Seit letztem Freitag stehen mindestens vier von fünf Schweizer AKW wegen Revisionsarbeiten oder gravierenden Sicherheitsproblemen still. Zwischendurch, als das AKW Gösgen abgeschaltet werden musste, produzierte die Schweiz sogar gar keinen Atomstrom mehr. Die Frage, ob wir nun einfach Dreckstrom aus dem Ausland importieren, wurde in der Öffentlichkeit heftig diskutiert. Wir versuchen hier, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. 

Seit letztem Freitag stehen mindestens vier von fünf Schweizer AKW wegen Revisionsarbeiten oder gravierenden Sicherheitsproblemen still. Zwischendurch, als das AKW Gösgen abgeschaltet werden musste, produzierte die Schweiz sogar gar keinen Atomstrom mehr. Die Frage, ob wir nun einfach Dreckstrom aus dem Ausland importieren, wurde in der Öffentlichkeit heftig diskutiert. Wir versuchen hier, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. 

1. Import/Export im Tagesverlauf: Hohe Schwankungen

Während eines Tages kann der Import/Export Saldo der Schweiz stark schwanken. Er hängt vor allem von Angebot und Nachfrage und damit vom Strompreis in Europa ab. Bei einem grossen Angebot von Solar- oder Windstrom und tiefem Verbrauch sinkt der Strompreis zum Beispiel. Schweizer Stromfirmen profitieren von diesen Momenten, um die Speicherseen zu füllen. Bei grosser Nachfrage und hohen Preisen exportieren sie hingegen Strom. Dieses Geschäftsmodell verdanken sie der ausgezeichneten Integration der Schweiz im europäischen Stromnetz. Übers Jahr gesehen sind die gehandelten Strommengen beachtlich (siehe Grafik von swissgrid). Wir alle verdanken dieser guten Vernetzung unsere Versorgungssicherheit.


Letztes Jahr exportierte die Schweiz insgesamt mehr Strom, als sie importierte.

 


2. Monatlicher Überblick: der Sommer-Überschuss

Die Schweiz hat das Glück, über sehr viele Fluss-, Speicher- und Pumpspeicherkraftwerke zu verfügen. Während den Sommermonaten, wenn Schnee und Eis schmelzen, laufen diese auf Hochtouren. Gleichzeitig ist unser Verbrauch im Sommer geringer: Wir brauchen weniger Licht, viele Leute sind in den Ferien, und es wird auch kein Strom für Heizungen verbraucht. Die Grafik unten (siehe Schweizer Elektrizitätsstatistik 2014) veranschaulicht dies am Beispiel des letzten Jahres. Während den Sommermonaten produziert die Schweiz normalerweise viel mehr, als sie verbraucht, bzw. exportiert mehr Strom, als die AKW produzieren.


Im Sommer produziert die Schweiz jeweils viel mehr Strom, als sie verbraucht.

 

 
3. Ausblick: saubere Importe oder einheimische Wertschöpfung im Winter?

Ohne AKW kann der Schweizer Winter-Strombedarf gegenwärtig nicht durcheinheimischen Strom gedeckt werden. Diese Situation kann aber sehr schnell ändern, wenn die Politik die dazu nötigen Entscheidungen trifft. Schon heute stehen nämlich genügend Projekte auf der Warteliste der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV), um die ältesten Reaktoren Mühleberg sowie Beznau I und II zu ersetzen und damit stillzulegen. Zudem machen wir jedes Jahr Forstschritte bei der Energieeffizienz. Wie die Energiezukunft der Schweiz aussehen könnte und sollte, haben wir in unseremdetaillierten Szenario, der «Energy [R]Evolution», aufgezeigt.

Wir könnten auch sicherstellen, dass unsere Stromimporte sauber sind. Dass genügend sauberer Strom verfügbar ist, zeigt ein Blick in die Statistik der europäischen Stromnetz-Betreiber. In den letzten fünf Jahren vergrösserte sich die erneuerbare Stromproduktion in Europa alle sieben Monate so stark, dass damit jeweils der gesamte Schweizer Atomstrom ersetzt werden kann.

 

Nun muss der Ständerat handeln!

Doch um eine saubere, einheimische Stromproduktion sicherzustellen, ist in den kommenden Wochen der Ständerat gefordert. Greenpeace stellt dabei drei Forderungen:

  • Befristete Laufzeiten für alle AKW und sofortige Abschaltung der Altreaktoren in Beznau, so dass wir den Atomausstieg planen und vorbereiten können.
  • Mindestens 2.3 Rappen pro kWh für die Erneuerbaren Energien, so dass wir in 10 Jahren genügend sauberen, einheimischen Strom haben, um alle AKW zu ersetzen
  • Ein Stromsparbonus für die Elektrizitätswerke, so dass auch sie sich für Effizienz und Suffizienz einsetzen und wir unsere Stromsparziele erreichen.

 

Hilf auch du dem Ständerat, die richtigen Entscheide zu treffen. Schicke deiner Ständerätin oder deinem Ständerat eine Postkarte, und mache ihr oder ihm Mut, die Wende jetzt endlich anzupacken! 

Schicke dem Ständerat eine Postkarte!

 


Unterstützen Sie Greenpeace mit einer Mitgliedschaft, denn wir bleiben zum Schutze der Umwelt hartnäckig am Ball:

 

Teilen
Twittern
Teilen
+1
WhatsApp