Heute vor genau 29 Jahren, am 10. Juli 1985, versenkte der französische Geheimdienst das Greenpeace-Schiff «Rainbow Warrior», das gegen Atomtests in Frankreich protestierte. Mit an Bord war Kapitän Peter Willcox, der im Herbst des vergangenen Jahres für Schlagzeilen sorgte, als er mit den Arctic30 bei Protestaktionen gegen Ölbohrungen in der russischen Arktis in Gewahrsam genommen wurde. Doch wer ist «Captain Fantastic», wie Peter oft genannt wird, überhaupt? Und was können wir von ihm lernen?

Heute vor genau 29 Jahren, am 10. Juli 1985, versenkte der französische Geheimdienst das Greenpeace-Schiff «Rainbow Warrior», das gegen Atomtests in Frankreich protestierte. Mit an Bord war Kapitän Peter Willcox, der im Herbst des vergangenen Jahres für Schlagzeilen sorgte, als er mit den Arctic30 bei Protestaktionen gegen Ölbohrungen in der russischen Arktis in Gewahrsam genommen wurde. Doch wer ist «Captain Fantastic», wie Peter oft genannt wird, überhaupt? Und was können wir von ihm lernen?

Samstag, 19. September 2009
Kapitän Peter Willcox auf der Arctic Sunrise

Captain Pete Willcox on the Arctic Sunrise © Nick Cobbing / Greenpeace

 

Der 60 jährige Amerikaner wuchs als adoptiertes Kind an der Küste von Norwalk, Conneticut, in den USA auf. Seit er in jungen Jahren segeln lernte, hat Willcox sich dem Meer verschrieben. Er selbst sagt sogar, dass seine beiden Töchter wohl das Einzige seien, was ihn daran hindern könnte, zur See zu fahren. Als die «Rainbow Warrior I» zum ersten Mal in den USA anlegte, begann er sofort als Freiwilliger zu arbeiten, wurde 1981 zum Kapitän ernannt und macht seitdem nichts anderes mehr. «Ich denke, seitdem nimmt die Seefahrt für Greenpeace 90 Prozent meines Lebens ein», meint Seebär Willcox. Er war es auch, der im Jahre 1985 «Alles von Bord» schrie, als der französische Geheimdienst die Rainbow Warrior versenkte, die unter seinem Kommando stand.

Die «Warrior», wie das Schiff allgemein genannt wurde, hatte zuvor die Einwohner des Rongelap-Atolls evakuiert, welche aufgrund der Folgen der US-Atomtests zwischen 1946 und 1958 auf dem benachbarten Bikini-Atoll an Strahlenverseuchung, Leukämie, Krebs und Fehlgeburten litten. Kapitan Willcox manövrierte die mit rund 350 Insulanern und all deren Hab und Gut vollgepackte Rainbow Warrior durch enge Passagen, um Korallenriffe und durch ein Gebiet, welches noch nicht einmal auf einer Karte eingezeichnet war, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Als er die von ihrem Schicksal gepeinigten Inselbewohner in zwei Fahrten auf die unverseuchte Insel Mejato umsiedelte und ihnen damit vermutlich das Leben rettete, handelte Peter stets ruhig und zuversichtlich.

Auch einige Monate später, heute vor 29 Jahren, als zwei Agenten vom französischen Geheimdienst die Rainbow Warrior an der Küste Neuseelands mit zwei Haftminen versenkten, bewahrte er trotz der schlimmen Situation kühlen Kopf. Seine Kollegin Bunny McDiarmid erinnert sich in einem Blogeintrag an das entsetzliche Ereignis. «Wir wollten mit einer kleinen Gruppe von Segelbooten vor Französisch-Polynesien protestieren, wo die Franzosen Atomtests durchführten. Nur Augenblicke nachdem die erste Bombe kurz vor Mitternacht den Schiffsrumpf getroffen hatte, war Pete aus seiner Koje gesprungen und befahl, das Schiff zu verlassen.»

