Für das Meer und die darin lebenden Organismen ist unsere Wegwerfgesellschaft der reinste Albtraum. Das Problem ist hauptsächlich ein Stoff, den wir jeden Tag benutzen, kaum beachten und über den wir wenig wissen. Plastik. Meistens nur ein paar Minuten, Stunden oder Tage im Gebrauch, besteht Plastik noch über Jahrzehnte hin fort, belastet die Umwelt, gelangt über Flüsse ins Meer und wird von Meerestieren gefressen. Der Plastikmüll wird mit Nahrung verwechselt und landet in den Bäuchen von Tieren, die qualvoll sterben müssen. Wer ist schuld daran? Und was kann man dagegen tun?

Dem Schweizer Andreas Tanner wurde während eines Strandurlaubs bewusst, wie stark unsere Meere und Strände vom Plastik verschmutzt sind und er wunderte sich, wie so etwas möglich sein kann. Als er wieder zu Hause war, wandte er sich dem Thema zu und suchte nach Gründen und Antworten. Er beschloss als Bachelor-Arbeit, im Bereich Animation, einen Film über die Plastik-Thematik zu drehen. Nach wochenlanger Faktensammlung und vier Monaten Produktionszeit war er fertig. Sein eindrücklicher Film «It’s a plastic world» bringt das Problem auf den Punkt. Schau ihn dir an, teile den Film mit deinen Freunden und hilf dabei, das Problem anzugehen.

Wir kennen es alle, man schaut sich ein Video an oder liest einen Artikel über ein globales Problem. Findet das Gesehene zwar schlimm, doch am Problem ändert sich kaum etwas. Nehmen wir zur Veranschaulichung ein Problem, das aufgrund unseres Konsumverhaltens entsteht. Zum Beispiel sind wir alle gegen Kinderarbeit und  finden sie schlecht. Trotzdem schieben wir die Problematik schnell wieder in einen Schrank in einem Hinterzimmer unseres Gehirns, sobald wir ein günstiges Kleidungsstück bei einem Grossverteiler sehen. Das Problem verschwindet dann im Nu wieder aus unserem Bewusstsein und wir freuen uns über das günstige erworbene Shirt, ohne weiter darüber nachzudenken. Wir sind zu faul und zu bequem etwas zu ändern. Als Folge der Globalisierung fühlen wir uns nicht direkt betroffen. Man rechtfertigt sein Konsumverhalten mit Sätzen wie: «Ach, was kann ich alleine schon dagegen ausrichten.» Dabei vergisst man, dass nicht irgendein Konzern oder irgendein Firmenchef die Wurzel des Problems oder der Übeltäter ist, sondern wir als Konsumenten, die den Missstand durch unsere Kaufentscheide unterstützen. Die Wirtschaft ist ein Stück weit demokratisch. Wenn keine Nachfrage mehr nach so viel Plastik bestehen würde, da wir weniger Plastik konsumieren, wird auch weniger produziert. – Das Problem verkleinert sich.

Du hast jetzt das Video «It’s a plastic world» gesehen. «Wenn wir jetzt handeln, gibt es noch Hoffnung für zukünftige Generationen, bevor sich das Wundermaterial endgültig gegen seinen Schöpfer richtet», heisst am Schluss. Doch was bedeutet «Handeln» für jeden Einzelnen? Und was kannst du dafür tun, dass die Informationen dieses Videos, nicht auch in dem selben Schrank, im Hinterzimmer deines Gehirns, eingesperrt und verwahrt werden?

Du musst dir des Problems bewusst werden. Wir haben allein im letzten Jahrzehnt 10  mal mehr Plastik verbraucht, als im ganzen vergangenen Jahrhundert. Es treibt eine so grosse Abfall-Insel im Meer, dass man sie als «8. Kontinent» bezeichnet – die Fläche ist grösser als Indien und besteht hauptsächlich aus Kunststoff. 50% des Plastiks, den wir brauchen, werfen wir nach einem einzigen Gebrauch sofort weg. Verzichte auf den Strohhalm in dem Cocktail, den du nicht einmal benutzt. Verzichte auf die Plastiksäcke im Warenhaus und nimm stattdessen einen eigenen Stoffsack mit, wenn du einkaufen gehst. Und das sind nur zwei Beispiele. Veränderung beginnt schon bei ganz kleinen Dingen und jeder kann etwas dazu beitragen, den weltweiten Plastikverbrauch zu drosseln. Das Problem wird immer ernster und wird je länger je mehr in den Mittelpunkt rücken, wenn wir nicht jetzt beginnen zu handeln. Nur müssen dann die nachfolgenden Generationen die Suppe auslöffeln. Im Endeffekt geht es nicht nur um ein paar Fischchen im Meer, sondern um ganze Tierpopulationen, um ein ganzes Ökosystem, das aus dem Gleichgewicht gerät und schlussendlich geht’s auch um unsere eigene Gesundheit und um die Verantwortung die wir als Menschen gegenüber der Erde und der Natur tragen.

Solange wir unser Konsumverhalten nicht überdenken und ändern werden, wird sich das Problem nur noch verschlimmern. Wie lange wollen wir noch tatenlos zuschauen, Däumchen drehen und warten bis irgendjemand irgendetwas dagegen macht? Gandhi sagte einst: «Wir müssen der Wandel sein, den wir in der Welt zu sehen wünschen.»

Du kennst nun die Konsequenzen unseres exorbitanten Plastikkonsums. Teile das Video, und sieh zu, dass die Plastik-Thematik nicht auch im Schrank im Hinterzimmer deines Gehirns verschwindet. Mach es der Erde zu liebe. Auch wenn das bedeutet, einen verschwindend kleinen Teil unseres Wohlstandes abzugeben – sehe es als kleinen Tribut, den wir der Erde dafür zahlen, dass wir auf ihre Kosten so leben können, wie wir leben.

 

Blogpost von Luis Balzer, Praktikant bei Greenpeace Schweiz
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