Mittwoch, 11. Dezember 2013
10102013. Manfred Santen, campaigner and chemist from Greenpeace Germany, visits a test lab in Denmark. He is here to collect outdoor samples that have been tested for chemical evaporation.

© Greenpeace

Ob China, Arktis oder Südafrika – und vermutlich auch bei Ihnen zu Hause: PFC-Chemikalien lassen sich weltweit nachweisen. Sie gelangen in Hausstaub, Trinkwasser und Blut, weil sie in grossen Mengen in der Textilproduktion eingesetzt werden. Greenpeace wollte wissen, wie viel davon in unserer Outdoor-Kleidung steckt und hat Jacken und Handschuhe ins Labor geschickt.

Die Outdoor-Branche wirbt gerne mit unberührter Natur. Aber ihre Kleidung enthält Schadstoffe, die sich inzwischen rund um den Globus nachweisen lassen: Wetterfeste Kleidung von Marken wie Mammut, The North Face, Patagonia, Adidas und Salewa dünstet Chemikalien aus. Zwei unabhängige Labore haben im Auftrag von Greenpeace Deutschland 17 Outdoor-Artikel auf per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) und andere Schadstoffe geprüft. In allen Proben wurden PFC nachgewiesen und in Handschuhen von Mammut eine illegale Konzentration der krebserregenden Perfluoroktansulfonsäure (PFOS).

«Die Schadstoffe sind vor allem ein Problem in den Produktionsländern. Aber auch bei uns finden wir per- und polyfluorierte Chemikalien in der Umwelt, im Trinkwasser und im menschlichen Blut», sagt Mirjam Kopp von der Chemie-Kampagne von Greenpeace Schweiz.

PFC lassen Wasser und Schmutz von Outdoor-Kleidung abperlen und finden sich auch in den innen liegenden wasserdichten Membranen (zum Beispiel Gore-Tex). Fluorverbindungen können in der Umwelt kaum abgebaut werden und gelangen über Nahrung, Trinkwasser und Luft auch in den menschlichen Organismus. Einige PFC können das Immunsystem und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und zu Schilddrüsenerkrankungen führen.

Die Labors führten Ausgasungstests durch und untersuchten auch das Material selber: Handschuhe der Marke Mammut enthielten illegale Konzentrationen der gesundheitsschädlichen Perfluorsulfonsäure (PFOS); Der Wert überschreitet den gesetzlichen Grenzwert von einem Mikrogramm pro Quadratmeter um das 9-fache. Greenpeace fordert, dass Mammut diesen Handschuh sofort aus dem Verkehr zieht. Der Hersteller muss eine umfassende Untersuchung auf PFOS vornehmen, um sicherzustellen, dass keine weiteren Produkte illegale Konzentrationen dieser gesundheits- und umweltschädlichen Chemikalie enthalten.

Jacken von Schöffel, Jack Wolfskin und Mammut enthielten bedenkliche Konzentrationen der giftigen Perfluoroktansäure (PFOA). Hohe Werte weiterer PFC wie Fluortelomeralkohole (FTOH) wurden in fast allen Jacken festgestellt, Spitzenreiter waren die Jacken von Adidas, Jack Wolfskin, The North Face und Salewa. Bedenklich sind auch einige Test-Ergebnisse anderer Schadstoffe, wie der hormonell wirksamen Weichmacher (Phthalate) oder Nonylphenole.

Alternativen zu dieser schadstoffbelasteten Outdoor-Kleidung sind bereits auf dem Markt. Dazu zählen Jacken mit PFC-freien Membranen oder Imprägnierungen aus Polyester und Polyurethan. Auch diese Jacken sind winddicht, atmungsaktiv und halten einem Wolkenbruch stand. «Vor dem Kauf sollten Verbraucher prüfen, ob sie eine Jacke für den Gipfelsturm oder den Spaziergang benötigen. Die schadstofffreien Jacken genügen fast immer», so Kopp.

Seit dem Start der Detox-Kampagne von Greenpeace im Jahr 2011 haben sich 17 grosse Textilmarken verpflichtet, bis zum Jahr 2020 auf gefährliche Chemikalien zu verzichten. Wir setzen uns weiter für eine giftfreie Textilproduktion ein.

 

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