Untersuchungen der Universität Leipzig machen Glyphosat für missgebildete Ferkel und Mangelerkrankungen bei Rindern verantwortlich. Zudem bringen sie schwere Gesundheitsprobleme beim Menschen mit dem Herbizid in Verbindung. 

Untersuchungen der Universität Leipzig machen Glyphosat für missgebildete Ferkel und Mangelerkrankungen bei Rindern verantwortlich. Zudem bringen sie schwere Gesundheitsprobleme beim Menschen mit dem Herbizid in Verbindung. 

Montag, 5. Oktober 2015

© Professor Monika Krüger (Universität Leipzig)

 

In den nächsten Monaten werden die Behörden sowohl in der Schweiz wie auch in der EU über die weitere Zulassung von Glyphosat entscheiden. Die WHO hat das weltweit am meisten eingesetzte Herbizid als «wahrscheinlich krebserregend» eingestuft. Die kalifornische Umweltbehörde will es sogar als «krebserregend» einstufen. Doch damit nicht genug: Untersuchungen der Universität Leipzig machen das Herbizid auch für missgebildete Ferkel und Mangelerkrankungen bei Rindern verantwortlich. Zudem bringen die Untersuchugen weitere schwere gesundheitliche Probleme beim Menschen mit Glyphosat in Verbindung. 

Glyphosat stelle ein vernachlässigbares gesundheitliches Risiko dar, beschwichtigen die deutschen und Schweizer Behörden bisher. Dem widerspricht die emeritierte Professorin Dr. Monika Krüger (67) in einem Interview mit der Zeitschrift ÖKOSKOP. Die ehemalige Direktorin des Instituts für Bakteriologie und Mykologie der veterinärmedizischen Fakultät an der Universität Leipzig nennt Glyphosat im Zusammenhang mit schweren Missbildungen bei Ferkeln. Sie stellt zudem beim Menschen einen Zusammenhang zu Autismus, Fettsucht, Demenz, Zöliakie, Morbus Crohn, Nierenversagen, Krebs sowie eingeschränkter Fruchtbarkeit her.

Zulassungsbehörden beurteilen nur, was die Firmen einreichen

Krüger kritisiert die Zulassungsbehörden scharf: Diese würden keine eigenen Untersuchungen vornehmen, sondern nur beurteilen, was ihnen die Firmen in ihren Zulassungsgesuchen einreichen. Das sind in der Regel toxikologische Studien, welche über maximal 90 Tage laufen würden. Sie umfassen also beispielsweise weder Untersuchungen zu Fehlbildungen beim Embryo noch thematisieren sie die Wirkung einer Substanz auf das Immunsystem oder auf die Margen-Darm-Flora. «Die Zulassung basiert also auf einer sehr beschränkten Abklärung», bemängelt Krüger.

Es ist höchste Zeit zu handeln

Glyphosat ist das weltweit am häufigsten verwendete Unkrautbekämpfungsmittel. 2013 wurden in der Schweiz 300 Tonnen verkauft. Es ist in über 100 Produkten mit wohlklingenden Namen wie Roundup, Taifun, Well Kill, Touchdown, Glyphos oder Capito für den landwirtschaftlichen aber auch privaten Gebrauch enthalten. Es wird eingesetzt auf Äckern, in Nachbars Garten oder an Wegrändern in der Wohngemeinde. Weil es radikal alles wegputzt.

Es zeigt sich immer deutlicher, dass das heutige Zulassungsverfahren für Pestizde nicht dazu geeignet sind, die Risiken adäquat einzuschätzen. Eine Verlängerung der Zulassung auf solch unvollständigen Grundlagen kommt einem unverantwortlichen Experiment an Menschen und Tieren gleich.

Greenpeace, die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU) sowie die Stiftung für Konsumentenschutz SKS fordern mit der Petition «Glyphosat verbieten – jetzt!» ein Verbot von Glyphosat. Zudem fordern die Organisationen im Sinne des Vorsorgeprinzips konkrete Reduktionsmassnahmen für alle Pestizide im Rahmen des nationalen Aktionsplanes Pestizide. Statt weiterhin in eine Intensiv-Landwirtschaft zu investieren, braucht es die Förderung und Weiterentwicklung ökologischer, chemiefreier Anbaumethoden, die Menschen und Tiere nicht krank machen, sondern schützen. 

Jetzt unterzeichnen! 

 

 

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