Chemie in Textilien

Forderung

Ob Billig- oder Luxusware, am Anfang unserer Kleidung steht fast immer ein Cocktail aus gefährlichen Chemikalien, der anderenorts die Umwelt verseucht.

Jedes Jahr werden weltweit rund 80 Milliarden Kleidungsstücke produziert. Das ist ein riesiger Markt, der die Ressourcen unseres Planeten strapaziert und Arbeitsrechte und Umweltschutz mit Füssen tritt. So setzt die Textilindustrie bei der Herstellung von Jeans, Shirts und Co. massiv gesundheits- und umweltgefährdende Chemie ein. Das Abwasser aus den Fabriken vergiftet in Produktionsländern wie Asien und Mittelamerika Flüsse und Trinkwasser.

Aus diesem Grund nimmt Greenpeace 2011 vielerorts Wasserproben – mit giftigem Ergebnis. Der Startschuss für die Detox-Kampagne zur Entgiftung der Textilindustrie ist gegeben. Seitdem testen wir immer wieder Kleidung und immer wieder finden wir giftige Chemikalien – egal ob die Ware aus dem Aldi-Discounter oder der Versace-Boutique stammt.

Erfolge

Millionen Menschen unterstützen weltweit die Detox-Kampagne von Greenpeace. Mit grossartigem Erfolg: Bislang haben 15 Prozent der Unternehmen am globalen Textilmarkt die Detox-Verpflichtung von Greenpeace unterschrieben. Dazu gehören 79 globale Modemarken wie H&M, Adidas und Aldi, die sich entschieden haben, bis 2020 Schadstoffe durch ungefährliche Substanzen zu ersetzen. In der Schweiz gehört Coop zu den Trendsettern, während Migros nach wie vor keine Detox-Verpflichtung eingegangen ist.


Detox Outdoor

Outdoor-Marken werben mit dem Image der Naturverbundenheit und beeindruckenden Bildern von den atemberaubendsten Orten der Welt – die Kleidung, die sie produzieren, ist aber meist voller giftiger per- und polyfluorierter Chemikalien (PFC). Einmal in der Natur, werden sie praktisch nicht abgebaut. Wissenschaftler konnten belegen, dass sich die Stoffe auf dem gesamten Erdball verbreiten – selbst in entlegensten Bergseen und auf einsamen Berggipfeln wies Greenpeace Spuren der Chemikalien nach.

Im Mai 2015 veröffentlichten 200 Wissenschaftler aus 38 Ländern die Empfehlung, sämtliche Verbrauchsgüter ohne PFC zu produzieren. Greenpeace schliesst sich dieser Einschätzung an.

Unsere Forderungen an Outdoor-Marken:

  • Outdoor-Marken müssen grössere Transparenz bieten und die Führung auf dem Weg zur chemikalienfreien Umwelt übernehmen.
  • Politische Entscheidungsträger müssen das Vorsorgeprinzip vollständig umsetzten, indem sie die ganze PFC-Gruppe regulieren.

Es gibt Alternativen. Dazu zählen Jacken mit PFC-freien Membranen aus Polyester sowie Imprägnierungen aus Polyurethan, auf Paraffin- oder auf Silikonbasis. Alles keine grüne Chemie, aber umweltverträglicher als PFC-Chemie. Auch diese Jacken sind winddicht, atmungsaktiv und halten einem Wolkenbruch stand.

Erfolg

Hunderttausende wie du wurden zu Online-AktivistInnen, als wir darüber abstimmen liessen, welche Brands wir bei den Produktetests berücksichtigen sollten. Viele Firmen hörten auf ihre Kunden und übten Druck auf ihren Hauptlieferanten von Membranen, Gore Fabrics, aus – und verlangten von ihm, künftig PFC-frei zu produzieren.

Der Erfolg: Gore Fabrics, Branchenleaderin und Herstellerin von GORE-TEX®-Produkten, wird künftig in ihrer Produktion auf den Einsatz gefährlicher PFC-Chemikalien verzichten.


Chemie in Elektronik

Laptops, Smartphones, Tablets – ohne diese Geräte kommen wir kaum noch aus. Doch sowohl die Produktion als auch die Entsorgung gebrauchter Geräte belastet unsere Umwelt und verschlingt viele Rohstoffe. Zudem stecken viele Geräte noch immer voller giftiger Chemie, die nach der Entsorgung nachteilige Auswirkungen auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit haben.

Während sich KonsumentInnen an den Vorteilen der modernen Informations- und Kommunikationstechnologien erfreuen, enthüllen Nichtregierungsorganisationen immer wieder verheerende ökologische und soziale Praktiken im Bergbau sowie bei der Herstellung und Entsorgung von mobilen elektronischen Geräten. Es ist zudem allgemein bekannt, dass einige Produktionsprozesse, wie die Herstellung von Mikrochips, grosse Mengen an Energie, Wasser und Chemikalien verbrauchen.

Lösung

Weltweit wurden 2014 knapp 42 Millionen Tonnen Elektroschrott produziert. Der Trend zum kurzlebigen Smartphone trägt seinen Teil dazu bei. Deswegen sollten Smartphones künftig so konstruiert werden, dass sie leicht repariert werden können. Zudem braucht es eine bedingungslose Pflicht zur Rücknahme und Wiederverwendung von Altgeräten.


