Dienstag, 22. Juli 2014

Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten bei LEGOs Hauptsitz. © Uffe Weng / Greenpeace

Vergangene Woche, in einem Industriegebiet in der Tschechischen Republik, hatte unsere Kampagne eine neue Eskalationsstufe erreicht. Wir fordern LEGO dazu auf, das Werbe-Abkommen mit Shell zu beenden. Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten kennzeichneten die LEGO-Fabrik in Tschechien – eine ihrer drei grössten Produktionsstätten weltweit – mit dem Shell-Logo und inszenierten eine Ölkatastrophe, die von riesigen, verzweifelten LEGO-Figuren gereinigt wurde.

Rund 24 Stunden später sind im LEGO-Hauptquartier in Bellund, Dänemark – dem Gründungsort von LEGO im Jahre 1932 – weitere Greenpeace-Aktivistinnen und –Aktivisten aufgetreten. Sie überreichten mehrere riesige LEGO-Steine, welche die Unterschriften der 550’000 Menschen rund um den Globus repräsentieren, die den Spielwarenhersteller dazu auffordern, die Partnerschaft mit dem Ölkonzern Shell zu beenden. Weil LEGO sich weigerte aus dem Gebäude zu kommen und die Petition entgegenzunehmen, haben die Aktivistinnen und Aktivisten eine Wand aus riesigen weissen LEGO-Steinen errichtet, von denen jeder 10’000 Unterschriften symbolisiert. Mit dieser Wand haben sie den Eingang zum LEGO-Hauptquartier blockiert.

Die Aktionen waren eine Antwort auf die Weigerung LEGOs, sich zu den seit zwei Wochen anhaltenden, weltweiten  Protesten zu äussern. Ein Highlight der Kampagne ist bis dato das Video «Everything is not awesome», welches weltweit rund 5 Millionen mal angeschaut wurde. Zudem haben über eine halbe Million Menschen – viele unter ihnen sind LEGO-Fans – die Petition unterzeichnet. Im Internet ist eine Flut von Artikeln erschienen, die beschreiben, was LEGO falsch gemacht hat und wieso Fans so enttäuscht über den beliebten Spielwarenhersteller sind.

Der CEO von LEGO, Jørgen Vig Knudstorp, hat nur einmal mit einem kurzen Statement auf die Kampagne reagiert: «Wir erwarten von Shell, dass der Konzern seiner Verantwortung gerecht wird, wo auch immer er gerade operiert und dass er entsprechend auf Forderungen eingehen wird. Ich möchte gerne klarstellen, dass wir vorhaben, den langfristigen Vertrag mit Shell einzuhalten, den wir im Jahr 2011 eingegangen sind.»
Diese Antwort eines Unternehmens ist vergleichbar mit einer Person, die sich die Finger in die Ohren steckt und «LA-LA-LA» singt. Der Fall ist auch vergleichbar mit der Schuldabweisung, die wir vor etwa einem Jahrzehnt schon bei Firmen wie Nestlé beobachtet haben, als sie den schwarzen Peter weitergaben und meinten sie seien nicht verantwortlich für das Palmöl, das in ihren Produkten stecke und auch nicht für den Regenwald, der zerstört wurde, um die Ölpalmen anzupflanzen.

Als Folge einiger Kampagnen, denen grosse mediale Aufmerksamkeit geschenkt wurde,  sind viele Konzerne, inklusive Nestlé, einen Schritt weiter gegangen und haben verstanden, dass es möglich und nötig ist, Verantwortung für Geschäftspartner zu übernehmen – egal ob es sich um Firmen handelt, von denen sie Waren erhalten oder um Firmen, mit denen sie reine Geschäftsbeziehungen pflegen. Wenn ein Unternehmen diese Verantwortung nicht ernst nimmt, läuft es Gefahr einen schweren Imageschaden davonzutragen, dessen Wirkung noch über Jahrzehnte hinweg zu spüren sein kann.

Shell hat sich mit LEGO zusammengeschlossen, da sich der Ölmulti der Stärke bewusst ist, die in der Partnerschaft mit einem so beliebten und von vielen als moralisch einwandfrei betrachteten Unternehmen wie LEGO liegt. Durch Shell’s Werbe-Abkommen mit LEGO, sind die Benzinverkaufszahlen des Ölmultis um 7.5% in die Höhe geschossen, die Kundentreue stieg in einigen Tankstellen um 52% und die Werbung hat den PR-Wert der Firma um 116 Millionen Dollar erhöht.

Doch welchen Vorteil kann LEGO aus der Partnerschaft ziehen? Ist sich LEGO’s CEO Jørgen Vig Knudstorp bewusst, wie schlecht Shell sein Unternehmen aussehen lassen kann? Realisiert er, wie schädlich eine Partnerschaft mit einem moralisch und ökologisch so miserabel dastehenden Konzern für LEGO sein kann? Shell ist ein Konzern der wortwörtlich ans Ende der Welt geht, um dort Erdöl zu fördern und dabei den einzigartigen Lebensraum in der Arktis, unser Klima und damit auch die Zukunft unserer Kinder aufs Spiel setzt – das steht total im Widerspruch zu LEGO’s sorgfältig ausgearbeiteten Zielen zum Schutz der Umwelt.

Die Kampagne hat erst gerade begonnen. Mehr als eine halbe Million Menschen, die bis dato mitgemacht haben – nicht zu vergessen sind auch die mehr als 5 Millionen Menschen die den Schutz der Arktis fordern –, wollen dass LEGO ihnen endlich Gehör schenkt. Sie werden da sein, wo auch immer LEGO gerade sein mag – beim Hauptsitz, den Fabriken, den Spielwarenläden oder auf ihrer Facebook und –Twitter-Seite. Wann nimmt LEGO’s CEO endlich seine Finger aus den Ohren und antwortet?

Unterschreibe die Petition und hilf uns den Druck auf LEGO noch weiter zu erhöhen. 

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