{"id":10019,"date":"2015-10-20T00:00:00","date_gmt":"2015-10-19T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/10019\/fluss-oder-strom\/"},"modified":"2019-05-30T10:20:41","modified_gmt":"2019-05-30T08:20:41","slug":"fluss-oder-strom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/10019\/fluss-oder-strom\/","title":{"rendered":"Fluss &#8211; oder Strom?"},"content":{"rendered":"<p><b>Am Amazonas-Fluss Tapaj\u00f3s soll ein Mega-Staudamm entstehen \u2013 auf Kosten von Menschen und Natur. Greenpeace pr\u00fcfte das Projekt. Und entdeckte Korruption und Gewissenlosigkeit.<\/b><\/p>\n<div class=\"post-content\">\n<div>\n<p><strong>Am Amazonas-Fluss Tapaj\u00f3s soll ein Mega-Staudamm entstehen \u2013 auf Kosten von Menschen und Natur. Greenpeace pr\u00fcfte das Projekt. Und entdeckte Korruption und Gewissenlosigkeit.<\/strong><\/p>\n<p><strong><\/p>\n<div class=\"events-box big-box left\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/7a0b74cd-7a0b74cd-gp0stoqht_bearb.jpg\" title=\"\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_epiEntryContent_ctl00_ctl02_Image1\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/7a0b74cd-7a0b74cd-gp0stoqht_bearb.jpg\" alt=\"\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content no-title\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong><\/strong><\/p>\n<p>\n            Am Tapaj\u00f3s-Fluss im brasilianischen Amazonas protestieren Angeh\u00f6rige des indigenen Munduruku-Volkes gegen den Bau von Staud\u00e4mmen. Die Aktion fand im November vergangenen Jahres gemeinsam mit Greenpeace-Aktivisten statt.<\/p>\n<p>\u00a9Bruno Kelly\n        <\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Fl\u00fcsse mit einer L\u00e4nge von rund 100.000 Kilometern: Durchs Amazonasgebiet windet sich das gr\u00f6\u00dfte Netzwerk an Wasserl\u00e4ufen auf unserer Erde. Einer der sch\u00f6nsten und wichtigsten darin ist der Tapaj\u00f3s. Im Bundesstaat Par\u00e1 m\u00fcndet er in den Amazonas. Dunkles Wasser, zahlreiche Stromschnellen, Str\u00e4nde und Wasserf\u00e4lle umrahmt von unber\u00fchrtem Wald und ein Paradies der Artenvielfalt: So pr\u00e4sentiert sich der Tapaj\u00f3s, bevor er in den m\u00e4chtigen Amazonasstrom m\u00fcndet.\u2028<\/p>\n<p>\u2028Doch ausgerechnet dort am Tapaj\u00f3s will die brasilianische Regierung nun neue Wasserkraftwerke bauen \u2013 und Energie produzieren, um jeden Preis. Mindestens 40 gro\u00dfe Staud\u00e4mme mit mehr als 30 Gigawatt maximaler Leistung entstehen in Brasilien gerade oder sind in Planung. F\u00fcnf von ihnen haben f\u00fcr die brasilianische Regierung eine besonders hohe Priorit\u00e4t, darunter auch der S\u00e3o-Luiz-do-Tapaj\u00f3s-Damm, das gr\u00f6\u00dfte der Projekte. Gerade wurden offiziell die m\u00f6glichen Umweltauswirklungen des Mega-Damms auf die Region gepr\u00fcft. Dabei ging man jedoch genauso unseri\u00f6s vor, wie bereits bei vergangenen Staudamm-Bauprojekten.<\/p>\n<p><strong>STAUDAMM BEDROHT LEBENSR\u00c4UME<\/strong><\/p>\n<p>Dabei ist der Tapaj\u00f3s mit seinem Wechsel von \u00dcberschwemmungenen und Perioden, in denen die Ufer austrocknen, Lebensgrundlage einer besonderen Artenvielfalt. Und er ist die Heimat von Tausenden Angeh\u00f6rigen indigener V\u00f6lker sowie anderer Flussanwohner. In der Region besteht zwar ein Mosaik aus zehn Naturschutz- und 19 Indigenen-Gebieten; von diesen sind allerdings nur vier offiziell ausgewiesen und bieten somit unzureichend Schutz.