Reaktionen der Hersteller auf den Test zu Outdoor-Textilien

Reaktionen der Hersteller auf den Test zu Outdoor-Textilien

Wetterfeste Markenkleidung von Mammut, The North Face, Patagonia, Adidas und Salewa dünstet Chemikalien aus. Das zeigte der im Dezember veröffentlichte Greenpeace-Tests zu Outdoor-Textilien. Nun reagieren die ersten Hersteller auf die Untersuchungsergebnisse – bisher mit mehr Schein als Sein.


Auch in Kinderkleidung wurden giftige Chemikalien gefunden.

© argum / Thomas Einberger

Greenpeace hatte 17 Kleidungsstücke namhafter Outdoor-Marken untersucht und in allen Proben poly- und/oder perfluorierte Chemikalien (PFC) entdeckt. In einem Mammut Handschuh wurde sogar eine illegale Konzentration der krebserregenden Substanz PFOS nachgewiesen. Mammut hat darauf den Handschuh aus dem Verkauf gezogen, bisher aber noch nicht offiziell zur Problematik Stellung genommen. Grund dafür sei, dass Mammut zuerst die Ergebnisse der eigenen Untersuchungen abwarten wolle. Bis auf weiteres müssen wir also annehmen, dass sich Mammuts Position seit letztem Jahr nicht geändert hat: damals hat Mammut aufgrund unseres ersten Outdoor-Reports versprochen, von den längerkettigen C8-PFC auf die angeblich ungefährlicheren kürzerkettigen C6-PFC umzusteigen. Diese reichern sich jedoch genauso in der Umwelt an, besonders im Grundwasser. Noch dazu verbreiten sie sich viel schneller als die herkömmlichen C8-PFC durch die Luft.

Schöffel, Adidas und Co. dagegen antworteten schnell und stellen sich in ihren Stellungnahmen als verantwortungsbewusste Unternehmen dar. Adidas setzt sich dafür ein, „dass unsere Produkte umweltverträglich sind und für den Konsumenten keine Beeinträchtigungen hervorrufen.“ Gleichzeitig ist das Unternehmen jedoch nicht bereit, auf eben diese umwelt- und gesundheitsschädlichen PFC zu verzichten. Am Beispiel der in die Luft ausgasenden FTOH – einer Untergruppe der PFC – wird dies besonders deutlich: Statt im Sinne des Vorsorgeprinzips zu handeln und folglich FTOH nicht mehr zu verwenden, verweist Adidas darauf, „dass genaue toxikologische Forschungsergebnisse“ noch nicht existieren und windet sich heraus: „Eine weitere wissenschaftliche Prüfung wäre hier zu begrüssen“. Wissenschaftlich bewiesen ist schon jetzt, dass FTOH zum Teil in PFC umgeformt werden können, deren schädigende Wirkung auf Leber, Fortpflanzung und Hormonsystem bekannt ist.

Auch VAUDE bekennt sich zum Entgiften und möchte „bis 2015 Europas nachhaltigster Outdoor-Ausrüster“ werden. Entschieden habe sich VAUDE „bereits vor Jahren für den konsequenten Ausstieg aus PFC“. VAUDE steigt aber genau wie Mammut nur aus einem Teil der PFC-Chemie aus – und bekennt sich ebenfalls zum fortgesetzten Einsatz von PFC mit der so genannten C6-DWR als „Brückentechnologie“.

Keine Transparenz über eingesetzte Chemikalien

Die Unternehmen versuchen, die Verantwortung auf den Verbraucher zu schieben: Die gewünschte Funktionalität sei ohne diese Chemikalien nicht möglich. Ohne PFC-Ausrüstung „lassen die Produkte Wasser und Schmutz nicht einfach abperlen“, schreibt VAUDE. Für den Benutzer führe das zu einem „klammen, feuchten Gefühl beim Tragen“. Die Verbraucher werden jedoch erst in der Stellungnahme über die eingesetzten Chemikalien informiert, nicht aber beim Kauf des Produktes.

„Mammut und alle anderen Outdoor-Hersteller müssen für den Einsatz und die Folgen gefährlicher Chemikalien in ihrer Produktion die Verantwortung tragen. Verbraucher müssen über Risiken und Alternativen nicht nur des Produkts, sondern auch der Produktion aufgeklärt werden“, so Mirjam Kopp, Toxics Campaignerin bei Greenpeace.

Umweltfreundliche Alternativen nur vorgetäuscht

Die Ausweichstrategie von Goretex und im Schlepptau Mamut, Adidas, The North Face, Patagonia und auch VAUDE sowie der Zertifizierer Bluesign: Zeit gewinnen auf Kosten der Umwelt, indem sie von der C8-Fluorchemie auf die angeblich ungefährliche C6-Fluorchemie umsteigen.

Doch kürzerkettigen PFC sind mobiler, flüchtiger und schon jetzt überall auf der Welt nachzuweisen – sie sind damit keine Alternative. Die Zukunft liegt in der PFC-freien Technologie, nur so kann auch die Outdoor-Bekleidung umweltverträglicher produziert werden.

Erste PFC-freie Produktreihen in der wasserabweisenden Ausrüstung gibt es bereits von Marken wie Kaikkialla, Jack Wolfskin und Puma. Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn es noch zu Umstellungsschwierigkeiten und geringen PFC-Rückständen kommt.

(Text: Sara Westerhaus)

 

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