Ende Mai 2009 haben die isländischen Walfänger ihre diesjährige kommerzielle Jagd auf Zwergwale gestartet, Anfang Juni beginnt auch die Jagd auf geschützte Finnwale. Island ist damit neben Norwegen eines von nur zwei Ländern weltweit, die offen kommerziellen Walfang betreiben (Japan jagt Wale unter dem Deckmantel der Wissenschaft). Islands Walfangquote sieht im Sommer 2009 den Fang von 100 Zwergwalen und 150 Finnwalen vor. Das Fleisch soll vor allem nach Japan exportiert werden.

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Dieser Wunsch scheint jedoch komplett unrealistisch: Bei einer Greenpeace-Pressekonferenz in Islands Hauptstadt Reykjavik konnte der japanische Meeres-Kampaigner Wakao Hanaoko am 8. Juni 2009 ein Interview vorweisen, das er mit dem Direktor der Asian Trading geführt hat, dem japanischen Walfleisch-Importeur. Dieser bestätigt eindeutig, dass in Japan kein Markt mehr für Walfleisch-Produkte existiere und dass er kein Walfleisch aus Island ankaufen wird. Er hatte letztes Jahr eine Ladung Walfleisch importiert, weil er einem befreundeten Walfänger auf Island «einen Gefallen tun» wollte.

Besonders entsetzt über die kürzlich ebenfalls gestartete Waljagd zeigte sich auch Islands Verband der Whale-Watching-Betreiber: So ging das Walfangschiff «Johanna» nur wenig von dem Gebiet entfernt auf Jagd, in das üblicherweise die Walbeobachtungs-Veranstalter mit viele Touristen an Bord führen. Laut ihrem Sprecher Rannveig Grétarsdóttir können Walfang und Whale Watching nicht zusammen existieren. Seit dem Start der Jagd auf Zwergwale – hätten die Walbeobachtungsschiffe Schwierigkeiten Wale zu finden und müssten viel weiter hinausfahren. Für die Tourismusindustrie könnte dies zum finanziellen Disaster werden.

Wale lebend mehr wert als tot

Walfang ist keine Lösung für Islands derzeitige Wirtschaftskrise – im Gegenteil, ein auch nur leichter Zuwachs an Touristen, die Island besuchen um Wale zu beobachten, würde deutlich mehr Jobs schaffen und Einnahmen sichern als der Walfang. Greenpeace sieht im «Whale Watching» die eindeutig lukrativere Einnahmequelle: In 2008 haben etwa 115.000 Menschen an Walbeobachtungsfahrten in Island teilgenommen, über 20% von ihnen haben Walbeobachtung als einen ausschlaggebenden Grund für ihren Aufenthalt in Island angegeben. Weitere 115.000 Menschen haben bei Greenpeace ein «Versprechen» unterschrieben: Man wolle das Land gern besuchen, aber nur, wenn Island den Walfang stoppt. Das entspricht Tourismuseinnahmen im Wert von 116 Millionen US-Dollar.

Greenpeace fordert die neue isländische Regierung von Premierministerin Jóhanna Sigurdardóttir auf, endlich ihr Wahlversprechen einzulösen und die von ihrem Vorgänger beschlossene Walfangquote aufzuheben.