In den letzten zehn Jahren sind in Indonesien sowohl der Papier- wie auch der Palmölsektor sehr schnell expandiert. Auf Kosten von Regenwäldern und Torfmoorgebieten. Die Firmengruppe Sinar Mas, die grösste Papier- und Palmölproduzentin Indonesiens, hat noch immer massive Expansionspläne. Doch ohne Geldgeber sind Expansionen nicht möglich. Die Schweizer Grossbank UBS gehört zu den Finanzinstituten, welche durch ihre finanziellen Dienstleistungen solche Expansionen ermöglichen. Greenpeace fordert von der UBS, dass sie von Sinar Mas Firmen ein nachhaltigeres Geschäftsmodell verlangt und die geschäftlichen Beziehungen beendet, falls diese nicht Konsequenzen ergreifen. Zudem müssen strikte Richtlinien öffentlich publiziert werden, die solche Geschäfte in Zukunft verunmöglichen.


Zerstörter Tofwald in Indonesien.

Greenpeace hat die UBS mehrmals auf die zerstörerischen Geschäftspraktiken der Firmengruppe Sinar Mas und deren massive Auswirkungen auf Biodiversität und Klima aufmerksam gemacht. U.a. durch die Berichte «How Sinar Mas is expanding its empires of destruction» oder «How Sinar Mas is pulping the planet». Anfangs Dezember verlieh Greenpeace der Firma APP, dem Zellstoff- und Papierbereich der Sinar Mas Gruppe, den International Golden Chainsaw Award. Aus Diskretionsgründen kommuniziert die UBS nicht, ob sie angesichts dieser Tatsachen Konsequenzen ergreift.

Sinar Mas ist seit Jahren Kunde der UBS

Dem Palmölbereich von Sinar Mas, Golden Agri Ressources Ltd. (GAR) half die UBS 2009 bei der Organisation einer Eigenkapitalerhöhung im Wert von US$ 215 Millionen. Die Schweizer Grossbank investiert auch über Aktien und Fonds in Firmen der Sinar Mas Gruppe. Ausserdem hilft sie seit 2006 Gold East Paper, einer Tochterfirma von APP China, den Börsengang vorzubereiten. Das Ziel von Gold East Paper ist es, mindestens US$ 872 Millionen des geplanten Börsengangs für die Finanzierung von Expansionen zu verwenden. Eigentlich hätte dieser Börsengang 2009 stattfinden sollen, dies ist aber noch nicht geschehen.

Video: Spoof der aktuellen UBS Imagekampagne

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UBS und Nachhaltigkeit: Lücke zwischen Rhetorik und Handeln

Verantwortung und Nachhaltigkeit sind für die UBS seit 2009 zentrale Themen und zur Chefsache erklärt worden. Im Januar 2010 informierte sie über ihre neue Identität:

«Unsere neuen Werte (Wahrheit, Klarheit, Leistung) sind darauf ausgerichtet, unsere Reputation zu stärken und zu schützen.»

Dazu hat UBS interne Sektorrichtlinien entwickelt. Da diese Richtlinien aber für die Öffentlichkeit nicht einsehbar sind, lassen sie sich nicht beurteilen. Aus der Tatsache, dass die UBS mehrfach Geschäfte macht mit Kunden wie der Sinar Mas Gruppe bleibt deshalb die Vermutung, dass die Richtlinien entweder nicht streng genug sind, oder nicht konsequent angewendet wurden.

Im Gegensatz zur UBS haben viele globale Konzerne wie Nestlé, Unilever, Mars, Kraft oder Burger King schon gehandelt und ihre Verträge mit Sinar Mas Firmen beendet, weil sie nicht mehr mit der Zerstörung von Regenwäldern und Torfgebieten in Verbindung gebracht werden wollen. Auch Finanzinstitute wie HSBC und BNP Paribas haben auf den Protest von Greenpeace reagiert und verlauten lassen, dass sie ihre Beteiligungen an Sinar Mas verkaufen. BNP Paribas gab Greenpeace Frankreich ausserdem bekannt, dass sie per Ende 2010 neue Richtlinien zum Zellstoff, Papier- und Palmölsektor veröffentlichen.

Weitere Schweizer Finanzinstitute investieren in Sinar Mas

Auch betreffend anderer Schweizer Finanzinstitute liegen Informationen vor, dass diese Geschäfte mit Sinar Mas betreiben. So war die Credit Suisse ebenfalls an der Eigenkapitalerhöhung des Palmölbereichs von Sinar Mas im Juli 2009 beteiligt. Doch hat sie auf die Kritik von Greenpeace und der Erklärung von Bern reagiert, Palmölrichtlinien erarbeitet und Ende Oktober einen ersten Schritt für mehr Transparenz gewagt, indem sie eine Zusammenfassung ihrer Sektor-Weisungen und Richtlinien publiziert hat. Um Transparenzanforderungen gerecht zu werden, müsste sie selbstverständlich die vollständigen Richtlinien publizieren. Zudem ist die Frage offen, inwiefern die CS inzwischen bezüglich ihren geschäftlichen Beziehungen zu Sinar Mas die Konsequenzen gezogen hat.

Neben den zwei grössten Schweizer Banken UBS und CS findet man auch eine Reihe weiterer Schweizer Finanzinstitute in der Fondsliste von Golden Agri Ressources. Dazu gehören unter anderen die Banque Cantonale Vaudoise, Clariden Leu, Pictet Asset Management Ltd, Swisscanto Asset Management AG, und Swiss & Global Asset Management Ltd..

Greenpeace-Forderungen an UBS und Schweizer Finanzinstitute

  • Es müssen strikte Richtlinien zu Geschäften im Papier, Zellstoff- und Palmölsektor erarbeitet und umgesetzt werden.
  • Diese Richtlinien sollen:
  • für sämtliche Geschäftsbereiche der Bank gelten
  • öffentlich einsehbar sein
  • den Schutz von sog. «High Conservation Value Forests, High Carbon Value Forests und Peatlands (Torfgebieten)» gewährleisten
    • Die UBS muss von Sinar Mas ein nachhaltiges Geschäftsmodell einfordern.
    • Falls die Firmen der Sinar Mas Gruppe dieser Forderung nicht nachkommen und mit der Vernichtung von Regenwald und Torfmoorgebieten fortfahren, muss die UBS ihre geschäftlichen Beziehungen mit ihnen beenden. Auch die eigene CSR-Strategie zum Management von Umwelt und Sozialrisiken der UBS erfordert dies.

    Greenpeace Report

    Zum Report «Die Rolle der UBS bei der Finanzierung der Sinar-Mas-Gruppe und der Abholzung indonesischer Regenwälder»

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