Der 26. April 1986 hat sich als dunkler Tag ins Gedächtnis der Menschheit eingebrannt. An jenem Tag vor 30 Jahren ereignete sich die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Die Folgen sind bis heute spürbar, und der havarierte Reaktor ist nach wie vor eine grosse Bedrohung.  


Ein Schild in der Verbotenen Zone in Weissrussland warnt vor der radioaktiven Strahlung © Liza Udilova / Greenpeace

Vor 30 Jahren explodierte nach einem Bedienfehler der Reaktor 4 des AKW Tschernobyl in der Ukraine, damals Teil des Sowjetunion. Enorme Mengen Radioaktivität wurden freigesetzt und verseuchten weite Teile Europas. Auch grosse Gebiete der Schweiz wurden von der radioaktiven Wolke getroffen.

Bewältigung ganz am Anfang
Die Katastrophe ist nach wie vor im Gang. 30 Jahre nach der Explosion geht von dem havarierten Reaktor noch immer eine Gefahr für die Bevölkerung aus. Die Bewältigung der desaströsen Folgen steht weiter ganz am Anfang. Rund fünf Millionen Menschen müssen in den betroffenen Gebieten der Ukraine, Weissrusslands und Russlands auf radioaktiv verseuchtem Boden leben.

Für das AKW-Wrack wird derzeit eine neue Schutzhülle gebaut. Der neue «Sarkophag» der Atomruine, in dem das Bundeshaus in Bern sieben Mal Platz hätte, wird frühestens Ende 2017 fertiggestellt und soll über die bisherige Hülle geschoben werden. Die Kosten für das Vorhaben haben sich inzwischen vervielfacht und liegen bei über zwei Milliarden Franken. Das Projekt hat sich um zwölf Jahre verzögert.

Was tun mit dem Strahlenschutt?
440’000 Kubikmeter langlebiger Atomabfälle liegen unter dem  alten Sarkophag. Für die Bergung der Abfälle fehlen bislang nicht nur die technischen Konzepte – vollkommen unklar ist auch, wer die enormen Kosten für diese Arbeiten übernehmen soll. Experten der ukrainischen Regierung gehen von Kosten in Höhe von «mehreren zehn Milliarden Dollar» aus. Lösungen für die Behandlung und Lagerung der unfallbedingten radioaktiven Stoffe stehen allerdings weiter aus. Inzwischen wird sogar deutlich, dass an einer langfristigen Lösung fast gar nicht gearbeitet wird. Selbst das Pilotprojekt für einen Test zur Bergung der radioaktiven Materialien wurde eingestellt.

Heute und für viele weitere Jahrhunderte gibt es in der hochgradig verseuchten «Verbotenen Zone» viele offene Quellen für die Ausbreitung der Radionuklide. Die Auswirkungen der permanent erhöhten Radioaktivität auf das Ökosystem sind nicht ausreichend geklärt. Laut einer Studie aus dem Jahr 2012 sind nach atomaren Katastrophen die Langzeitschäden der betroffenen Ökosysteme grösser als angenommen. Selbst geringe Strahlendosen können Pflanzen und Tiere schädigen. Die Ukraine versucht dessen ungeachtet, aus dem Unfall Gewinne zu schlagen, indem sie die Verbotene Zone touristisch erschliesst.

Zwei aktuelle Studien von Greenpeace verdeutlichen die nach wie vor katastrophale Situation in und um das Katastrophen-AKW:

Tschernobyl: 30 Jahre danach. Die Lage am Standort – Keine Lösung in Sicht (heute veröffentlicht)

Nuclear Scars: Die endlosen Katastrophen von Fukushima und Tschernobyl (März 2016)

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