Das traumatische Ereignis, bei welchem der portugiesische Fotograf Fernando Pereira qualvoll ertrank, änderte nichts an Peters Einstellung und Entschlossenheit. Im Gegenteil, «Er glaubt, dass unsere Taten zählen müssen, nur darum geht es“, erzählt Bunny McDiarmid weiter. 

So war es auch Jahre später, im Herbst des vergangenen Jahres, als Willcox das Greenpeace-Schiff «Arctic Sunrise» in die russische Arktis lenkte und gegen Ölbohrungen des Ölgiganten «Gazprom» protestierte. Damals, am 18. September 2013, erklommen Greenpeace Aktivistinnen und Aktivisten Gazprom’s Ölplattform «Prirazlomnaya» und protestierten friedlich gegen die gefährlichen Ölbohrungen in der Arktis, als maskierte Beamte der russischen Küstenwache die Crew mit Schusswaffen und Messern bedrohten und sie festnahmen. So auch Peter Willcox, der erst nach 100 Tagen Gefangenschaft in Russland freigelassen wurde. «Unser Schiff wurde illegal beschlagnahmt und nach Murmansk gebracht, wo sie uns in Gefängnisse steckten und uns eines Verbrechen beschuldigten, das wir nicht begangen hatten. Nun, über 100 Tage danach, sind wir erleichtert, dass sie uns begnadigt haben, es gibt jedoch nichts, für das wir uns entschuldigen könnten. Unser Protest war absolut friedlich und das einzig Richtige, denn nun sind sich Millionen Menschen mehr als vorher bewusst, was Ölbohrungen in der Arktis für Risiken mit sich bringen.», meint Schiffsführer Willcox, der seit seiner Grönlandreise begeistert von der Schönheit der Arktis ist. Auch seine Frau meint: «Mein Mann ist kein Pirat, er ist ein Held […] Viele Menschen versuchen, wenigstens etwas für das größere Wohl zu tun […]. Selten ist, dass Menschen ihr ganzes Leben dem Vorhaben widmen, aus der Welt einen besseren Ort zu machen. Pete ist einer dieser Menschen.»

Peter Willcox’ Freilassung bedeutet nicht das Ende einer Sache, sondern steht als Zeichen des Beginns einer Bewegung. Millionen von Menschen rund um den Globus sind der Kampagne zum Schutz der Arktis beigetreten, angesteckt vom Mut und der Entschlossenheit, die Peter Willcox und den anderen Mitgliedern der Arctic 30 an den Tag legten. Wir müssen überzeugter denn je auftreten, um die gefährlichen Ölbohrungen in der Arktis zu stoppen. Jede/r Einzelne kann dem Beispiel von Peter Willcox und den anderen Aktivistinnen und Aktivisten folgen und sich für eine so wichtige Sache wie dem Schutz der Arktis einsetzen, dem Taten folgen lassen und seinen Enkelkindern einmal mit Stolz erzählen, dass man etwas dagegen unternommen hatte. Sei es auch nur die Unterschrift einer Petition, die Mobilisierung einflussreicher Persönlichkeiten aus deinem Umfeld mithilfe der «Arktis Deklaration», als Freiwillige/r oder in Form einer Spende an Greenpeace, wie z.B. für die mittlerweile freigegebene und beschädigte Arctic Sunrise. Hilf uns und sei dabei wenn Geschichte geschrieben wird. 

Wie sagt doch Nikos Charalambides, Executive Director bei Greenpeace Griechenland, so schön: «Wir leben nicht mit Geschichte und werden durch sie auch nicht beschränkt. Doch es wäre dumm, wenn wir uns nicht von ihr inspirieren lassen […] » 

 
Blogpost von Luis Balzer, Praktikant bei Greenpeace Schweiz
Teilen
Twittern
Teilen
+1
E-Mail
WhatsApp