<\/p>\n<\/p>\n<div class=\"events-box big-box left\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/a2b5637f-a2b5637f-gp0stpcf2_bearb.jpg\" title=\"\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_epiEntryContent_ctl00_ctl04_Image1\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/a2b5637f-a2b5637f-gp0stpcf2_bearb.jpg\" alt=\"\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content no-title\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong><\/strong><\/p>\n<p>\n            Am Tapaj\u00f3s: ein Angeh\u00f6riger der Munduruku mit Luciano Naka von der Universit\u00e4t Pernambuco. Der Wissenschaftler koordinierte die Erstellung einer von Greenpeace Brasilien in Auftrag gegebenen Studie. Darin wird belegt, dass die Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung, die die Regierung des Landes f\u00fcr den Bau des Staudamms am Tapaj\u00f3s in Auftrag gegeben hat, mangelhaft ist. \u00a9Luna\u00e9 Parracho \/ Greenpeace\n        <\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>W\u00c4LDER VERSCHWINDEN VON DER LANDKARTE<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Missstand w\u00fcrde sich noch versch\u00e4rfen, wenn das S\u00e3o-Luiz-do-Tapaj\u00f3s-Kraftwerk gebaut wird. Eine 53 Meter hohe und 7,6 Kilometer lange Mauer soll dann den Flusslauf durchziehen; das w\u00fcrde ein riesiges Gebiet 123 Kilometer entlang des Tapaj\u00f3s-Flusses und 76 Kilometer entlang des Flusses Jamanxim \u00f6stlich davon beeintr\u00e4chtigen.\u2028<\/p>\n<p>\u2028Dadurch w\u00fcrden rund 37.600 Hektar Amazonaswald von der Landkarte verschwinden. Die nat\u00fcrlichen \u00dcberschwemmungs- und D\u00fcrreperioden w\u00fcrden entfallen; das w\u00fcrde zu einem immensen Verlust der Artenvielfalt f\u00fchren. Indigene und Flussanwohner m\u00fcssten zwangsweise umgesiedelt werden \u2013 soziale Konflikte w\u00e4ren dabei programmiert.\u2028<\/p>\n<\/p>\n<div class=\"events-box big-box left\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/a7782390-a7782390-gp0stpceo_bearb.jpg\" title=\"\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_epiEntryContent_ctl00_ctl06_Image1\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/a7782390-a7782390-gp0stpceo_bearb.jpg\" alt=\"\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content no-title\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong><\/strong><\/p>\n<p>\n            Im Dorf Dace Waptu im brasilianischen Bundesstaat Par\u00e1 diskutieren Angeh\u00f6rige des Volkes der Munduruku mit Beh\u00f6rdenvertretern und Wissenschaftlern \u00fcber den geplanten S\u00e3o-Luiz-do-Tapaj\u00f3s-Staudamm und dessen Auswirkungen auf Menschen und Natur im Amazonasgebiet.<br \/>\n\u00a9 Luna\u00e9 Parracho \/ Greenpeace<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u2028Dennoch nimmt die brasilianische Regierung die f\u00fcr die Genehmigung des Projektes obligatorische Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung (UVP) auf die leichte Schulter: Obwohl derartige Pr\u00fcfungen eigentlich feststellen sollen, ob ein Projekt aus \u00f6kologischer Sicht tragbar ist, degradiert sie sie derzeit zu Formsachen. Diese legitimieren nurmehr dubiose Entscheidungen, die bereits gef\u00e4llt worden sind.\u2028 \u2028<\/p>\n<p>Die Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung f\u00fcr das S\u00e3o-Luiz-do-Tapaj\u00f3s-Wasserkraftwerk ist daf\u00fcr ein weitere Beispiel. Der Konzern, der die Pr\u00fcfung und den dazu geh\u00f6rigen Bericht in Auftrag gegeben hat, ist derselbe, der maximales Interesse an dem Projekt hat: Eletrobas, eine der gr\u00f6\u00dften Energiefirmen in Lateinamerika. Sie legte der brasilianischen Umweltbeh\u00f6rde IBAMA die zweifelhafte UVP im August 2014 vor.<\/p>\n<p><strong>GREENPEACE-ANALYSE: UMWELTVERTR\u00c4GLICHKEITSPR\u00dcFUNG MANGELHAFT<\/strong><\/p>\n<p>Greenpeace beauftragte daher f\u00fchrende Wissenschaftler der Fachrichtungen Klima, Soziales und Biodiversit\u00e4t, eine Analyse dieser Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung zu erstellen. Das Papier und der dazugeh\u00f6rige Bericht legen schwere M\u00e4ngel der Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung offen.\u2028 \u2028<\/p>\n<p>So sollte diese eigentlich die direkten und indirekten Auswirkungen des Kraftwerkbaus auf Wasser, Luft, Klima, B\u00f6den, Flora und Fauna beleuchten; sie sollte die Konsequenzen f\u00fcr die nat\u00fcrlichen Ressourcen kritisch begutachten. Tats\u00e4chlich verschweigt die Pr\u00fcfung jedoch die wahren Auswirkungen auf Mensch und Natur.