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Mittwoch, 22. Januar 2014

© Greenpeace

Mittwoch, 22. Januar 2014

© Greenpeace

Greenpeace Russland hat die russische Staatsanwaltschaft aufgefordert, eine Untersuchung gegen Gazprom einzuleiten. Der Verdacht: Eine geheime Absprache zwischen dem Ölkonzern und den zuständigen Überwachungsbehörden, um das Ausmass einer Ölpest in der sibirischen Region Tomsk zu vertuschen.

Im August 2013 hatten Aktivistinnen und Aktivisten einer lokalen Nichtregierungsorganisation über die Ölpest berichtet. Zwei Monate danach untersuchte die russische Umwelt-Überwachungsbehörde das Gebiet im Gazprom-Ölfeld Urmanskoe und berichtete darauf, es sei keine Ölverschmutzung gefunden worden.

Gazprom selber meldete, es habe sich um eine sehr kleine Verschmutzung gehandelt, lediglich 90 Kilogramm seien ausgeflossen und aufgefangen worden. Gazprom erhielt eine Busse von etwa 300 Dollar, weil der Unfall nicht rechtzeitig gemeldet worden war.

Analysen von Satellitenbildern des betroffenen Ölfelds durch Greenpeace Russland brachten jedoch 71 Öllachen ans Licht, über ein Gebiet von insgesamt 3,1 Hektaren. Weit entfernt von den 90 Kilogramm, von denen Gazprom behauptete, sie seien schon wieder aufgefangen worden.

Es scheint, dass sowohl der Konzern als auch die staatliche Agentur versuchten, das Ausmass des ausgeflossenen Öls herunterzuspielen. Es ist sehr gut möglich, dass der Konzern die Öllachen mit Erde überdeckte, um sie zu verbergen, nachdem er erfahren hatte, dass staatliche Inspektoren über den Unfall informiert worden waren.

Greenpeace Russland hat daher bei der Staatsanwaltschaft offiziell einen Antrag eingereicht, das Gebiet zu untersuchen, in welchem die Experten der Organisation mit Hilfe hochauflösender Satellitenbilder 71 Stellen mit möglichen Ölverschmutzungen identifiziert haben. Der Staatsanwaltschaft wurden auch Bilder zugestellt, welche die genaue Lage jedes potenziellen Lecks aufzeigen.

Gazprom gehört zu den fünf am schmutzigsten arbeitenden Unternehmen in Russland. Pro Jahr ist der Konzern als Folge seiner veralteten, verrosteten Pipelines verantwortlich für etwa 2000 Unfälle mit Erdöl und damit verbundenen toxischen Produkten.

«In den meisten Fällen ist eine belanglose Busse und etwas Sand, mit dem das ausgeflossene Öl bedeckt wird, die einzige Verantwortung, die der Konzern Gazprom für all die Umweltschäden trägt, die er verursacht», erklärt Wladimir Tschuprow, Leiter der Energie-Abteilung von Greenpeace Russland. «Mit der veralteten Ölpipeline-Infrastruktur und der laschen staatlichen Kontrolle ist es nicht verwunderlich, dass es in Russland gängige Praxis ist, eine Ölpest zu vertuschen, statt den Schaden zu beseitigen.»

Die Strafen für Ölunfälle – wenn die Verschmutzung nicht bereinigt wird, oder Ölunfälle vertuscht werden – müssten gross genug sein, damit es für Konzerne zu kostspielig wird, dieses Risiko einzugehen. So entschied zum Beispiel kürzlich ein Gericht, dass Lukoil für eine Ölpest in der Region Komi 20 Millionen Dollar bezahlen muss.

Konzerne wie Gazprom und deren unverantwortlichen Praktiken müssen von der Arktis ferngehalten werden. Bleiben Bohrungen unter den extremen Bedingungen dort erlaubt, ist eine Ölkatastrophe nur eine Frage der Zeit.

>> Setzen Sie sich für den Schutz der Arktis ein!

 

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