Schweizer Erdbeeren aus konventionellem Anbau sind häufig mit teils sehr problematischen Pestiziden belastet. Das ist das Resultat von Analysen, die Greenpeace Schweiz in Auftrag gegeben hatte. Die Bio-Proben waren alle sauber.


Dienstag, 21. Juni 2016 © Greenpeace / Nicolas Fojtu

Die Erdbeere ist eine der Lieblingsfrüchte der SchweizerInnen. Vor allem bei Kindern steht sie ganz hoch im Kurs. Das ist gut so, denn die süsse Beere ist reich an Vitamin C und sekundären Pflanzenstoffen, die der Körper braucht um gesund zu bleiben.

Der Anbau der roten, kleinen Frucht hat jedoch eine Schattenseite: synthetische Gifte! Wir haben bei verschiedenen Grossverteilern Erdbeeren aus der Schweiz gekauft und durch ein unabhängiges Labor auf Pestizid-Rückstände testen lassen. Das Resultat macht vor allem Lust auf Bio-Genuss: Die meisten Erdbeeren aus konventionellem Anbau enthielten mindestens vier Pestizide. Wegen der Rückstände dürften sie für Babynahrung aufgrund der strengen Herstellungs-Richtlinien nicht verwendet werden. Alle Bio-Erdbeeren und lediglich eine Probe aus konventioneller Produktion waren pestizidfrei. Auf dem Feld sieht es nicht besser aus: In Boden und Pflanzen aus Erdbeerfeldern im Thurgau und im Seeland haben wir total 20 – zum Teil krebserregende – Pestizide gefunden.

Insbesondere für Kinder problematisch

Die Mehrfachbelastung durch Pestizide reduziert die Biodiversität massiv und kann schwer krank machen. Für Kinder, die einen hohen Konsum an Erdbeeren aufweisen, sind die gemessenen Werte zweier konventioneller Proben toxikologisch bedenklich – obwohl die gültigen Höchstwerte in allen Proben eingehalten wurden. Bei der staatlichen Bewertung von Risiken durch Pestizide und Pestizidrückstände wird jeder Rückstand und jeder Stoff einzeln für sich betrachtet. Das spiegelt jedoch nicht die Realität wieder  – wie die Erdbeertests zeigen –  und darf nicht als wissenschaftlich angesehen werden. Menschen sind heute einer Vielzahl von Chemikalien ausgesetzt und durch die tägliche Nahrung nehmen einige Bevölkerungsgruppen mehr dieser Schadstoffe auf als toxikologisch vertretbar ist.

Philippe Schenkel, Umweltwissenschaftler ETH und Leiter der Landwirtschaftskampagne bei Greenpeace Schweiz, sagt dazu: «Die gefundenen Pestizid-Cocktails beweisen einmal mehr, dass die Schweizer Landwirtschaft nicht so naturnah ist, wie sie sich gerne gibt. Pestizide in den Erdbeeren können nicht gesund sein. Und da Erdbeeren nur einen kleinen Teil der täglich konsumierten Lebensmittel ausmachen, akkumulieren sich bei einem Mix aus konventionell hergestellten Lebensmitteln die potenziell krankmachenden Wirkstoffe im Körper. Wer ausschliesslich biologisch produzierte Lebensmittel einkauft, tut sich und der Umwelt einen Gefallen, denn der Bio-Anbau hat wesentliche Vorteile für die Biodiversität und die Gesundheit.»

Paradigmenwechsel nötig

Greenpeace fordert einen grundsätzlichen Wandel in der Agrarpolitik: Es ist höchste Zeit, aus der industriellen Chemie-Landwirtschaft auszusteigen und auf eine nachhaltige Landwirtschaft zu setzen, die gesunde Lebensmittel für uns alle produzieren kann. Die Lösung liegt in der ökologischen Landwirtschaft, wie sie neben dem Weltagrarrat kürzlich auch die Agrarexperten des International Panel of Experts on Sustainable Food Systems (iPES)(engl.)  präsentierten.

Die Grossverteiler stehen in der Verantwortung, den Wandel gemeinsam mit ihren Lieferanten unverzüglich anzugehen. Auf giftfrei.org können Sie sie dazu auffordern und sich ein für eine giftfreie Lebensmittelproduktion einsetzen!

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