Neue Atomkraftwerke in Europa sind noch nicht passé. Die EU-Kommission hat heute entschieden, dass Grossbritannien den ersten (und teuersten) Neubau seit 20 Jahren mit staatlichen Beihilfen vorantreiben kann. Ob das AKW Hinkley Point aber tatsächlich realisiert wird ist noch offen: Österreich hat bereits angekündigt, dass es gegen diese Wettbewerbsverzerrung klagen will. Denn die 20 Milliarden Euro Subventionen (!) gehen auf Kosten der Energiewende und sollten besser in erneuerbare Energien investiert werden.

Neue Atomkraftwerke in Europa sind noch nicht passé. Die EU-Kommission hat heute entschieden, dass Grossbritannien den ersten (und teuersten) Neubau seit 20 Jahren mit staatlichen Beihilfen vorantreiben kann. Ob das AKW Hinkley Point aber tatsächlich realisiert wird ist noch offen: Österreich hat bereits angekündigt, dass es gegen diese Wettbewerbsverzerrung klagen will. Denn die 20 Milliarden Euro Subventionen (!) gehen auf Kosten der Energiewende und sollten besser in erneuerbare Energien investiert werden.


AKW-Baustelle in Frankreich vor 10 Jahren. Bald auch wieder ein Neubau in Grossbritannien?

 

Die heute von der EU-Kommission durchgewinkte Vereinbarung zwischen dem britischen Staat und dem französischen Betreiber-Konzern EDF sieht vor, dass Strom aus dem geplanten britischen Atomkraftwerk Hinkley Point C eine garantierte Einspeise-Vergütung von umgerechnet 10,6 Cent pro Kilowattstunde für die kommenden 35 Jahre erhält.

«Damit liegt der Preis für gefährlichen britischen Atomstrom mittelfristig mehr als 50 Prozent über dem, was saubere Windkraftanlagen in Deutschland als Vergütung erhalten», sagt Sönke Tangermann von Greenpeace Energy. Denn die Vergütungsvereinbarung zu Hinkley Point C enthält auch einen Inflationsausgleich. Demnach würde nach Berechnungen des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft der Strom aus dem Reaktor-Neubau nach 20 Jahren mit 15,7 Cent pro Kilowattstunde vergütet, während eine neue Windkraftanlage in Deutschland maximal 9,27 Cent erhält.

«Diese Entscheidung ist ökonomischer und ökologischer Irrsinn. Atomkraft gefährdet Menschen und birgt viele ungelöste Probleme: Die unzureichende Haftung im Falle einer Atomkatastrophe, explodierende Kosten beim Rückbau der Reaktoren und fehlende Lösungen für das Atommüllproblem sind nur einige Beispiele», kommentiert der Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital.

Atomstrom ist risikoreich und unrentabel 

Falls die zwei Reaktoren in Hinkley tatsächlich gebaut werden, könnte dies einen Präzedenzfall darstellen, der auf weitere Neubauprojekte in Grossbritannien und anderswo ausstrahlen könnte. Dieses Beispiel zeigt aber vor allem eins: dass Atomstrom unrentabel geworden ist und nur dank staatlicher Hilfe überleben kann. Das hat auch die UBS anerkannt und kürzlich ihren Kunden empfohlen, nicht mehr in zentrale Grosskraftwerke und stattdessen in die erneuerbare Zukunft zu investieren.

In der Schweiz ist das AKW-Neubauverbot zwar unbestritten, aber auch hier hat der Atomstrom nur dank einem indirekten Subventionsmodell immer noch eine Zukunft: Die Versicherungsdeckung eines mögliches Schadenfalls ist nämlich ungenügend und der Entsorgungs- und Stilllegungsfond ist unterdotiert. Direkte Unterstützung bekommen die Betreiber zusätzlich von der Aufsichtsbehörde ENSI, die sogar eine technische Laufzeit von 60 und mehr Jahren in Aussicht gestellt hat und dabei weder strenge Auflagen noch teure Nachrüstungen verlangt.

Damit schlussendlich nicht die Bürgerinnen und Bürger die Zeche bezahlen müssen, ist es dringend nötig, dass das eidgenössische Parlament dieser Verstaatlichung der Risiken und Kosten entgegenwirkt und in der Wintersession den Atomausstieg beschleunigt – wie es die neue Regierung in Schweden kürzlich angekündigt hat.

Teilen
Twittern
Teilen
+1
E-Mail
WhatsApp