Auch angeblich nachhaltig produzierende Palmölfirmen fachen die Brände in Indonesiens Regenwaldgebieten an. Wirtschaft und Politik müssen jetzt handeln. Denn mit blossen Verpflichtungen der Produzenten ist es leider nicht getan.

Auch angeblich nachhaltig produzierende Palmölfirmen fachen die Brände in Indonesiens Regenwaldgebieten an. Wirtschaft und Politik müssen jetzt handeln. Denn mit blossen Verpflichtungen der Produzenten ist es leider nicht getan.

 


Orang-Utans verlieren durch die Regenwaldzerstörung ihren Lebensraum
 

Montag, 23. November 2015
Orang-Utans verlieren durch die Regenwaldzerstörung ihren Lebensraum© Ardiles Rante / Greenpeace

 

Nach den verheerenden kürzlichen Waldbränden, bringt ein aktueller Greenpeace-Report die hässliche Wahrheit ans Licht: Selbst jene Palmöl-Produzenten, die sich zu gewissen Nachhaltigkeitskriterien verpflichtet haben, sind nachweislich an Regenwaldzerstörung und der Trockenlegung von Torfmooren beteiligt – Umweltverbrechen, die das beispiellose Ausmass der Katastrophe erst ermöglicht haben. Das Land benötigt dringend eine wirklich nachhaltige Strategie für den Anbau von Ölpalmen, die endlich Rücksicht nimmt auf den Wald sowie die Menschen und Tiere, die dort leben.

Unsere Rechercheure untersuchten drei Plantagen in West- und Zentralkalimantan und stellten fest, dass in allen Fällen Rodungen und Entwässerungen den verheerenden Feuern vorausgingen. Besonders brisant: Diese Plantagen liefern über Händler wie Wilmar, Golden Agri Resources (GAR) and IOI an Abnehmer, die sich dazu verpflichtet haben, Palmöl aus Regenwaldzerstörung aus ihren Lieferketten zu verbannen. Dazu gehören grosse Konsumgüterhersteller wie Unilever, Nestlé, Procter & Gamble, L‘Òreal, Mars und Kellogg’s.

Firmen unter Druck

Zwei der Plantagen stehen mit der IOI-Gruppe in Verbindung, die Mitglied des Runden Tischs für Nachhaltiges Palmöl (RSPO) ist. Greenpeace kritisiert dessen Kriterien als deutlich zu schwach. Selbst gegen diese laschen Kriterien verstossen Unternehmen, wie die Greenpeace-Recherchen nun abermals zeigen.

Die dritte untersuchte Plantage gehört der Alas-Kusuma-Gruppe – Tochterfirmen der Konzerngruppe sind durch den Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert. Dieser setzt sich für eine ökologisch nachhaltige, sozial förderlich und ökonomisch rentable Forstwirtschaft ein. Als Mitglied des FSC arbeitet Greenpeace aktiv daran mit, das FSC-Zertifizierungssystem stets zu verbessern.

Das Debakel ist symptomatisch für die undurchsichtige Situation in Indonesien – wer wo Palmöl anbaut, ist längst nicht so klar, wie man vermuten sollte. Greenpeace fordert seit langem, dass sämtliche Firmen Karten ihrer Anbaugebiete öffentlich machen, damit eindeutig klar ist, wer für welche Umweltschäden verantwortlich ist und damit zur Rechenschaft gezogen werden kann. Die indonesische Regierung muss Transparenz über Konzessionsdaten ebenfalls einfordern und unterstützen – und nicht behindern, wie es derzeit der Fall ist.

Unsere Verantwortung für den Schutz der Wälder

Annisa Rahmawati, Wald-Expertin von Greenpeace Südostasien, zeichnet ein düsteres Bild der bereits angerichteten Schäden: «In wenigen Jahrzehnten ist mehr als ein Viertel der indonesischen Wälder abgeholzt worden.» Zwischen 1990 und 2013 wurden rund 31 Millionen Hektar Wald zerstört – eine Fläche fast so gross wie Deutschland. In den vergangenen 25 Jahren hat sich Indonesiens Palmölproduktion nahezu versechsfacht, das Land ist mittlerweile Marktführer. Allerdings gilt das auch in Sachen Waldzerstörung und Klimaemissionen: Indonesien hat Brasilien den traurigen Rekord als Entwaldungsweltmeister abgeknöpft. Und als Folge der Zerstörung von Wäldern und Torfböden ist es inzwischen einer der grössten Klimasünder.

Nicht nur die Export-sondern auch die Abnehmerländer stehen in der Pflicht. In die Schweiz wird verhältnismässig viel Palmöl importiert. Tendenz steigend: 2014 waren es rund 31‘200 Tonnen, dreimal mehr als 2011. Ebenfalls ein kritischer Punkt: Die Hälfte des importierten Palmöls stammte aus Indonesien und Malaysia. Zwar entschied der Bund, dass per Anfang 2016 jegliche Lebensmittel, welche Palmöl enthalten, spezifisch deklariert werden müssen. Damit lässt sich allerdings nicht feststellen, ob das verwendete Palmöl aus nachhaltigem Anbau oder aus Urwaldzerstörung stammt.

Wir fordern sowohl den RSPO als auch den FSC auf, den Vorwürfen gegen die Konzerne dringend nachzugehen und Konsequenzen zu ziehen. Viele hiesige Lebensmittelkonzerne wie etwa Coop und Migros werben aktiv damit, dass sie Palmöl aus nachhaltiger Produktion in Ihren Produkten verwenden wie zum Beispiel solche aus einer RSPO-zertifizierten Produktion. Dieses Zertifikat kann zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht garantieren, dass die Produktion immer ohne Urwaldzerstörung einherging. Wir sehen es deshalb nicht als die richtige Lösung.

Massnahmen der Regierung müssen die Verantwortlichen nun packen, wo es wehtut: Wer weiterhin Regenwald abholzt und Torfmoore trockenlegt, muss vom Markt ausgeschlossen werden. Nur so kann garantiert werden, dass hinter Zertifikaten keine leeren Versprechungen stehen, welche die KonsumentInnen irreleiten. Ausserdem müssen gerodete Flächen wieder aufgeforstet, Torfmoore wiedervernässt und Verbote strikt durchgesetzt werden. «Wir brauchen Taten, keine heisse Luft», so Rahmawati. «Andernfalls setzt sich die Zerstörung fort, bis keine Regenwälder mehr übrig sind.»

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