Die kürzlich entdeckten Schwachstellen im Reaktordruckbehälter des AKW Beznau erfordern eine seriöse Prüfung. Dies ist jedoch aufgrund von unannehmbaren Verknüpfungen zwischen Atomaufsicht und Betreibern der Anlagen derzeit nicht möglich. Greenpeace Schweiz fordert daher den Leiter des AKW Beznau und zwei weitere AKW-Mitarbeiter zum Rücktritt aus den Aufsichtsgremien auf.

Die kürzlich entdeckten Schwachstellen im Reaktordruckbehälter des AKW Beznau erfordern eine seriöse Prüfung. Dies ist jedoch aufgrund von unannehmbaren Verknüpfungen zwischen Atomaufsicht und Betreibern der Anlagen derzeit nicht möglich. Greenpeace Schweiz fordert daher den Leiter des AKW Beznau und zwei weitere AKW-Mitarbeiter zum Rücktritt aus den Aufsichtsgremien auf.


Mahnwache vor dem ENSI-Hauptsitz in Brugg (AG) am 4. Jahrestag der Atomkatastrophe in Fukushima © Greenpeace / Silvana Degonda

 

Seit Mitte Juli ist bekannt, dass der Reaktordruckbehälter von Reaktor 1 des AKW Beznau Schwachstellen aufweist. Das älteste Atomkraftwerk der Welt ist herzschwach. Greenpeace Schweiz sah sich in der Forderung nach einer sofortigen Stilllegung des AKW Beznau bestärkt und verlangte, dass mindestens eine unabhängige Expertenkommission eingesetzt wird für die Untersuchung der Schwachstellen. Als mindestens ebenso wichtig erweist sich nun aber, dass die personellen Verknüpfungen zwischen AKW-Betreibern und Atomaufsicht endlich aufgelöst werden.

Urs Weidmann, der Leiter des AKW Beznau, ist Mitglied der Kommission für Nukleare Sicherheit KNS. Die KNS berät die nukleare Aufsichtsbehörde ENSI und sollte in der Lage sein, eine unabhängige Zweitmeinung abzugeben. Mit dem Leiter von Beznau als eines der sieben Mitglieder der Kommission ist dies nicht möglich. Zudem haben die KNS-Mitglieder Zugang zu vertraulichen Informationen, was bezogen auf einem AKW-Chef nicht sein dürfte. «Das ist ohnehin ein fragwürdiger Zustand – im Zusammenhang mit den Schwachstellen im AKW Beznau ist dieser Interessenkonflikt aber schlicht fahrlässig», sagt Florian Kasser, Atomexperte bei Greenpeace Schweiz.

Interessenkonflikte sind auch beim Schweizerischen Verein für technische Inspektionen SVTI vorhanden. Der SVTI erlässt die Prüfnormen für verschiedene Bereiche eines Atomkraftwerks – auch für den Reaktordruckbehälter, die fehlerhafte Komponente in Beznau. Der SVTI ist zudem als Fachorganisation im Auftrag des ENSI stark an der Beurteilung der Materialfehler in Beznau 1 beteiligt. Der Leiter des AKW Leibstadt Andreas Pfeiffer ist Vorstandsmitglied des SVTI, wie auch der stellvertretender Leiter des AKW Gösgen. Die Axpo, die das AKW Beznau betreibt, ist Aktionärin der beiden Kraftwerke, bei Leibstadt besitzt sie sogar die Aktienmehrheit.

Angesichts der gravierenden Interessenkonflikte fordert Greenpeace die drei AKW-Mitarbeiter auf, aus den Aufsichtsgremien zurückzutreten. Dieser Forderung hat die Umweltorganisation mit einem Brief an die zuständige Bundesrätin Doris Leuthard Nachdruck verliehen. Zudem wiederholt Greenpeace die Forderung, eine unabhängige Expertenkommission zu schaffen, um eine von ENSI, KNS und SVTI unabhängige Zweitmeinung zu den Materialfehlern in Beznau zu erhalten. Diese Kommission soll aus Experten bestehen, die keine Verbindungen zur Nuklearindustrie haben. Die Involvierung von externen Experten in der ENSI-Beurteilung reicht nicht. Es braucht eine richtige Zweitmeinung.

Wie gefährlich eine zu grosse Nähe zwischen AKW-Betreibern und Atomaufsicht sein kann, zeigte der Atomunfall in Fukushima: Der Untersuchungsausschuss des japanischen Parlaments kam zum Schluss, dass diese Nähe stark dazu beigetragen hat, dass der Unfall nicht abgewendet werden konnte.

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