Eine Ultraschall-Untersuchung hat im Innern des AKW Beznau 1 Beunruhigendes zu Tage gebracht. Der Reaktordruckbehälter, das Herzstück der Anlage, hat Schwachstellen. Nach diesem Befund gibt es nur eine vernünftige Reaktion: Die definitive Abschaltung des ältesten AKW der Welt.

Eine Ultraschall-Untersuchung hat im Innern des AKW Beznau 1 Beunruhigendes zu Tage gebracht. Der Reaktordruckbehälter, das Herzstück der Anlage, hat Schwachstellen. Nach diesem Befund gibt es nur eine vernünftige Reaktion: Die definitive Abschaltung des ältesten AKW der Welt.


Die Herzschwäche des AKW Beznau bestätigt die Kritik von Greenpeace: Aktion im März 2014 © Greenpeace / Christian Schmutz

Um diesen Patienten hatte sich Greenpeace schon lange Sorgen gemacht: Das AKW Beznau, das älteste seiner Art weltweit. Das Alter allein wäre schon genügend Grund zur Sorge. Denn bei Atomkraftwerken ist es nicht viel anders als bei Menschen – mit dem Alter nehmen die Gebrechen zu. Und nun zeigt sich, dass der 46-jährige Greisen-Reaktor Beznau 1 Probleme am Herzen hat: Der Reaktordruckbehälter weist Schwachstellen auf – und das ist jener Teil des AKW, der auf keinen Fall versagen darf. Denn im Reaktordruckbehälter befinden sich die radioaktiven Brennstäbe, hier findet die nukleare Kettenreaktion statt. Geht der Behälter kaputt, kommt es zum Super-GAU.

Reparatur unmöglich
Wie stark geschwächt ist das Herz von Beznau 1? Klare Antworten auf diese Frage gibt es momentan keine, und auch sonst sind noch viele Fragen offen. Auf jeden Fall bleibt der derzeit für die Jahresrevision ohnehin abgestellte Reaktor für eine genaue Prüfung der Schwachstellen länger vom Netz – mindestens bis Ende Oktober. Die lange Abschaltung allein ist schon ein klarer Hinweis, dass es sich bei der Herzschwäche nicht um einen Bagatell-Fall handelt. Besorgniserregend ist auch, dass die Schwachstellen im sogenannten Grundmaterial des Reaktordruckbehälters sind. Das heisst, sie befinden sich in der Stahlwand des Behälters und nicht beispielsweise an Schweissnähten. Und das wiederum bedeutet: Eine Reparatur ist höchstwahrscheinlich unmöglich.

Diagnose eindeutig
Die Diagnose ist klar: Das AKW Beznau ist herzschwach. Und die einzige echte Therapie auch: Kein Stress mehr, die Arbeit einstellen, in den Ruhestand gehen. Zu befürchten ist jedoch, dass der Doktor – die Atomaufsichtsbehörde ENSI – sich nicht dazu durchringen wird, diese Therapie anzuordnen. Eine unabhängige Zweitmeinung einer Expertenkommission wäre hier schon einmal ein wichtiger Schritt. Zudem fordert Greenpeace mehr Transparenz: Bei einem menschlichen Patienten ist die ärztliche Schweigepflicht sinnvoll. Nicht aber hier, wo der Patient bei seinem Ableben hunderttausende Menschen schädigen würde. ENSI und Axpo müssen die ganze Krankenakte von Beznau offenlegen: Analysen, Studien, Berichte et cetera.

Abschaltung verweigert
Beunruhigend ist schliesslich auch die Vorstellung, dass es in Beznau noch einen zweiten Patienten geben könnte: den Reaktor 2, nur gerade zwei Jahre jünger als sein Nachbar. Das ENSI hat sich leider geweigert, diesen ebenfalls sofort abzuschalten und auf Herz und Nieren zu prüfen. Aufgrund der Herzschwäche von Reaktor 1 wäre dies angebracht gewesen. Denn hier steht eine genaue Diagnose noch aus.

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