Eine Greenpeace Schweiz Kampagne hat letztes Jahr die grössten Versicherungsgesellschaften dazu aufgerufen sich von Kohleprojekten zu distanzieren und ihren Versicherungsschutz zu stoppen. Jetzt berichten auch Medien wie Financial Times, Tages Anzeiger und VICE News über ein Umdenken in der Branche.

Anfangs Januar veröffentlichte die wohl einflussreichste Wirtschaftszeitung der Welt einen Leitartikel zum Thema Kohle-Beteiligungen. Financial Times sieht den Stopp in Kohle-Investitionen und den Rückzug bei der Versicherungsdeckung als „eine willkommene und logische Entwicklung“, die darauf hindeutet, dass sich der “Druck für die Kohle-Industrie verschärft hat“.

Denn die Verbrennung von Kohle gilt heute als einer der Hauptursachen für den Klimawandel, welcher für eine Häufung extremer Wetterverhältnisse verantwortlich ist. Dessen Konsequenzen – versicherte und nicht versicherte Schäden – tragen mitunter auch die Versicherer.

„Jede verantwortungsvolle Regierung sollte sich zum Ziel nehmen, Kohle so schnell wie möglich aus dem Verkehr zu ziehen“, argumentiert die Financial Times, „vor allem angesichts der rapide sinkenden Kosten für sauberere Alternativen.“ Fazit des Artikels ist, dass europäische Versicherer sich einig seien: Kohle stelle heute eine größere Reputationsgefahr dar als eine gewinnbringende Opportunität. Ausserdem sendet FT eine klare Botschaft an Unternehmen wie Allianz, Generali, AIG, München und Hannover Rück: Unabhängige Beobachter und Experten erwarten in Zukunft weitere Rückzüge der Versicherungsgesellschaften aus Kohleprojekte.

Konsequenzen für Kohlefirmen

Basierend auf der jüngsten Studie von Unfriend Coal und Greenpeace Schweiz berichtet der Artikel, dass bisher 15 Versicherer geschätzte 20 Milliarden Dollar aus dem Kohlesektor abgezogen haben, und vier von ihnen (Swiss Re, Axa, Zurich und Scor) auch aufgehört haben, Kohleprojekte in unterschiedlichem Maße zu versichern. Weiter stellt der FT-Artikel fest, dass laut Versicherungsmaklern große multinationale Bergbauunternehmen „wahrscheinlich nicht sehr stark von der Verschiebung in der Versicherungsbranche betroffen sein werden, aber kleine und mittlere Bergleute sowie Energieunternehmen die Krise wahrscheinlich spüren werden“. Allgemein seien einige Kohleunternehmen über die Entwicklung sehr besorgt und die Versicherungsmakler würden wöchentliche Treffen mit ihnen abhalten, um die Auswirkungen der Entscheidungen der Versicherer zu diskutieren.

Ähnlich argumentiert Tages Anzeiger in der Ausgabe vom 18. Januar: „Bei grossen Versicherern findet ein Umdenken statt. Sie distanzieren sich von Kunden, die mit dem Ausstoss von Treibhausgasen zu den grössten Klimasündern zählen“. Weiter beteuern Konzerne wie Axa und Zurich, dass ihre Positionen als führende Akteure in diesem Bereich nicht gefährdet seien. Dafür sei das betroffene Prämienvolumen schlicht zu gering. Und wie ist die Reaktion der Aktionäre? Aktionäre seien vor allem besorgt über die zunehmende Zahl und Schwere von Naturereignissen und daher verstehen sie, wie bedeutungsvoll es für die Versicherer sei, die Erderwärmung zu begrenzen. „Andernfalls könnte die Zukunftsfähigkeit unserer Branche gefährdet sein“, so ein Axa-Vertreter.

US-Versicherungsgesellschaften hinken hinterher

Vice News prangert die US-Versicherer an, sie hätten enorme finanzielle Beteiligung in der fossilen Brennstoffindustrie, obwohl sie zeitgleich den Konsequenzen von Erderwärmung direkt ausgesetzt sind. Zusammen investieren die 40 amerikanischen Top-Versicherer mehr als 450 Milliarden Dollar in Kohle, Öl und Gas. Zur gleichen Zeit aber kämpfen diese US-Versicherer um die monumentalen Kosten des Klimawandels zu decken. Wegen den drei tragischen Hurrikans des letzten Jahres haben sie ca. 100 Milliarden US-Dollar Verluste geschrieben.

„Die beiden Artikel geben unseren Bemühungen, die Kohleversicherung zu beenden, Auftrieb“, meint Katya Nikitenko, Finance Kampagnerin bei Greenpeace Schweiz. „Unsere Arbeit hat aber erst begonnen, es gibt noch etliche bedeutende Player wie Generali, Allianz oder Munich Re, die wir überzeugen müssen, dieser wichtigen Bewegung beizutreten. Ebenso sollten die US-Versicherer dem europäischen Beispiel wie Axa, Zurich Insurance und Swiss Re folgen und ihre Kohle-Beteiligungen stoppen“.