Greenpeace Schweiz hat die Ernährungsrichtlinien der 10 grössten Städte der Schweiz1 erneut unter die Lupe genommen und die Ergebnisse sind ernüchternd. Obgleich einige Städte wie Zürich und Biel seit dem Frühjahr 2018 grosse Fortschritte gemacht haben, zeigt die Analyse, dass Stadtregierungen hierzulande die Auswirkungen der Ernährung, insbesondere von tierischen Produkten, auf Klima, Biodiversität und Gesundheit noch immer nicht ernst genug nehmen. Greenpeace fordert Schweizer Städte auf, sich ein Beispiel an Pionierstädten wie Kopenhagen zu nehmen und die Ernährung anhand von aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen ins Zentrum ihrer Nachhaltigkeitsstrategien zu stellen.

Der Anbau, die Verarbeitung und der Transport von Lebensmitteln ist ressourcenintensiv und belastet die Umwelt stark. So verursacht die Ernährung 27% der gesamten Umweltbelastung eines Schweizer Haushaltes, wobei eine knappe Hälfte davon auf tierische Lebensmittel – sprich Fleisch, Milch und Eier – zurückgeführt werden kann. Pflanzliche Lebensmittel weisen eine deutlich bessere Ökobilanz auf. In der Schweiz verantwortet die öffentliche Hand jährlich rund 280 Millionen Mahlzeiten, ein signifikanter Anteil davon auf städtischer Ebene. Dies ist ein riesiger Hebel. Mit einer Ernährungsstrategie, welche die Nachhaltigkeit und die Gesundheit ins Zentrum setzt, können Schweizer Städte die Umwelt massiv entlasten.

Die neueste Analyse der Ernährungsrichtlinien der 10 grössten Schweizer Städte zeigt, dass die Städte dieses Potenzial nicht konsequent nutzen. Zwar konnten Zürich und Biel echte Fortschritte erreichen, die meisten Städte haben aber bloss punktuelle Verbesserungen erzielt und Schlusslichter Luzern, St. Gallen und Lugano haben sich kaum bewegt.

Eine Schweiz, die stagniert

Generell hat sich die Kluft zwischen den Schweizer Städten und Städten in anderen Ländern seit der ersten Analyse weiter vertieft. So hat sich beispielsweise die Stadt Kopenhagen im August 2019 verpflichtet, den CO2-Fussabdruck der Ernährung drastisch und schnell zu reduzieren. Im Oktober 2019 verpflichteten sich 14 Bürgermeister aus einigen der grössten Städte der Welt2, ihre Ernährungspolitik an die Ziele des Klima- und Biodiversitätsschutzes anzupassen.

Greenpeace fordert, dass Schweizer Städte das Thema Ernährung als zentrales Element ihrer Nachhaltigkeitspolitik unter Berücksichtigung relevanter Kriterien aufnehmen: Die Bevorzugung lokaler Produzenten ist zwar wichtig für das lokale Wirtschaftsgefüge, aber die wichtigsten Kriterien für Klima und Umwelt sind die Menge der tierischen Produkte, die Reduktion des Foodwaste sowie der Bio-Anteil und die Saisonalität. «In den 18 Monaten zwischen den beiden Analysen verpassten die Schweizer Städte die Gelegenheit, den CO2-Fussabdruck der Ernährung zu senken. Dabei fordern grosse Teile der Bevölkerung eine ambitionierte Klimapolitik», sagt Philippe Schenkel, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace Schweiz. «Die Ernährungsumstellung ist eine der effektivsten Möglichkeiten, um das Klima und die Biodiversität zu schützen. Diese Realität müssen die Schweizer Städte schnell berücksichtigen.»

1 Basel, Bern, Biel, Genf, Lausanne, Lugano, Luzern, St. Gallen, Winterthur, Zürich

2 Barcelona, Copenhagen, Guadalajara, Lima, London, Los Angeles, Milan, Oslo, Paris, Quezon City, Seoul, Stockholm, Tokyo and Toronto

.

Der Bericht von Greenpeace Schweiz :

«Am Essen gemessen: Welche Schweizer Städte vorwärts machen bei der Förderung nachhaltiger Ernährung – und welche nicht»

Kontakte

Philippe Schenkel, Fachexperte für Landwirtschaft und Ernährung, 078 790 52 84, philippe.schenkel@greenpeace.org

Natalie Favre, Mediensprecherin Greenpeace Schweiz, 044 447 41 81, natalie.favre@greenpeace.org