Eine Ausstellung der COALMINE, Winterthur, in Zusammenarbeit mit Greenpeace Schweiz, kuratiert von Sascha Renner

18. Oktober 2019 bis 9. April 2020
Vernissage: Donnerstag, 17. Oktober 2019, ab 18.30 Uhr;
19 Uhr Einführung mit Sibylle Jenni (Greenpeace), Ian Willms und Kurator Sascha Renner

«Ian Willms Arbeit über die Folgen der Ölsand-Extraktion im kanadischen Alberta beleuchtet facettenreich eine Ökokatastrophe von höchster Brisanz. Neben der herausragenden fotografischen Qualität besticht sein Projekt besonders durch die sensible Auseinandersetzung mit der widersprüchlichen Lebenswirklichkeit der indigenen Bevölkerung.» Lars Lindemann, Jurymitglied des Greenpeace Photo Award 2018.

«As Long as the Sun Shines» ist ein tiefgründiger Blick auf eine Industrie, die gross genug ist, dass man sie selbst aus dem Weltraum sehen kann. Der über ein Jahrzehnt hinweg entstandene Fotoessay des kanadischen Fotografen Ian Willms erkundet einen Schlüsselmoment in der Geschichte des Klimawandels, der Nutzung fossiler Brennstoffe und der Beziehungen Kanadas zu seinen First-Nations-Völkern.

Die Ölsande (auch Teersande genannt) im Norden Albertas sind Kanadas 1,4 Billionen Dollar schwerer Notgroschen. Unter borealem Nadelwald von der Grösse Englands liegt hier etwa ein Drittel der weltweiten Ölsand-Vorkommen. Ihre Erschliessung jedoch ist gegenüber herkömmlichem Öl energieintensiver und verursacht weit höhere Umweltkosten. Die Ölsande sind eine der Hauptursachen für die Luftverschmutzung in Nordamerika und schlagen derzeit mit einer Billion Liter Giftmüll in Rückfangbecken zu Buche. Keine andere Art der Ölgewinnung ist umstrittener. Der Umgang mit den Ölsanden ist nicht nur symptomatisch für die ausstehende Energiewende, er führt auch zu einer weiteren Marginalisierung der indigenen Völker durch die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen.

Die Ölsande sind untrennbar mit Kanadas Geschichte des Pelzhandels und seinen kolonialistischen Strukturen verbunden. 1899 wurde in der Ölsandregion der Treaty 8 von der englischen Königin und 39 First Nations unterzeichnet. Den Häuptlingen wurde versichert, dass sie auf ihrem Territorium weiter jagen, fischen und Fallen stellen könnten, «solange die Sonne scheint». Anstatt, wie zunächst vorgegeben, den Pelzhandel zu erleichtern, wurden die Verträge jedoch genutzt, um im grossen Stil die industrielle Entwicklung der indigenen Gebiete zu ermöglichen. Heute verpachtet die kanadische Regierung 141 000 Quadratkilometer dieses Treaty 8-Landes an Energiekonzerne, die die riesigen Ölsandvorkommen erschliessen sollen. Die First Nations bleiben vom Löwenanteil des wirtschaftlichen Nutzens ausgeschlossen.

Seit fast zwei Jahrzehnten berichten Ärzte in den Gemeinden rund um die Ölsandminen und Raffinerien von steigenden Krebsraten, Geburtsfehlern und anderen gesundheitlichen Problemen. Aufgrund der industriellen Entwicklung und Verschmutzung sind die indigenen Völker hier nicht mehr in der Lage, von der Jagd, dem Fallenstellen und dem Fischfang zu leben, also von den ökonomischen Aktivitäten, die sie zuvor jahrhundertelang erfolgreich ernährt hatten. Viele sehen in diesem «Umweltrassismus» die moderne Manifestation des Kolonialismus.

Biografie:
Ian Willms wurde 1985 in Kitchener, Kanada, geboren und lebt in Toronto. Er ist Gründungsmitglied des Boreal Collective und von NAMARA Represents. Seine visuelle Praxis liegt im Spannungsfeld von Langzeitdokumentation und zeitgenössischer Fotografie. Seine Essays versuchen emotionale Landschaften durch ihre visuelle Lyrik zu vermitteln.

Ians Willms pazifistische, mennonitische Vorfahren flohen 1923 vor gewaltsamer Verfolgung aus Russland und liessen sich schliesslich in Kanada nieder. Als Kind wurde er von seiner unabhängigen, agnostischen und feministischen Mutter in einem mit öffentlichen Mitteln geförderten Wohnhaus für gefährdete Frauen aufgezogen. Diese Erfahrungen legten den Grundstein für die empathische und sozial engagierte Haltung, die seine Arbeit heute prägt.

Seine Fotoessays wurden vom Canada Council for the Arts unterstützt und mit dem Greenpeace Photo Award sowie dem World Press Photo, Pictures of the Year International und National Magazine Award ausgezeichnet. Seine Arbeiten wurden in Ausstellungen auf der ganzen Welt gezeigt, darunter im Museum of Photographic Arts, der Gallery 44 Centre for Contemporary Photography, der CONTACT Gallery und bei O’Born Contemporary.

Greenpeace Photo Award
Zum vierten Mal präsentiert die COALMINE die Preisträger des Greenpeace Photo Award in Zusammenarbeit mit Greenpeace Schweiz und in Medienpartnerschaft mit GEO. Sieben Fotoschaffende aus fünf Kontinenten wurden eingeladen, ihre geplanten Fotoprojekte zum Thema Umwelt vorzustellen. Nicht vollendete Arbeiten wurden gesucht, sondern unveröffentlichte Projekte in Arbeit. Der Jurypreis wurde von einer internationalen Jury (Britta Jaschinski, Fotografin, England; Lars Lindemann, Bildredaktion GEO, Deutschland; Lars Willumeit, freier Kurator und Dozent Fotofachklasse F+F, Schweiz) an Ian Willms verliehen. Der mit 10’000 Euro dotierte Jurypreis wurde vom Fotografen für die Umsetzung seines Projekts verwendet. 

Der Greenpeace Photo Award wird grosszügig von der Stanley Thomas Johnson Stiftung sowie von der Gerda Techow Gemeinnützige Stiftung, Vaduz, unterstützt. Die COALMINE ist ein Projekt der Volkart Stiftung. Kurator: Sascha Renner.

Auskünfte erhalten Sie via052 268 68 68 oder [email protected]
Bei inhaltlichen Fragen wenden Sie sich bitte an Sascha Renner ([email protected]).
Pressebilder können Sie unter www.coalmine.ch/coalmine/presse beziehen.

Interviews mit Ian Willms und Sascha Renner sind nach vorgängiger Absprache am Nachmittag des 17.10.2019 – idealerweise zwischen 16.30 und 17.30 Uhr – sowie am Vormittag des 18.10.2019 möglich. First come, first served.

Öffnungszeiten COALMINE
Mo–Fr 8–19 & Sa 11–16 Uhr
Geschlossen: 21.12.2019–5.1.2020