Der 11. März 2011 ist als schwarzer Tag in die Menschheitsgeschichte eingegangen. Ein gewaltiges Erdbeben und der dadurch ausgelöste Tsunami sorgen für Tod und Zerstörung in Japan. Die Naturkatastrophe verursacht auch den schwersten Atomunfall seit dem Reaktor-Unglück von Tschernobyl: die dreifache Kernschmelze im AKW Fukushima Daiichi. Eine Kurzchronologie der wichtigsten Ereignisse vor fünf Jahren.

 

11. März 2011

Um 14.46 Uhr Ortszeit bebt die Erde vor der japanischen Ostküste mit der Stärke 9. Das Beben löst eine riesige Flutwelle aus, die rund 16’000 Tote fordert. Auch das Atomkraftwerk Fukushima an der Küste wird massiv erschüttert und vom Tsunami um 15.27 Uhr überspült. Die Stromversorgung, die interne Notstromversorgung und die Kühlsysteme des AKW fallen aus. Vermuteter Beginn der Kernschmelze in Block 1.

 

12. März

Eine Wasserstoffexplosion erschüttert das Reaktorgebäude von Block 1 des AKW. Das Gebäude stürzt teilweise ein. Grosse Mengen an Radioaktivität werden in die Umgebung abgegeben. Japan deklariert ein Gebiet 20 Kilometer um das AKW als Evakuierungs-Zone. Später werden weitere Gebiete evakuiert, sodass schlussendlich 150’000 Personen ihre Häuser verlassen müssen.

 

13. März

Vermuteter Beginn der Kernschmelze in Block 3.

 

14./15. März

Auch die Blöcke 3 und 4 des AKW Fukushima Daiichi werden von Explosionen erschüttert und die Reaktorgebäude weitgehend zerstört. In Block 4, der wegen einer Revision stillsteht, wird das Brennelementbecken beschädigt. Vermuteter Beginn der Kernschmelze in Block 2.

In den folgenden Tagen werden aufgrund der Beschädigung der Sicherheitsbehälter und der improvisierten Kühlung mit Meerwasser grosse Mengen radioaktiver Substanzen ins Meer gespült oder auf dem Luftweg verteilt. Zeitweise wird eine Evakuierung von Tokio nicht ausgeschlossen.

 

23. März

Analysen eines Atomsicherheits-Experten für Greenpeace zeigen erstmals das wahre Ausmass der Katastrophe: Es gelangte so viel Radioaktivität in die Umwelt, dass der Unfall auf der höchsten Stufe für ein Atom-Unglück eingestuft werden muss (INES 7). Der AKW-Betreiber TEPCO hingegen versucht das Ereignis herunterzuspielen und stuft es lediglich von Stufe 4 auf 5 hoch. Erst am 12. April – einen Monat nach der Katastrophe – stuft auch Japan den Unfall als derart gravierend ein.

 

26. März

Unabhängige Strahlenmessungen von Greenpeace zeigen, dass auch Gebiete ausserhalb der Evakuierungs-Zone so stark verstrahlt sind, dass sie geräumt werden müssten – darunter das Dorf Iitate, das 40 Kilometer vom AKW Fukushima entfernt liegt. Greenpeace fordert die sofortige Evakuierung. Doch erst einen knappen Monat später ordnet die japanische Regierung an, dass Iitate und weitere stark verstrahlte Gebiete evakuiert werden.

 

April 2011

TEPCO gesteht ein, dass radioaktives Wasser von Reaktor 2 des AKW Fukushima ins Meer fliesst. Die Betreiberfirma pumpt über 10’000 Tonnen radioaktives Wasser ins Meer. Messungen zeigen, dass das Meerwasser massiv verseucht ist: Die Konzentration von radioaktivem Jod überschreitet die legalen Grenzwerte um das 7,5-Millionen-fache.

 

Juli 2011

Es gelangen Berichte an die Öffentlichkeit, welche die brutale Fahrlässigkeit von TEPCO und der japanischen Atomaufsicht zeigen: Die Gefahr eines grossen Tsunami war seit den 90er-Jahren bekannt, und 2006 zeigte ein Bericht, dass ein solches Ereignis die Notsysteme der Reaktoren in Fukushima beschädigen könnte. Erst ein knappes Jahr später gesteht TEPCO ein, dass die Gefahr schon fünf Jahre vor dem GAU bekannt war – und dass die Betreiberfirma dennoch nichts unternahm, um das AKW zu schützen.

 

… und heute?

Auch fünf Jahre nach dem GAU ist die Situation in und um Fukushima längst nicht unter Kontrolle. Einen persönlichen Eindruck davon gibt das Tagebuch von Florian Kasser, Atom-Experte von Greenpeace Schweiz, aus Japan.

Ungelöstes Problem: In der Region Fukushima türmen sich Berge von Säcken mit abgetragener verstrahlter Erde

 

Mitarbeiter von Greenpeace untersuchen die Strahlenwerte ausserhalb eines Sportstadions