Ein europaweiter Greenpeace-Test zeigt auf, dass konventionell produzierte Äpfel (auch aus der Schweiz) mit einem Pestizid-Cocktail belastet sind. Labortests haben 39 individuelle Substanzen identifiziert. Bio-Proben sind pestizidfrei.

Ein europaweiter Greenpeace-Test zeigt auf, dass konventionell produzierte Äpfel (auch aus der Schweiz) mit einem Pestizid-Cocktail belastet sind. Labortests haben 39 individuelle Substanzen identifiziert. Bio-Proben sind pestizidfrei.

Dienstag, 20. Oktober 2015

© Bente Stachowske / Greenpeace

 

«An apple a day keeps the doctor away.» Der tägliche Apfel ist ein nährstoff- und vitaminreiches Lebensmittel. Und gesund. Das wurde uns so jedenfalls schon in Kindertagen eingebläut. Im Grundsatz stimmt das. Bloss: Möglicherweise gilt das nur für ökologisch produzierte Früchte. Bei konventionell angebauten Äpfeln könnte es anders aussehen. Denn der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, wie eine Greenpeace-Analyse jetzt zeigt; Äpfel enthalten das, was ihr Produzent sät bzw. spritzt.

Wir haben in einer europaweit koordinierten Messkampagne in elf Ländern – darunter die Schweiz – 126 verschiedene Apfelproben in Supermärkten gekauft und in einem spezialisierten, unabhängigen Labor auf Pestizide untersuchen lassen. In 83 % der konventionellen Proben konnten Pestizide nachgewiesen werden, 60 % der Proben waren mit zwei oder mehr Pestiziden belastet. Alle biologisch produzierten Äpfel waren pestizidfrei.

In der Schweiz wurden Proben bei Aldi, Coop, Lidl und Migros gekauft – alles Äpfel aus dem Inland. In beiden Bio-Proben (Coop & Migros) konnten keine Pestizide nachgewiesen werden. In den konventionell produzierten Schweizer Apfelproben konnten im Mittel 1,8 verschiedene Pestizide gemessen werden, am stärksten belastet war eine Probe der Migros mit fünf verschiedenen Substanzen. Auf den Jamadu-Kinderäpfeln von Coop wies das Labor die Chemikalie THPI nach, ein Abbauprodukt des Fungizids Captan. Die gesetzlichen Grenzwerte wurden von allen Proben eingehalten.

Diese Resultate zeigen klar, dass die im intensiven landwirtschaftlichen Anbau eingesetzten Substanzen auf dem Teller der KonsumentInnen landen. Da etliche der gefundenen Pestizide ein hohes Bioakkumulationspotenzial aufweisen oder Einflüsse auf die Reproduktion haben können, sind gesundheitliche Auswirkungen auch bei Einhaltung der nationalen Grenzwerte nicht auszuschliessen. Zudem hat der Pestizid-Einsatz schwerwiegende negative Auswirkungen auf die Biodiversität und gefährdet Ökosystem-Leistungen wie die Bestäubung.

Es braucht einen Systemwechsel – und Verbote

Philippe Schenkel, Agrarexperte bei Greenpeace Schweiz sagt: «Der hohe Pestizideinsatz der industriellen Landwirtschaft reduziert die Biodiversität, gefährdet unsere Gesundheit und hinterlässt einen Chemie-Cocktail in unseren Lebensmitteln. Es ist höchste Zeit an einem Pestizid-Ausstiegsplan zu arbeiten und den KonsumentInnen nachhaltig produzierte, gesunde Lebensmittel anzubieten.»

Die Schweizer Agrarwirtschaft muss vom Paradigma der chemieintensiven Landwirtschaft wegkommen. Insbesondere muss der Einsatz von synthetischen Pestiziden schrittweise reduziert werden. Dies erfordert eine Abkehr von industriellen Agrarsystemen und die Einführung ökologischer landwirtschaftlicher Praktiken. Nur so können die ökologischen und wirtschaftlichen Probleme, mit denen die Landwirtschaft derzeit zu kämpfen hat, effektiv und ganzheitlich gelöst werden.

Konkret heisst dies: Verbesserung der Bodenbewirtschaftung, Anwendung biologischer Schädlingsbekämpfung, Auswahl resistenter, den örtlichen Bedingungen angepasster Sorten, Gestaltung pflanzenbaulich optimaler Fruchtfolgen und Erhöhung der Vielfalt landwirtschaftlicher Systeme. Greenpeace fordert die Supermärkte auf, die Bauern beim Umstieg auf eine nachhaltige Landwirtschaft zu unterstützen.

Eines der am meisten eingesetzten Pestizide ist das Totalherbizid Glyphosat. 300 Tonnen werden davon jährlich in der Schweiz auf Äckern, Wiesen, Privatgärten, Bahndämmen und Strassenrändern ausgebracht. Es steht in Verdacht, Menschen und Tiere schwer krank machen zu können. Greenpeace, die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU) sowie die Stiftung für Konsumentenschutz SKS fordern mit der Petition «Glyphosat verbieten – jetzt!» ein Verbot. 

Jetzt unterzeichnen! 

 

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