… Bio-Wein, der ist rein! Neue Greenpeace-Analysen von Schweizer Wein, Weintrauben und Weinbergen lassen jedenfalls genau diesen Schluss zu. Das Labor hat total 33 Pestizide gefunden. Die Belastung in (unreifen) Trauben war enorm. 


Helikopter versprühen mehrmals pro Jahr Fungizide über den Rebbergen am Bielersee. Diese Praxis ist im Weinbau noch immer verbreitet.
Montag, 26. September 2016
Helikopter versprühen mehrmals pro Jahr Fungizide über den Rebbergen am Bielersee. Diese Praxis ist im Weinbau noch immer verbreitet. © Ephraim Bieri / Greenpeace

Im Garten oder vor dem Cheminée sitzend abends ein Glas Wein zu trinken ist ein Hochgenuss. Ein gutes Essen, begleitet von einem feinen Roten ebenso. Das soll angeblich sogar gesund sein. Pestizide allerdings sind das nicht. Sie haben auch mit Genuss nichts zu tun. Und doch sind sie im Schweizer Weinbau die Regel, nicht die Ausnahme.

Wir haben zehn Schweizer Weine (acht konventionell, zwei Bio) aus den wichtigsten Rebbauregionen (Bielersee, Graubünden, Genfersee, Schaffhausen, Tessin, Wallis, Zürichsee) sowie sechs Rebberge (Bielersee, Genfersee, Schaffhausen, Zürichsee) durch ein unabhängiges Labor auf Pestizide untersuchen lassen. In den Rebbergen wurden Proben der (noch unreifen) Trauben sowie Bodenproben genommen, um ein Bild der Belastung der Umwelt zu erhalten. Diese neueste Untersuchung «Pestizide im Schweizer Weinbau» bestätigt unsere früheren Tests, zum Beispiel bei Erdbeeren.

Mehr Kupfer in konventionellen Bodenproben als in Bio-Parzellen

In allen acht konventionellen Weinen wurden Rückstände von mindestens zwei Pestiziden gefunden, die beiden Bio-Proben sind ohne Befund. Am stärksten belastet sind ein Merlot aus dem Tessin, ein Hallauer Blauburgunder sowie ein Pinot Noir aus Maienfeld. In sieben der acht konventionellen Weine wurden Spuren des umstrittenen Herbizids Glyphosat gefunden. Alle gefundenen Pestizide sind zugelassen und überschreiten keine Grenzwerte.

Alle konventionell angebauten Weintrauben waren sehr hoch mit Pestiziden belastet. Es wurden zwischen 4 und 13 Wirkstoffe gefunden, und dies in teilweise sehr hohen Konzentrationen. Für den Konsum wären diese Trauben nicht zugelassen, es gilt jedoch zu beachten, dass die Traubenproben im unreifen Zustand genommen wurden. Es ist damit zu rechnen, dass bis zur Ernte ein Grossteil der Pestizide ausgewaschen bzw. abgebaut werden. Eine Bio-Probe war komplett befundfrei, bei der anderen konnten Spuren zweier Wirkstoffe nachgewiesen werden. Es ist davon auszugehen, dass es sich dabei um Abdrift benachbarter konventioneller Parzellen handelt — etwa durch unselektive Helikopter-Sprühflüge.

In den Bodenproben aus konventionell bewirtschafteten Parzellen konnten zwischen 10 und 18 Pestizide nachgewiesen werden, teilweise auch Substanzen, die in den Trauben oder im Wein nicht gefunden wurden. Dies zeigt, dass Pestizide sich im Boden anreichern können. In den Proben aus Bio-Parzellen konnte ausschliesslich Kupfer gefunden werden. Interessant ist, dass der Kupfergehalt der Bio-Parzellen unter demjenigen konventioneller Parzellen liegt. Somit scheint das oft angebrachte Argument, dass Bio-Weinbauern mehr Kupfer einsetzen, zumindest fragwürdig.

Ein anderer Weg ist möglich

Philippe Schenkel, Leiter der Landwirtschaftskampagne bei Greenpeace Schweiz, sagt dazu: «Wieder einmal zeigt sich die Pestizid-Intensität der Schweizer Landwirtschaft. Die in grossen Mengen in den Weinbergen ausgebrachten Pestizide schädigen Nützlinge, gefährden unsere Gewässer und landen schliesslich in unseren Weingläsern. Die untersuchten Bio-Parzellen zeigen, dass ein anderer Weg möglich ist. Wir fordern die Politik auf, endlich mutige Schritte für eine Pestizidreduktion zu unternehmen.»

Viele der 33 gefundenen Stoffe sind auf der Greenpeace-Blacklist oder würden die Kriterien für diese erfüllen. So stehen vier gefundene Pestizide im Verdacht, krebserregend zu sein, und sechs gefundene Wirkstoffe sind giftig für Bienen und Nützlinge. Pestizide, die in der Blacklist aufgeführt sind, sollten prioritär verboten werden, da sie eine zu hohe Giftigkeit für den Menschen und/oder die Umwelt aufweisen.

Es braucht einen Ausstiegsplan für chemisch-synthetische Pestizide, Investitionen in die Bio-Forschung, die Förderung der Umstellung sowie ein Umdenken bei Grossverteilern, KonsumentInnen und Bäuerinnen und Bauern.



Dienstag, 27. September 2016 © Greenpeace / Hina Strüver

 

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