die BKW vor Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit des AKW Mühleberg. Wollte die BKW ihren Problemreaktoren aus den 60-er Jahren bislang so lange wie möglich laufen lassen, so verhandelt sie offenbar jetzt mit dem ENSI über die Option, das AKW 2019 vom Netz zu nehmen. Ein gefährlicher Kuhhandel, denn dann möchte sie gerne „Aufrüstung light“ betreiben. Für Greenpeace ist klar: die einzig wirklich sichere Variante ist es, Mühlerg jetzt abzustellen.

Ein europaweites Stromüberangebot, sinkende Preise sowie anstehende Investitionen in sicherheits-technische Nachrüstungen stellen die BKW vor Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit des AKW Mühleberg. Wollte die BKW ihren Problemreaktoren aus den 60-er Jahren bislang so lange wie möglich laufen lassen, so verhandelt sie offenbar jetzt mit dem ENSI über die Option, das AKW 2019 vom Netz zu nehmen. Ein gefährlicher Kuhhandel, denn dann möchte sie gerne „Aufrüstung light“ betreiben. Für Greenpeace ist klar: die einzig wirklich sichere Variante ist es, Mühlerg jetzt abzustellen.

Im Dezember 2012 verlangte die Atomaufsicht ENSI “umfassende Nachrüstungen” für den Langzeitbetrieb des AKW Mühleberg. Für das ENSI war damals ganz klar: eine verbindliche Umsetzungsplanung für die wichtigsten Massnahmen müsse bis zum 30. Juni 2013 eingereicht werden. Einem Betrieb über das Jahr 2017 hinaus würde die Aufsichtsbehörde nur zustimmen, “wenn die BKW umfassende Nachrüstungen realisiert“, betonte das ENSI. Direktor Hans Wanner unterstrich gegenüber Radio DRS, er erwarte bis Ende Juni 2013 einen Investitionsentscheid, sprich einen Beschluss, ob die BKW das Geld für diese Nachrüstungen in die Hand nimmt oder nicht.

Diese liess sich davon nicht aus der Ruhe bringen und nimmt’s bis zum heutigen Tag gemütlicher. Sie machte klar, den Investitionsentscheid erst am Ende des Jahres treffen zu wollen. BKW-Verwaltungspräsident Urs Gasche deutete schon damals wiederholt an, über den Umfang der Nachrüstungen mit dem ENSI verhandeln zu wollen.

Das ENSI zweifelt, der Bundesrat nicht

Der Widerstand der BKW wirkte. In einem NZZ-Artikel vom 11. Juli 2013 äusserte ENSI-Direktor Wanner plötzlich Zweifel an der Durchsetzbarkeit der Forderungen der Atomaufsicht. Dafür fehle die rechtliche Grundlage, und die BKW könne die Nachrüstforderungen gerichtlich anfechten. Dem widersprach allerdings der Bundesrat eine Woche später in seiner Antwort auf eine Frage des Nationalrats Max Chopard: Die heutige Gesetzgebung ermögliche dem ENSI, seine Forderungen durchzusetzen.

Nachrüsten oder nicht – eine Frage der Wirtschaftlichkeit?!

Die Chronologie der Beeinflussungsversuche geht weiter. Nun prüft die BKW laut den neuesten Aussagen von CEO Suzanne Thoma in der Sonntagszeitung aus Wirtschaftlichkeitsgründen folgende drei Optionen, die allesamt für Greenpeace nicht hinnehmbar sind:

  • Den Langzeitbetrieb bis 2026 mit horrenden Investitionen – eine gefährliche Erwägung bei einem AKW aus den 60-er Jahren, das die zeitgemässen Sicherheitsanforderungen längst nicht mehr erfüllt.
  • Den Weiterbetrieb bis ins Jahr 2017 ohne jegliche zusätzlichen Investitionen in die Sicherheit.
  • Einen Weiterbetrieb bis 2019 bei einem Verzicht auf Investitionen von mehreren Hundert Millionen Franken. Über diese Variante verhandelt die BKW gemäss diversen Medienberichten offenbar aktuell mit dem ENSI.

Sie macht damit deutlich, dass sie wirtschaftliche Überlegungen klar über AKW-Sicherheit stellt. Geht das ENSI auf diese erneuten Beeinflussungsversuche des Energiekonzerns ein, hat die wichtigste Atomsicherheitsbehörde der Schweiz ein echtes Glaubwürdigkeitsproblem. 

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