Um die Sicherheit des AKW Beznau steht es offenbar schlimmer als bisher bekannt. Medienberichten zufolge weist das Herz des ältesten Atomkraftwerks der Welt fast tausend Löcher auf. Damit steht endgültig fest: Beznau darf nie wieder ans Netz. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur (Un-)Sicherheit des Reaktordruckbehälters.

Um die Sicherheit des AKW Beznau steht es offenbar schlimmer als bisher bekannt. Medienberichten zufolge weist das Herz des ältesten Atomkraftwerks der Welt fast tausend Löcher auf. Damit steht endgültig fest: Beznau darf nie wieder ans Netz. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur (Un-)Sicherheit des Reaktordruckbehälters.


Das von Greenpeace-Aktivisten letztes Jahr unübersehbar geforderte Ende des AKW Beznau rückt näher. © Michael Würtenberger/ Ex-Press

 

Was bedeuten die tausend Löcher im Druckbehälter für die Sicherheit des AKW?
Der Reaktordruckbehälter (RDB) ist das Herzstück des Reaktors. Hier drin befinden sich die radioaktiven Brennstäbe, hier findet die Kettenreaktion statt. Versagt der RDB, ist eine Kernschmelze – und damit ein GAU – praktisch unausweichlich. Bei so einer wichtigen Komponente ist jede Schwachstelle eine zu viel. Erschwerend kommt hinzu, dass die Wände des Reaktordruckbehälters durch den bereits 46-jährigen Betrieb bereits geschwächt sind. Wie es tatsächlich um die Sicherheit des RDB steht, lässt sich im Moment aber nur ungenügend beurteilen, weil nicht sämtliche Details bekannt sind. Greenpeace Schweiz fordert deshalb von der Betreibergesellschaft Axpo, endlich Transparenz zu schaffen.

Kann der Reaktordruckbehälter nicht ausgetauscht oder geflickt werden?
Nein, im Gegensatz zu anderen Teilen eines AKW ist ein Austausch des RDB de facto unmöglich. Auch eine Reparatur ist praktisch ausgeschlossen, und zwar weil sich die Löcher innerhalb der Stahlwand des Behälters befinden und nicht zugänglich sind. Damit verbleibt als einzige sichere Massnahme, das AKW definitiv stillzulegen.

Unklar ist, ob die Schwachstellen schon bei der Herstellung vorhanden waren – oder ob sie erst im laufenden Betrieb entstanden sind. Warum ist diese Frage so wichtig?
Die Axpo behauptet, die Schwachstellen seien bei der Herstellung entstanden – den Beweis dafür ist sie aber bisher schuldig geblieben. Die Atomaufsichtsbehörde ENSI hat schon im Juli klar festgehalten, in den Herstellungsunterlagen aus den 1960er-Jahren gebe es keine Spuren von Unregelmässigkeiten. Das heisst, die Löcher könnten sehr gut im Betrieb entstanden oder im Betrieb gewachsen sein. Solange diese Möglichkeit nicht definitiv ausgeschlossen wurde, darf Beznau nicht ans Netz, weil der Betrieb sonst zu einer Vergrösserung der Schwachstellen bis hin zum Versagen des Druckbehälters führen kann.

Die Beznau-Betreiberin Axpo redet nicht von Löchern, sondern von «Anzeigen» und «Clustern» – und diese würden «keinen Vorbehalt für den sicheren Betrieb der Anlage darstellen.» Was ist von solchen Aussagen zu halten?
Die Kommunikation der Axpo scheint einmal mehr darauf zu zielen, die Situation zu verharmlosen. Ob die Löcher in sieben «Clustern» (Anhäufungen) auftreten oder nicht, ändert nichts an der Tatsache, dass der Reaktordruckbehälter erheblich geschwächt ist. Angeblich sind die Löcher im Durchschnitt einen halben Zentimeter gross – es gibt also auch grössere. Das ist bei einer 17 Zentimeter dicken Stahlwand nicht unerheblich. Die Frage, ob es sich um Risse, Löcher, Blasen, Lufteinschlüsse, Unterschiede in der Materialdichte oder Materialdefekte handelt, lenkt nur vom eigentlichen Problem ab: In jedem Fall handelt es sich um Schwächungen des Reaktordruckbehälters, die sicherheitstechnisch das gleiche bedeuten. Eine solche Schwächung der wichtigsten Sicherheitseinrichtung eines AKW ist nicht akzeptabel. Beznau darf nie wieder ans Netz.

Teilen
Twittern
Teilen
+1
WhatsApp