Mittlerweile haben alle Schweizer Haushalte im Umkreis von 50 Kilometern um ein AKW Jodtabletten erhalten. Während die Verteilung lief hat Greenpeace Schweiz klargemacht, was die Tabletten wirklich können – und was nicht. Und der Nationalrat hat klargemacht, das ihm die Interessen der AKW-Betreiber wichtiger sind als die Sicherheit der Bevölkerung. Ein Rückblick.


Aus den Tabletten wurden Beruhigungspillen, die reale Gefahr wurde verharmlost. © Nicolas Fojtu / Greenpeace Schweiz

In einer unscheinbaren Schachtel haben in den letzten knapp zwei Monaten fast fünf Millionen Schweizerinnen und Schweizer ein Packung Jodtabletten erhalten – gedacht als Schutz bei einem Atomunfall. Mit dem Versand hat der Bund eine unangenehme Wahrheit bestätigt: Die Gefahr einer AKW-Katastrophe ist auch hierzulande real.

Die begleitende Kommunikation der Behörden hingegen erweckte einen etwas anderen Eindruck. Aus den Tabletten wurden Beruhigungspillen, die reale Gefahr wurde verharmlost. So teilten die Behörden den Bürgerinnen und Bürgern beispielsweise mit, sie seien mit den Jodtabletten «im Notfall gut geschützt». Das konnte Greenpeace Schweiz so nicht stehen lassen.

Bevölkerung informiert
Auf der Kampagnenwebsite haben wir die Bevölkerung über den tatsächlichen Nutzen der Jodverteilung und die Gefahr altersschwacher Reaktoren informiert und aufgefordert, aktiv zu werden: Über 8000 Personen haben in kurzer Zeit die Online-Petition unterzeichnet, die vom Nationalrat verlangt, für die Schweizer AKW endlich ein klares Abschaltdatum festzulegen. Und fast 2000 der Unterzeichner haben sich mit einer persönlichen Botschaft zum Atomausstieg ans Parlament gewandt. Die Botschaften waren klar, stiessen aber leider auf taube Ohren. Doch dazu später mehr.

Behördeninformation verbessert
Aber war nun die Bevölkerung wirklich gut informiert? War nun beispielsweise allen klar, dass Jodtabletten zwar bei einem AKW-Unfall einen gewissen Schutz bieten für die Schilddrüse vor radioaktivem Jod, nicht aber vor anderen radioaktiven Stoffen? Greenpace Schweiz zeigte auf, wie die Information der Behörden hätte aussehen müssen:


Hintergrundinformationen zum Brief
(klick hier für Download)

Befristung abgelehnt
Nun wäre es am Nationalrat gewesen, für einen echten Schutz der Bevölkerung zu sorgen: mit klaren Laufzeiten für die Schweizer AKW. Dass viele Schweizerinnen und Schweizer genau das verlangen, machte Greenpeace Schweiz dem Nationalrat vor der Debatte noch einmal deutlich: Per Twitter wurden die Stimmen der Bevölkerung von der Kampagnenwebsite ins Parlament getragen.

Zu mehr als einem Mini-Atomausstieg konnte sich der Nationalrat jedoch nicht durchringen. Statt die Uralt-AKW in Mühleberg und Beznau schnellstmöglich abzuschalten, gewährte er ihnen eine unverantwortlich lange Gesamtlaufzeit von 60 Jahren. Die zwei neueren AKW in Leibstadt und Gösgen können gar theoretisch unbegrenzt am Netz bleiben. Es ist nun am Ständerat, den gefährlichen Entscheid des Nationalrats zu korrigieren. Greenpeace Schweiz wird die Debatte weiterhin kritisch begleiten und aufzeigen, wie es tatsächlich bestellt ist um den Schutz der Schweizer Bevölkerung vor einem Atomunfall.

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