Publikationen

Report: 10 Jahre Smartphone

March 2017

Die Markteinführung des iPhones veränderte 2007 einen ganzen Techniksektor, Smartphones sind seitdem nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Mit Folgen: Die Hersteller verursachen mit ihren kurzlebigen Geräten und unnötig schnellen…

Gefährliche Chemikalien in Outdoor-Ausrüstung – Greenpeace Produktetest 2016

January 2016

In unabhängigen Labors hat Greenpeace Produkte von Outdoor-Marken auf PFC testen lassen. Darunter sind Jacken, Hosen, Schuhe, Rucksäcke, Zelte, Schlafsäcke, Handschuhe und Kletterseile – insgesamt 40 Produkte, unter anderem solche…

Chemie in unberührter Natur

September 2015

Greenpeace hat weltweit in acht Gebirgsregionen – darunter das Engadin – frisches Seewasser und unberührten Schnee auf Rückstände von PFC-Chemikalien getestet. Die Outdoor-Hersteller setzen diese bei der Herstellung ihrer Produkte…

Rote Karte für Sportmarken: giftige Chemikalien in WM-Produkten

May 2014

Fussballschuhe und Torhüter-Handschuhe der WM-Kollektion von Adidas, Nike und Puma sowie der WM-Ball Brazuca enthalten eine breite Palette gefährlicher Chemikalien. Dies zeigt eine neue Greenpeace-Untersuchung von 33 Produkten, die im…

Chemie für Gipfelstürmer: Greenpeace Outdoor-Report 2013

December 2013

Ob China, Arktis oder Südafrika – und vermutlich auch bei Ihnen zu Hause: PFC-Chemikalien lassen sich weltweit nachweisen. Sie gelangen in Hausstaub, Trinkwasser und Blut, weil sie in großen Mengen…

Schadstoffe in Kinderjacken: Migros-Mode immer noch ein M giftiger

March 2013

Neue Labortest-Ergebnisse zeigen, dass Migros-Kinderjacken der Marke Trevolution alarmierende Mengen an Giftstoffen enthalten. Die Schadstoffkonzentrationen übersteigen den gültigen gesetzlichen Grenzwert für Spielzeuge und Babyartikel um das bis zu 600-fache. Dies…

Report: Schadstoffe in Textilien

February 2013

Die internationale Greenpeace-Kampagne Detox («Entgiften») setzt sich für eine saubere Textilherstellung ein. Bereits im Jahr 2011 deckte die Umweltorganisation mit Abwasseruntersuchungen auf, dass die Textilindustrie chinesische Flüsse mit Chemikalien vergiftet.…

Giftige Garne: Der grosse Textilien-Test von Greenpeace

November 2012

Wie Modemarken Konsumenten zu unfreiwilligen Komplizen bei der weltweiten Wasserverschmutzung machen. Zusammenfassung Die vorliegende Studie befasst sich mit umwelt- und gesundheitsschädlichen Chemikalien in der Textilproduktion. Getestet wurden Markenartikel von 20…

Schmutzige Wäsche III: Report «Schmutzige Wäsche Teil 3»

March 2012

Mehr als 80 Prozent der in der Schweiz verkauften Kleidung stammt aus China. Beim Färben, Bleichen, Bedrucken und Veredeln von Textilien gelangen grosse Mengen an schädlichen Chemikalien in die Umwelt…

Schmutzige Wäsche II: Greenpeace testet Textilien von Adidas & Co. auf Hormongift Nonylphenol

August 2011

Neuste Greenpeace-Untersuchungen von Sport- und Freizeitbekleidung von Adidas & Co zeigen: Die meisten der weltweit getesteten Marken-Textilien enthalten Rückstände der giftigen Chemikaliengruppe Nonylphenolethoxylate (NPE). In 52 von 78 Produkten (zwei…

Schmutzige Wäsche: Die Belastung chinesischer Flüsse durch Chemikalien der Textilindustrie

July 2011

Der Greenpeace-Report „Schmutzige Wäsche” gibt einen Einblick, wie die Textilindustrie chinesische Flüsse mit gefährlichen Chemikalien verschmutzt. Die belasteten Gewässer bedrohen wiederum wertvolle Ökosysteme und die Gesundheit der Bewohner. Es wird…

Chemikalien schaden der Fortpflanzung

July 2010

Immer mehr Studien weisen darauf hin, dass die zunehmende Belastung des Menschen mit Chemikalien die Fortpflanzung stören kann. Schätzungsweise 100.000 Chemikalien werden mittlerweile weltweit produziert. Deren Nutzung führt unvermeidlich zur…

Guide to greener electronics: November 2011

July 2010

Der Elektroschrott, der weltweit jährlich produziert wird beläuft sich auf 20-50 Millionen Tonnen. Der Anteil an Elektroschrott am gesamten weltweiten Abfall steigt stetig, in Europa beläuft sich der jährliche Zuwachs…

Computer und Handys: vergiften die Armen

July 2010

Kinder hocken vor offenem Feuer, umgeben von Müll und nehmen Computer, Handys und anderen aus Europa stammenden Elektroschrott auseinander. Oft schützen weder Handschuhe noch Atemmasken vor den Giften im Qualm,…

Chemiemülldeponien Hirschacker in Grenzach: Eine kritische Würdigung

February 2009

Eklat bei der Sanierung der Chemiemülldeponie Hirschacker in Süddeutschland: Roche bricht eine Sanierungs-Vereinbarung mit Greenpeace und will giftigen Chemiemüll nicht mehr weiter ausgraben. Zudem: 17’000 Tonnen Aushubmaterial, das im Rahmen…

Chemie: Dioxin in der Chemiemülldeponie Bonfol

September 2005

Eine neue, heute in Basel an einer Medienkonferenz vorgestellte Greenpeace-Studie kommt zum Schluss: Die Basler Chemiekonzerne (BCI) haben erhebliche Mengen Dioxin produziert und in Bonfol – der damals einzig legalen…

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