Der Ölkonzern Shell will dieses Jahr in der Arktis mit Ölbohrungen beginnen. Derweil verzichtet das norwegische Unternehmen Statoil noch darauf, nachdem mehrere Ölfirmen ihre Arktispläne auf Eis gelegt hatten.

Der Ölkonzern Shell will dieses Jahr in der Arktis mit Ölbohrungen beginnen. Derweil verzichtet das norwegische Unternehmen Statoil noch darauf, nachdem mehrere Ölfirmen ihre Arktispläne auf Eis gelegt hatten.

Freitag, 30. Januar 2015

‚Save the Arctic‘ LEGO Scene in Spain © Pedro Armestre / Greenpeace

Shell buhlt bei der US-Regierung um eine Lizenz für Ölbohrungen in der Arktis. Der niederländisch-britische Konzern will im Sommer vor der Küste Alaskas nach Öl bohren. Es ist zu befürchten, dass er sein Ziel erreicht: Knapp fünf Jahre nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko sind weitere Bohrungen für die USA offenbar kein Tabu mehr. Die Regierung hat neue Regionen für die Vergabe von Bohrlizenzen vorgeschlagen.

Ein in Washington vorgestellter Plan zur Energieförderung für die Jahre 2017 bis 2022 sieht vor, dass in zwei ebenso abgelegenen wie sensiblen Meeresgebieten nach Öl gesucht werden darf: in der Beaufort- und der Tschuktschensee nördlich von Alaska. In diesen Regionen wären nur kleine Gebiete von der Lizenzvergabe ausgenommen und somit geschützt.

Wahrscheinlichkeit für Ölunfall: 75 Prozent 

Beide Regionen verfügen weder über eine ausreichende Präsenz der Küstenwache noch über die nötige Infrastruktur, um angemessen auf ein mögliches Ölunglück zu reagieren. Dabei schätzt die US-Regierung die Wahrscheinlichkeit für einen oder sogar mehrere schwere Unfälle bei Bohrungen auf 75 Prozent. «Es ist unverantwortlich, angesichts dieser enormen Risiken weitere Gebiete der Arktis für die Ölindustrie freizugeben», sagt Lisa Maria Otte, Greenpeace-Expertin für die Arktis. Erst 2012 hatte Shell mit einer unvergleichlichen Pannenserie in den Gewässern Alaskas gezeigt, dass weder Konzerne noch Regierungen den Herausforderungen der Arktis gewachsen sind. «Obama muss Shell jetzt eine Absage für die Arktis-Bohrungen in diesem Jahr erteilen!», so Otte.

Der Präsident hatte sich erst zu Beginn dieser Woche in einer Videobotschaft für einen verstärkten Schutz von rund fünf Millionen Hektar Land im Arctic National Wildlife Refuge ausgesprochen. «Mit der Ausweitung der Ölbohrungen im Arktischen Ozean macht er sich nun absolut unglaubwürdig», so Otte.

Pläne untergraben Klimaschutz

Damit unterläuft die US-Regierung auch ihre eigenen Bemühungen für einen verstärkten Klimaschutz. Eine erst kürzlich in der Fachzeitschrift «Nature» veröffentlichte wissenschaftliche Studie bestätigt: Wenn wir dem Klimawandel entgegensteuern und dafür den Temperaturanstieg unter zwei Grad Celsius halten wollen, muss das Öl aus dem Arktischen Ozean im Boden bleiben.

Dessen ungeachtet treibt Shell seine Arktispläne weiter voran. Wie Gazprom: Der russische Staatskonzern ist bisher der erste und einzige, der nördlich der arktischen Eisgrenze nach Öl bohrt. Beide setzen sie eine einzigartige, sensible Region aufs Spiel; die Arktis ist die Heimat indigener Völker und endemischer Tierarten wie der Eisbären oder der Narwale.

Doch es gibt auch Hoffnung auf eine Trendwende bei der Ausbeutung arktischer Ressourcen: Vor Grönland verlassen Ölfirmen gerade die Arktis und geben ihre Bohrlizenzen zurück. Und der norwegische Konzern Statoil gab jüngst bekannt, seine Arktis-Pläne mindestens für dieses Jahr auf Eis zu legen. Die Konzerne erkennen, dass ihre Öl-Ambitionen dort nicht profitabel und zu riskant sind. Bleibt zu hoffen, dass auch Shell zur Einsicht kommt und seine Pläne für Alaska aufgibt.

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