Im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh wurden erneut zwei Greenpeace-Aktivisten ohne Anklage verhaftet. Die Behörden im Bezirk Singrauli versuchen so den Widerstand gegen eine neue Kohlemine zu brechen.

Im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh wurden erneut zwei Greenpeace-Aktivisten ohne Anklage verhaftet. Die Behörden im Bezirk Singrauli versuchen so den Widerstand gegen eine neue Kohlemine zu brechen.


Die beiden verhafteten Greenpeace-Aktivisten Akshay Gupta (links) und Rahul Gupta, © Greenpeace / Avinash Chanchal

Es war kurz nach Mitternacht am 29. Juli, als Akshay Gupta und Rahul Gupta von Polizisten aus dem Bett geholt und verhaftet wurden. Die beiden Greenpeace-Aktivisten sassen zwei Tage und Nächte ohne Anklage im Gefängnis und wurden gestern auf Kaution freigelassen.

Die Verhaftungen und die Willkür der Behörden treffen die beiden Aktivisten nicht zufällig. Bereits vor zwei Monaten wurden in Indien vier Aktivisten, die sich für den Waldschutz in der Region Mahan und gegen den Bau einer neuen Kohlemine engagierten, ins Gefängnis gesteckt – darunter auch Akshay Gupta. Die neuen Verhaftungen sollen wohl eine abschreckende Wirkung haben und kommen nicht zufällig zu diesem Zeitpunkt. In den kommenden Wochen finden in der Region Mahan die Dorfversammlungen statt, die sich mit der neuen Kohlemine beschäftigen.

Dorfbewohner wehren sich gegen Industriekonzern

Laut indischem Recht werden den lokalen Dorfversammlungen breite Mitbestimmungsrechte eingeräumt. Um über die Beratungen und Ergebnisse nicht informieren zu können wurden nun nicht nur die Greenpeace-Aktivisten verhaftet, sondern auch ihre Ausrüstung – ein Solarpanel und ein Funksignalverstärker – als demokratiegefährdend eingestuft und beschlagnahmt.

In den letzten Jahren haben sich die Bewohner über die Grenzen ihrer Dörfer hinweg zusammengeschlossen, um sich gemeinsam mit Greenpeace gegen die neue Kohlemine zu engagieren. Sie protestieren dagegen, dass für die neue Mine einer der wertvollsten Wälder Indiens weichen soll. Tiger, Elefanten, Leoparden – all diesen seltenen Tierarten bietet das Mahan-Waldgebiet Schutz und Heimat. Gleichzeitig stellt der Wald auch eine Existenzgrundlage für zehntausende Menschen dar.

Greenpeace im Visier von Justiz und Geheimdienst

Doch der Industrie- und Kohlekonzern Essar, der die Mine bauen will, lässt sich in seinem Profitdenken davon nicht beirren. Ganz im Gegenteil: Der Kohlekonzern hat mit einer Klage in Höhe von umgerechnet 60 Millionen Euro gegen Greenpeace Indien und den Zusammenschluss der Dörfer reagiert und verbittet sich jede weitere Kritik an seinem Kohleminenprojekt.

Im Juni wurden ausserdem zwei Papiere des indischen Geheimdienstes bekannt, die Greenpeace Indien beschuldigen «negativen Einfluss auf Indiens Wirtschaftswachstum» zu nehmen. Vor allem die Arbeit gegen die Atom- und Kohleindustrie sowie gegen Gentechnik dürfte hier ins Visier des Geheimdienstes geraten sein.

Greenpeace zeigt Lösungen

Dabei versucht die Umweltschutzorganisation gerade Wege aufzuzeigen, wie Wohlstand für Indiens Bevölkerung klimaverträglich und umweltfreundlich entstehen kann. Mit dem Projekt Dharnai in Bihar zeigt Greenpeace beispielhaft, wie mit Erneuerbarer Energien ein Dorf Zugang zu Elektrizität bekommt, das seit 30 Jahren auf eine sichere Stromversorgung gewartet hat.

Greenpeace Indien informiert auf Englisch auf ihrem Facebook-Auftritt über die aktuelle Situation der Greenpeace-Aktivisten.

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