Die Schutzhülle des AKW Leibstadt ist seit sechs Jahren (!) löchrig wie ein Emmentaler Käse und niemand hat es gemerkt. Der Betreiber räumt Fehler ein; auch das Eidgenössische Sicherheitsinspektorat (ENSI) hat aber versagt und soll nun einer unabhängigen Instanz Rede und Antwort stehen.

Die Schutzhülle des AKW Leibstadt ist seit sechs Jahren (!) löchrig wie ein Emmentaler Käse und niemand hat es gemerkt. Der Betreiber räumt Fehler ein; auch das Eidgenössische Sicherheitsinspektorat (ENSI) hat aber versagt und soll nun einer unabhängigen Instanz Rede und Antwort stehen.


Sicherheitslücken gibt es schon seit Jahren: Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten kletterten im Jahr 2003 auf das AKW Leibstadt

 

Zwei Feuerlöscher wurden im Jahr 2008 im AKW Leibstadt von Fremdpersonal montiert. Dabei wurde das Primärcontainment – die Schutzhülle aus Stahl, die als wichtiges Sicherheitselement den Austritt von Radioaktivität verhindern soll, durchbohrt, um die Halterung der Feuerlöscher zu montieren. So stellt es der Leiter des Kraftwerks gegenüber der «Aargauer Zeitung» dar. Das sei eher zufällig durch einen Kraftwerksmitarbeiter auf einem Rundgang festgestellt worden.

Das provoziert Fragen. Wie ist das möglich? Wie kann so etwas sechs Jahre unentdeckt bleiben?

Fangen wir beim AKW-Personal an. Ob Fremdarbeiter oder Eigenpersonal diesen Fehler begingen, spielt eine untergeordnete Rolle: Die Weisung, sich mit dem Bohrer am Containment schaffen zu machen, muss ja von einer verantwortlichen Person des Werkes kommen. Und müsste anderen Mitarbeiter mindestens aufgefallen sein. Es ist ein Verstoss gegen das Einmaleins der Sicherheit, wie wenn ein Tanklastwagenchauffeur zum Befestigen der Autonummer Löcher in die Tankwand bohrt. Es ist schlicht unverzeihlich. Weder eine Kontrolle noch eine Nachkontrolle innert sechs Jahren führte zur Aufklärung. Das erinnert stark an die Vorfälle im Jahr 2001, als AKW-Arbeiter Sicherheitsprotokolle von Rundgängen unterzeichnet hatten – ohne die Inspektionen vorgenommen zu haben. Man gelobte damals Besserung.

Das ENSI wiederum verlangte die definitive Reparatur bei weiterlaufendem Betrieb bis in einer Woche. Sonst müsse Leibstadt den Betrieb unterbrechen. Einmal mehr stellt das ENSI seine Flexibilität unter Beweis. Einerseits alibimässig drohen, andererseits weiter laufen lassen. Wie wenn die Unsicherheit heute ohne definitive Reparatur (die keine exorbitante Herausforderung darstellt) in einer Woche eine andere wäre. Grund zum Abstellen ist aber in der Tat die Sicherheitskultur in Leibstadt. Das fehlende Einmaleins.

Das ENSI ist hier Teil des Problems. Auch den Sicherheitsinspektoren der Aufsichtsbehörde müsste ein solch haarsträubender Fehler aufgefallen sein. Falls Sicherheitsnachweise nicht einfach Papierpersilscheine sind: Das ENSI attestierte im Jahr 2009 in der sogenannten «Sicherheitstechnischen Stellungnahme zur Periodischen Sicherheitsüberprüfung (PSÜ)» des Kernkraftwerks Leibstadt dem Betrieb die Voraussetzungen für einen sicheren Betrieb. Diese zentrale Sicherheitsüberprüfung – verfasst von den Betreibern selbst – erfolgte offenbar an den Schreibtischen, aber nicht im Werk. Eine Zweitmeinung zur PSÜ (oder Untersuchung) sah das ENSI nicht vor und tut es bis heute nicht. Nicht nur Leibstadt gehört untersucht, sondern auch die Aufsichtstätigkeit des ENSI. Bundesrätin Doris Leuthard muss diese Untersuchung unverzüglich einleiten.

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