\u2028 \u2028<\/p>\n<p>So erfasst die UVP beispielsweise nicht die Arten der Uferzonen, Inseln und des Flussbettes, obwohl genau diese Bereiche am meisten von der dann ausbleibenden \u00dcberflutung betroffen sind. Die aktuelle Version der Pr\u00fcfung zeigt auch nicht, welche Arten auf lokaler, regionaler oder globaler Ebene durch den Bau des Kraftwerks gef\u00e4hrdet werden.<\/p>\n<p><strong>MISSACHTUNG DER RECHTE INDIGENER V\u00d6LKER<\/strong><\/p>\n<p>Der Teil der UVP, der sich mit den Auswirkungen des Kraftwerkbaus auf die in der Region lebende indigene Bev\u00f6lkerung besch\u00e4ftigt, wurde viel zu sp\u00e4t als Anhang beigef\u00fcgt: Monate, nachdem der Rest des Berichts bereits abgeschlossen war. Ein klares Indiz daf\u00fcr, dass die Rechte der Indigenen hier nicht ernst genommen werden.\u2028 \u2028<\/p>\n<\/p>\n<div class=\"events-box big-box left\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/cbc311b4-cbc311b4-gp0stpcfe_bearb.jpg\" title=\"\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_epiEntryContent_ctl00_ctl08_Image1\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/cbc311b4-cbc311b4-gp0stpcfe_bearb.jpg\" alt=\"\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content no-title\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong><\/strong><\/p>\n<p>\n            Bei Treffen mit Staatsvertretern und Wissenschaftlern f\u00fchren M\u00e4nner des Munduruku-Volkes einen rituellen Kreistanz auf. Damit ehren sie den Fluss, den Wald, alles Leben darin &#8211; die Natur, die der Staudamm gef\u00e4hrden oder gar zerst\u00f6ren w\u00fcrde.\n        <\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Um die Umsiedelung der indigenen Bev\u00f6lkerungsgruppen zu rechtfertigen, die die Ufer des Tapaj\u00f3s bewohnen, ignoriert die UVP sogar die brasilianische Verfassung: Die schreibt vor, dass indigene Gruppen nur dann umgesiedelt werden d\u00fcrfen, wenn Katastrophen oder Seuchen die Bev\u00f6lkerung gef\u00e4hrden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><strong>BRASILIEN MUSS AUF SAUBEREN ENERGIEMIX UMSTELLEN<\/strong><\/p>\n<p><strong><\/p>\n<div class=\"events-box big-box left\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/6ec45590-6ec45590-gp04x4v_bearb.jpg\" title=\"\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_epiEntryContent_ctl00_ctl10_Image1\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/6ec45590-6ec45590-gp04x4v_bearb.jpg\" alt=\"\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content no-title\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong><\/strong><\/p>\n<p>\n            Der Tapaj\u00f3s aus der Luft. Der Fluss ist Lebensgrundlage f\u00fcr indigene V\u00f6lker wie die Munduruku und f\u00fcr andere Anwohner. W\u00fcrde der Mega-Staudamm gebaut, durchz\u00f6ge eine 53 Meter hohe und 7,6 Kilometer lange Mauer den Flusslauf. Nat\u00fcrliche \u00dcberschwemmungs- und D\u00fcrreperioden blieben aus, die Artenvielfalt ginge verloren,Menschen m\u00fcssten zwangsweise umgesiedelt werden.\n        <\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Aus all diesen Gr\u00fcnden kommt die von Greenpeace in Auftrag gegebene Analyse zu dem Schluss, dass die Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung von der Genehmigungsstelle abgelehnt werden muss. Denn schon jetzt basieren 97 Prozent des brasilianischen Energie-Mixes auf Wasserkraft. H\u00f6chste Zeit also f\u00fcr die brasilianische Regierung, umzudenken: Statt das Amazonasgebiet mit seinen Fl\u00fcssen und W\u00e4ldern weiter zu zerst\u00f6ren, muss das Land im gro\u00dfen Stil in saubere, erneuerbare und urwaldsch\u00fctzende Energiequellen wie Wind und Sonne investieren.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Amazonas-Fluss Tapaj\u00f3s soll ein Mega-Staudamm entstehen \u2013 auf Kosten von Menschen und Natur. Greenpeace pr\u00fcfte das Projekt. Und entdeckte Korruption und Gewissenlosigkeit. 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