Die Forschungsanstalt Agroscope will auf dem Versuchsareal Reckenholz in Zürich genmanipulierte Kartoffeln pflanzen. Die geplanten Versuche sind sehr teuer und zielen an den Bedürfnissen von Landwirtschaft und KonsumentInnen vorbei.

Die Forschungsanstalt Agroscope will auf dem Versuchsareal Reckenholz in Zürich genmanipulierte Kartoffeln pflanzen. Die geplanten Versuche sind sehr teuer und zielen an den Bedürfnissen von Landwirtschaft und KonsumentInnen vorbei.

Ziel der Gentech-Forscher ist es, Kartoffeln zu züchten, die resistent sind gegen die Kraut- und Knollenfäule. Dabei handelt es sich um eine Pilzinfektion, die weltweit Ernteausfälle verursacht. «Wir stehen den geplanten Feldversuchen kritisch gegenüber», sagt Marianne Künzle, Landwirtschaftsexpertin bei Greenpeace. «Man weiss nicht, welche Effekte eine Genmanipulation mit sich bringen kann – im schlimmsten Fall kann es gar zur Bildung von neuen, allenfalls toxischen Proteinen führen.»

Mittwoch, 12. November 2014
Gentechnologie ist der falsche Weg

Gentech-Pflanzen sind ein Risiko für die Umwelt und die Gesundheit von Mensch und Tier und in einer ökologischen Landwirtschaft unnötig.

 
Gentechnik ist Gentechnik

Beim Versuch in Reckenholz testen die Forscher Kartoffeln, die mit der Cisgenese-Methodik hergestellt wurden: Dabei werden Resistenzgene von Wildkartoffeln mit Hilfe gentechnischer Methoden in eine Zelle eingeführt. Dieses Vorgehen unterscheidet sich nicht wesentlich von der üblicherweise angewandten Genmanipulation, bei der einer Pflanzenzelle Gene aus einer anderen Pflanzenart, einem Bakterium oder einem Virus eingepflanzt werden. Bei der Cisgenese entsteht ebenfalls eine genmanipulierte Pflanze, auch wenn Gene einer gleichartigen Pflanze eingeführt werden. Denn wo das Gen im Erbgut eingebaut wird, kann man noch nicht steuern. In der Empfängerzelle besteht natürlicherweise keine Stelle, die für die Integration des Reagenzglaskonstrukts vorbestimmt ist. Der Einbau der neuen Gen-Einheit kann deshalb zu unerwarteten Effekten bei den neuen Genen selbst sowie auch bei den benachbarten Genomregionen führen. Entscheidend ist weniger die Herkunft der eingeführten Gensequenz, sondern welche Eigenschaft mit dem Gentransfer gekoppelt ist und wie sich die eingebaute Gensequenz im Empfängergenom verhält. Ein Gen, das aus einer anderen Pflanze – oder auch aus der gleichen Pflanze – eingeführt wird, kann wenig dramatische oder dramatische Nebeneffekte erzeugen. Durch die Insertion der eingeführten DNA Sequenzen ins Erbgut der Pflanze kann es zur Bildung neuer unbeabsichtigter Proteine kommen. Die Wirkung dieser Proteine kann neutral, erwünscht oder unerwünscht sein. Kartoffeln, die mit Hilfe der Cisgenese erzeugt werden, sind ebenfalls Gentech-Pflanzen.

Mensch und Tier als Versuchskaninchen

Die Wissenschaftler können weder den genauen Ort, wo das Gen in die Pflanze eingebaut wird, noch die Wechselwirkungen mit anderen Genen und Proteinen gezielt steuern. Kein Wunder, dass es beim Anbau von Gentech-Pflanzen immer wieder zu überraschenden Nebenwirkungen gekommen ist: Genveränderte Baumwollpflanzen werfen ihre Kapseln vor der Ernte ab, Pappeln blühen zum falschen Zeitpunkt, pestizidresistente Pflanzen verändern ihr Auskreuzungsverhalten, Kartoffeln werden ungewollt grösser, Fische mit Frostschutz-Genen zeigen beschleunigtes Wachstum, bei Sojabohnen verholzen die Stängel und so weiter und so fort.

Einmal in die Umwelt freigesetzt, sind Gentech-Pflanzen nicht mehr rückholbar. Sie stellen eine Gefahr für das ökologische Gleichgewicht und die menschliche Gesundheit dar: Der grossflächige Anbau von Gentech-Pflanzen in Nord- oder Südamerika macht dies drastisch deutlich: Gentech-Pflanzen haben ihre Widerstandsfähigkeit gegen Pestizide über Pollenflug oder Insekten auf artverwandte Wildpflanzen übertragen. Zudem werden Gentech-Pflanzen wie Unkräuter durch den massiven und kontinuierlichen Einsatz von Herbiziden unempfindlich gegen Gift-Duschen. Um diese Unkräuter zu bekämpfen, werden hochgiftige Pestizide in immer grösseren Mengen eingesetzt. Hinzu kommt, dass Gentech-Pflanzen, die giftig wirken auf bestimmte Insekten, auch Nützlinge schädigen, traditionelle Pflanzenarten verdrängen und damit die Artenvielfalt gefährden. Ob der Konsum von Gentech-Lebensmitteln langfristig krank macht, bleibt unerforscht. Zumindest der Einsatz von Pestiziden wird in der medizinischen Forschung immer wieder mit massiven gesundheitlichen Problemen, etwa mit neurodegenerativen Krankheiten, in Verbindung gebracht.

«Natürlich soll der Kartoffelanbau verbessert werden und weitere robuste, pilzresistente Sorten entwickelt werden», sagt Künzle. «Gentechnik ist dabei aber der denkbar schlechteste Weg. Es braucht die Forschungs-Gelder für konventionelle Züchtung und die Verbesserung der Anbausysteme.» Greenpace engagiert sich für eine chemiefreie, gentechfreie Landwirtschaft, die auf die natürliche Vielfalt setzt und unter anderem die Bienen schützt.

Eine sichere Alternative zur Gentechnik: Smart Breeding.

Weitere Informationen zum Thema Gentech und warum dies der falsche Weg ist, findest du in unserem Video zu Gentech-Landwirtschaft:


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