Keine Anzeichen von Einschüchterung: Knapp ein Jahr nach der Festnahme der Arctic30 haben Greenpeace-Aktivisten eine Ölpest-Patrouille und Aufräumaktion im Norden Russlands gestartet.

Keine Anzeichen von Einschüchterung: Knapp ein Jahr nach der Festnahme der Arctic30 haben Greenpeace-Aktivisten eine Ölpest-Patrouille und Aufräumaktion im Norden Russlands gestartet.

Mittwoch, 13. August 2014

Greenpeace-Aktivisten beseitigen die Folgen von Ölunfällen in Russland in der Komi-Region

 

Rund 45 Aktivistinnen und Aktivisten haben in der nordrussischen Komi-Region ein Camp aufgeschlagen und werden in den kommenden Wochen Ölverschmutzungen in der Region lokalisieren, kartographieren und reinigen.

«Leider verseuchen russische Ölfirmen aufgrund der geringen Strafen immer noch in erheblichen Mass die Umwelt», sagt Wladimir Chuprov, Leiter der Energiekampagne von Greenpeace Russland. «Die Rohrleitungen sind verrostet und so versickern jedes Jahr bis zu fünf Millionen Tonnen Öl, was etwa der sechsfachen Menge der Öl-Katastrophe der Deepwater Horizon im Golf von Mexiko entspricht. In der Komi-Region hat die Ölindustrie innert Jahrzehnten das Leben der indigenen Bevölkerung ins Elend gestürzt. Dieselben rostigen Rohrleitungen, verölten Seen und toten Wälder gibt es auch in Sibirien sowie in vielen anderen Regionen Russlands», sagt Chuprov.

Mittwoch, 13. August 2014

Die Schweizer Greenpeace-Campaignerin Asti Roesle erfasst die Öllecks auf einer Karte

 

Ebenfalls vor Ort ist die Schweizer Greenpeace-Campaignerin Asti Roesle. Sie ist schockiert über das Ausmass der Verschmutzung: «Überall hängen giftige Dämpfe in der Luft – über Siedlungen und mitten in der Natur. Wir können unsere Arbeit nur mit professioneller Schutzkleidung ausführen. Wussten Sie, dass Rohöl aus hunderten von Stoffen besteht? Darin enthalten sind zum Beispiel Benzol, Chrom, Quecksilber, Nickel, Stickstoff, Schwefel, Toluol und Xylol. Die Giftigkeit spürt man hier. Aber es ist nicht nur der stark riechende Dampf des ausgelaufenen Rohöls, das krankmacht. Die Ölindustrie verbrennt immer noch umweltschädliches Gas. Die Flammen sieht man entlang der Strasse schon vom Weitem. Ich verstehe jetzt, was die Menschen meinen, wenn sie über die gesundheitlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung sprechen.»

Ganz gross im dreckigen Geschäft

Offiziellen Berichten zufolge kommt es in Russland durch gebrochene Ölpipelines jährlich zu über 10’000 Ölunfällen. Experten schätzen, dass so jährlich bis zu 5 Millionen Tonnen Rohöl in die Umwelt gelangen. Die Ölkonzerne übernehmen seit Jahren keine finanzielle Verantwortung für die ökologischen Katastrophen in den Ölförderregionen. Und das obwohl die Konzerne inzwischen durchaus die technischen wie auch finanziellen Möglichkeiten hätten, um die Rohrleitungen ordnungsgemäss instand zu halten.

Mittwoch, 13. August 2014

Die Pipelines sind so marode, dass aus ihnen beständig Öl tritt und dann ins Grundwasser gelangt.

 

Laut dem russischen Umweltminister Sergey Donskoy würde die Modernisierung der Pipeline-Netze die Unternehmen rund 1,3 Billionen Rubel (31 Milliarden Franken) kosten. Zum Vergleich: der russische Ölgigant Rosneft plant in den nächsten 20 Jahren 400 Milliarden Dollar in die arktische Offshore- Ressourcenausbeutung zu investieren. Die russischen Ölgiganten Rosneft sowie Gazprom sind also bereit, gewaltige Summen in die äusserst risikoreiche Offshore-Ölförderung in der Arktis zu stecken, während scheinbar kein Geld für die Sanierung der weitläufig maroden Rohrleitungssysteme an Land vorhanden ist.

Die Ölfirmen ziehen es vor, an den Kosten für Sicherheit und Gesundheit von Umwelt und Bevölkerung zu sparen. Möglich ist das vor allem, weil die russische Gesetzgebung Lücken bietet und die Aufsichtsbehörden entweder die Augen schliessen oder keine Möglichkeiten haben den Firmen die Stirn zu bieten.

Die Lösungen liegen auf dem Tisch

Neben der laufenden Ölpatrouille und Aufräumarbeiten in Komi haben Expertinnen und Experten von Greenpeace Russland zusammen mit unseren lokale Partnern des «Save the Pechora»-Komitees die Lücken und Mängel in der russischen Gesetzgebung identifiziert und konkrete Massnahmen und Verbesserungsvorschläge ausgearbeitet. Dieses Massnahmen-Paket ist im Report «Oil Pollution: Problems and Possible Solutions / Ölverschmutzung: Probleme und mögliche Lösungen» nachzulesen.

Begleiten Sie in unserem Online-Paper Jörg Feddern von Greenpeace Deutschland auf seiner Recherchereise in die Komi-Region (2011):

 

> Mehr Bilder zur Ölpest-Patroullie

 

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